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Kommentar Der Gold-Hype ist übertrieben

Der Preis des Edelmetalls wird von Anlegern getrieben, die sich gegen bestimmte Risiken sichern wollen. Doch die sind viel geringer als geglaubt.
09.07.2020 - 08:32 Uhr 8 Kommentare
Bleibt auch bei einem Systemcrash wertvoll. Quelle: dpa
Gold

Bleibt auch bei einem Systemcrash wertvoll.

(Foto: dpa)

Der Goldpreis scheint nicht mehr zu bremsen zu sein. Erstmals seit Jahren hat er wieder die Grenze von 1800 Dollar pro Feinunze überschritten. Dahinter stecken auch rationale Motive, aber der heutige Hype scheint doch übertrieben zu sein.

Es gibt zwei Gründe, die für Gold sprechen: dass es als realer Wert gegen Inflation schützt und dass es eine Art Versicherung gegen einen kompletten Zusammenbruch des Finanzsystems bietet. Es gibt aber auch zwei Gründe, die gegen Gold sprechen: dass es keine laufenden Erträge bringt und dass der Preis mitunter stark schwankt.

Der Inflationsschutz ist langfristig sicher ein Argument. Seit Jahren sind die Preissteigerungen allerdings sehr niedrig, und die Coronakrise verstärkt das noch. Das Risiko einer Inflation nach Abflauen der Krise ist jedoch nicht zu vernachlässigen. Aber möglicherweise ist die Gefahr eines Abrutschens in das Gegenteil, in „japanische Verhältnisse“ mit stagnierenden oder fallenden Preisen, mindestens genauso groß.

Außerdem gibt es auch andere Arten von Inflationsschutz, neben speziellen Wertpapieren sind das zum Beispiel Immobilien und unter langfristiger Perspektive auch Aktien. Eine Versicherung gegen den Zusammenbruch des Systems ist nur sinnvoll, wenn man diesen für möglich hält. In der Finanzkrise vor gut zehn Jahren waren wir zeitweise nicht weit davon entfernt.

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    Aber sie hat ebenso wie die spätere Euro-Krise und die heutigen Verwerfungen durch Corona auch gezeigt: Wenn es darauf ankommt, springen zuerst die Notenbanken und dann die Regierungen ein. Auch hier gilt: Das Risiko ist nicht null, aber es sollte nicht überschätzt werden. Es sind eine Menge Crash-Propheten unterwegs, aber die wollen meist entweder ihre Bücher oder eben Gold verkaufen.

    Außerdem gilt: Wenn das System komplett zerbröselt, hilft möglicherweise nur physisches Gold. Auf der anderen Seite: Das Fehlen der laufenden Rendite fällt heute weniger ins Gewicht, weil die meisten Zinspapiere auch keine Rendite mehr bringen.

    Wägt man alle Argumente gegeneinander ab, spricht einiges für einen kleinen Goldanteil im Depot oder im Gesamtvermögen. Aber nicht für mehr. Das beste Argument für Käufe ist, dass Zinspapiere auch keine Zinsen mehr bringen. Und das ist kein allzu starkes Argument.

    Viele Profis halten nichts von Gold, weil sie es eher als Spekulationsobjekt sehen. Andere raten, einen Anteil des Vermögens von bis zu fünf Prozent, in seltenen Fällen auch zehn Prozent, anzulegen. Angesichts der Tatsache, dass selbst Anleihen heute überwiegend nur noch zur Spekulation taugen, ist der Fünf-Prozent-Ansatz nicht unvernünftig.

