Kommentar Der Gewinnboom der US-Unternehmen könnte ein schnelles Ende haben

Neben der Steuerreform treibt auch der Handelskonflikt die Gewinne von US-Firmen nach oben. Der Effekt wird aber nicht von Dauer sein.
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Der Wirtschaftsboom beflügelt die USA. Die Frage ist nur wie lange der Boom unter Präsident Trump anhält. Quelle: dpa
New York

Der Wirtschaftsboom beflügelt die USA. Die Frage ist nur wie lange der Boom unter Präsident Trump anhält.

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Amerika boomt, und seine Unternehmen tun dies auch – mit voller und immer größerer Kraft. Um mehr als 20 Prozent haben die 500 größten amerikanischen Konzerne im ersten Halbjahr ihre Gewinne gegenüber dem Vorjahr gesteigert. Und das, nachdem Apple, Microsoft, Caterpillar, Pfizer und Co. bereits in den Vorjahren Rekordgewinne eingefahren hatten, die Jahre davor ebenfalls.

Der einzige Unterschied zu den vergangenen Boomjahren ist, dass die meisten Industrie-, Technologie- und Dienstleistungsunternehmen ihre Gewinne 2018 noch stärker steigern werden als in den vorangegangenen guten Jahren.

Zuwächse von 20 und mehr Prozent gibt es sonst nur in den ersten Jahren nach einer Rezession, beispielsweise 2008. Dann ist die Ausgangsbasis sehr niedrig, und größere prozentuale Zuwächse sind relativ leicht zu erreichen. Dass es nun nach neun Jahren Aufschwung einen solchen Boom gibt – das ist wirklich außergewöhnlich.

Wer nach den Ursachen sucht, landet zuerst bei der robusten Weltkonjunktur mit der hohen Nachfrage der Unternehmen und Verbraucher in Asien, Europa und Amerika selbst. Das gleichzeitige Wachstum in allen drei Weltregionen hat den Unternehmen viel Spielraum eröffnet, höhere Preise durchzusetzen und so ihre Gewinne und Margen zu steigern.

Darüber hinaus profitieren die Unternehmen ganz außerordentlich von Amerikas Steuerreform – maßgeblich getrieben von US-Präsident Donald Trump. Seine Entscheidung, die Unternehmensteuern von 35 auf 21 Prozent zu senken und damit die Firmen um rund 1,5 Billionen Dollar zu entlasten, beschert den allermeisten Konzernen zusätzliche Milliardengewinne.

Steuervorteile bringen Unternehmen nach vorne

Der Pharmariese Pfizer etwa sieht sich nach seinem Sondergewinn von elf Milliarden Dollar im Schlussquartal des vergangenen Jahres auch für 2018 als Profiteur der neuen Steuergesetze.

Ein wesentlicher Grund für den Anstieg des Google-Gewinns um 73 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal war, dass die effektive Steuerquote des Alphabet-Konzerns dank etlicher Schlupflöcher und Sonderregeln im Jahresvergleich von 20 auf jetzt elf Prozent geschrumpft ist.

Ein weiteres Beispiel ist Time Warner: Obwohl alle Sparten des Medienkonzerns wegen hoher Kosten weniger zum Konzerngewinn beitrugen, kletterte der Überschuss im ersten Quartal um 15 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar.

Analysten errechneten, dass sich die Gewinne der 500 größten US-Konzerne ohne den Steuereffekt im ersten Quartal „nur“ um 15 und nicht wie tatsächlich um 25 Prozent verbessert hätten, im zweiten um zwölf und nicht wie jetzt real um 20 Prozent.

Überraschend ist dabei, dass selbst der Handelskonflikt keine negativen Auswirkungen zeigt. Der Streit mit seinen Zöllen und Gegenzöllen dürfte die Erträge der Unternehmen sogar beflügeln, anstatt sie zu belasten.

Richtig ist, dass Zölle, wie sie die USA auf 800 chinesische Produkte verhängten – etwa auf Flugzeugteile und Festplatten –, und Gegenzölle, wie sie China auf Sojabohnen und Schweinefleisch angeordnet hat, die Verbraucherpreise erhöhen. Dadurch sinkt die Kaufkraft der Konsumenten. Das ist bereits an der jüngsten Inflationsrate abzulesen, die in den USA auf drei Prozent gestiegen ist.

Der Handelsstreit kurbelt die US-Konjunktur an

Aber die Konjunktur wird – darauf weisen die Ökonomen der Commerzbank zu Recht hin – gleichzeitig angeschoben, weil jetzt viele amerikanische Unternehmen ihre Investitionen hochfahren, um in den USA neue Produktionskapazitäten aufzubauen. Sie lagen brach, weil China lange Zeit Waren in die USA exportierte. Die werden jetzt angesichts der neuen Zölle wieder in den USA hergestellt.

Zwar stimmt auch, dass China ebenfalls Zölle erhebt, die USA deshalb also weniger Waren für den Export nach China herstellen. Aber China kauft viel weniger ein als die USA, sodass der Vorteil eindeutig bei den US-Firmen liegt. Die Commerzbank hat wegen dieses Effekts ihre Wachstumserwartungen für die USA nicht gesenkt, sondern erhöht – von 2,7 auf 2,8 Prozent in diesem und von 2,0 auf 2,3 Prozent im nächsten Jahr.

Kurzfristig beflügeln die Steuerreform und der Handelskonflikt also die Gewinne. Längerfristig aber – daran besteht kein Zweifel – werden auch die US-Unternehmen wieder niedrigere Gewinne erwirtschaften. Der Protektionismus schwächt die reale Wirtschaftskraft.

So werden zum Beispiel große und exportstarke Volkswirtschaften, darunter besonders Deutschland, durch den amerikanisch-chinesischen Konflikt in Mitleidenschaft gezogen. Die neuen Zölle etwa auf in den USA gebaute und nach China exportierte BMW- und Daimler-Modelle verteuern die Preise, weshalb die Verkaufszahlen sinken. Das wiederum belastet die Nachfrage nach Grundprodukten.

Unter diesen Mechanismen der Globalisierung werden am Ende auch die US-Unternehmen leiden. Der amerikanische Gewinnboom ist also keineswegs nachhaltig.

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