    Mehr: Wie Goldkäufer auf Betrüger hereingefallen sind

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    8 Kommentare zu "Kommentar: Der Gold-Hype ist übertrieben"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Es gibt eine gewisse Tendenz bei den Medien die Anleger zur Aktienanlage zu bewegen. Warum dies so ist, scheint mir unklar. Allerdings gibt es offenbar Kampagnen gegen den Goldbesitz. Dabei werden oft ökologische oder humanitäre Aspekte vorgeschoben. Beim Vergleich von Kursbewegungen unterschiedlicher Anlagegüter bleibt die Inflation normalerweise unberücksichtigt. Insofern ist es richtig eine langjährige durchschnittliche Kurssteigerung von etwa 8% p.a. beim Gold zu nennen. Das ist nicht so gut wie die Kursentwicklung bei Tesla. Aber Gold kann eben auch nicht insolvent werden.

    • Der zweite perfide Artikel ist der über den "Gold-Hype".
      Aber selbstverständlich gibt es nicht etwa auch einen Tesla-Hype.
      Es gab auch z.B. keinen Internet-(Dotcom-)Hype, bis dann die Blase platzte. ;-)
      Was Gold tatsächlich ist, scheint der US-Banker (und "Mitgründer" des Federal Reserve Systems) J.P. Morgan besser gewusst zu haben: "Gold ist Geld - alles andere ist Kredit!" Kredit kann man beliebig schaffen, Gold dagegen nicht. Der weltweite Goldbestand ("Stock") wächst nur um ca. 2% per anno, während Gold normalerweise nicht vernichtet wird. Diese Zunahme des Golbestandes um ca. 2% im jahr wären also bei einer 100%-Golddeckung der Währungen die NATÜRLICHE INFLATIONSRATE!
      Da die Zentralbanken nun zum unbegrenzten Gelddrucken übergegangen sind, droht das eine Szenario, bei dem Gold schützt, nämlich Starkinflation. Und es spielt auch keine Rolle, dass Gold keine Zinsen zahlt, denn die zahlt die Bank auch nicht mehr. In einer Starkinflation steigen auch Aktien, aber ein Investment in Aktien erfordert Due Dilligence, für die einfache Menschen eben nicht die Mittel haben.
      Das andere Szenaro, vor dem Gold schützt, ist die Hyperdeflation (in unsererm Geldsystem gleichbedeutend mit Kredit- bzw. Schulden-Deflation) . In diesem Szenario fallen die "Geldlagerstätten", nämlich die Banken, um, und die "Geld"-Einlagen dort fallen weg ("Haircut" usw.), während die Börsen crashen. Trotz der massiven Interventionen der Notenbanken ist auch dieses Szenario noch nicht ganz aus der Welt.
      Gold wird jedoch in jedem Falle dringend benötigt. ;-)

    • Heute gibt es gleich zwei besonders perfide Artkel beim Handelsblatt. Der zweite über Gold wird dort kommentiert.
      In ersteren hier geht es darum, den Menschen bargeldloses Zahlen schmackhaft zu machen, ob nun als besonders schnell, sexy, cool, fortschrittlich ("digital ist besser!"), oder noch besser durch Corona als sehr "hygienisch".
      Natürlich ermöglicht die Abschaffung von Bargeld dagegen einmal die lückenlose Überwachung der Bürger (Norbert Häring sofort ans Telefon!! ;-)) ), aber da wir im Finale des Schuldgeldsystems sind, geht es noch um etwas ganz Anderes, aber ganz Entscheidendes:
      "Kurzfristig gibt es nur einen Weg aus der Nullzinsfalle (...): Feinsteuerung der Liquidität durch die Zentralbank. Dann umgeht dier Zentralbank immer mehr die Geschäftsbanken, und die Technokraten können das Geld selbst dort schöpfen, wo es mangelt, und dort abziehen, wo es zu viel davon gibt.
      Das Bargeld ist zwar von der Zentralbank geschaffen, hat aber nur aus Gründen notwendigen VERTAUENSerhalts diese Form. Es trägt die alte, gewohnte Form eines sogenannten Sachgeldsurrogates [eine Banknote war früher nämlich nur der "Lagerschein" für eingelagertes Waren-Geld, und dieses musste auf Verlangen gegen die "Note" von der Bank eingelöst werden; der Kommentator].
      Das schlichte Verbot von Bargeld könnte dieses Vertrauen allzu plöztzlich aufs Spiel setzen, Schlauere [nein, bösartigere!!; der Kommentator] Politik ist stes eine der kleinen Schritte. Ein französischer Finanzminister hat die Staatskunst einst so auf den Punkt gebracht: Man muss die Gans so rupfen, dass sie dabei am wenigsten kreicht." Praktischer wäre eine schleichende Ersetzung des Bargeldes. Und dabei hilft der technische Fortschritt." (Rahim Taghizadegan: Geld her oder es kracht!, Graz & Wien 2019, S. 61 f.)
      Aber schon heute gibt es eben BESSERE Digitalwährungen als digitales Zentralbankgeld: nämlich die Kryptowährungen, die sich auf dem freien Markt bewähren müssen und nicht durch den Staat aufgezwungen werden!

    • Das werden wir noch sehen ob die Risiken geringer sind als geglaubt. Ab einem bestimmten Punkt haben die Maßnahmen der Zentralbanken keine Wirkung mehr und der Punkt rückt näher. Immobilien auf dem aktuellen Niveau sind sicher auch kein guter Inflationsschutz. Und der häufig hohe Kredithebel der im Spiel ist macht derartige Investments zusätzlich riskant. Es hat sicher einen Grund weswegen sich Gold nach oben entwickelt ;-)

    • Gold zeigt seit Jahrzehnten eine starke positive Korrelation zwischen der von FED, EZB & Co. geschaffenen Geldmenge, sowie eine starke negative Korrelation mit den Realzinsen.
      Infolge rekordhoher Staats- und Firmenschulden bleibt den Staaten gar kein Ausweg, als die Geldmenge (sprich Schulden) weiter aufzublähen, und financial Repression (d.h. kalte Enteignung durch negative Realzinsen) zu betreiben.
      Im Übrigen hat sich noch in jedem Zyklus (80iger Jahre, 2001-2011) der Geldpreis vervielfacht. Derzeit stehen wir bei Faktor 1.7 (Tief ca. 1050 - Preis heute 1800)

    • Sehr schön. Solange das Sentiment in Bezug zu Gold so negativ ist, wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter steigen. Erst wenn alle zum Gold raten und das Handelsblatt (wieder) zum Gold-Cheerleader wird, (wie z.B. hier in 2012: https://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/devisen-rohstoffe/edelmetalle-der-goldrausch-ist-nicht-vorbei/6249474.html) dann heisst es sich zu verabschieden.

      Also bleiben sie bärisch! Die Goldbesitzer brauchen sie!

    • @Christopher Weise
      Inflationsbereinigt lag die durchschnittliche Jahresrendite von Gold bei rund 5%. Hiervon müssen dann noch die Lagerkosten abgezogen werden. Die Kernaussage des Autors ist ja auch: Gold ja, aber nur 5-10% dem Deopt beimischen. Genauso sollten die Aussage bei ihrem Vergleich sein: Aktien ja, aber nicht alles auf eine Aktie, in einer Region und auf eine Branche setzen. Ein ganz simpler MSCI World ETF erfüllt diese Vorgabe bereits und schlägt die jährliche Rendite von Gold deutlich.

    • Man kann mit Edelmetallen keinen Totalverlust erleiden wie bei Wirecard. Ausserdem entfällt das Kontrahentenrisiko. Der Anleger ist also, anders als bei Bankguthaben auf Verrechnungskonten, vor allfälligen Bankeninsolvenzen geschützt. Langfristig beträgt der durchschnittliche Wertzuwachs p.a. etwa 8%. Zudem investiert der Anleger in eine Anklageklasse, die auch von zahlreichen Zentralbanken goutiert wird. Die Einschätzung in dem Artikel von Herrn Wiebe ist sachlich nicht nachvollziehbar.

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