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Die neuen Zwanziger

Kommentar Der Kampf um Gleichberechtigung wird im Internet ausgetragen

Die Netzpolitik muss sich ändern, um sexualisierten Beschimpfungen und Gewaltfantasien Einhalt zu gebieten. Wehe, wenn der Kampf verloren geht.
29.03.2020 - 12:05 Uhr Kommentieren

Um kurz vor halb zwei tat er es. Alek Minassian lenkte seinen Van auf den Bürgersteig der kanadischen Metropole Toronto und tötete zehn Menschen. Sein Motiv: so vielen Frauen wie möglich das Leben zu nehmen.

Das Attentat im April 2018 offenbarte die Abgründe des Internets. Der Angreifer war ein sogenannter Incel (kurz für Involuntary Celibacy also unfreiwilliges Zölibat), Mitglied einer welt-umspannenden Online-Gemeinschaft, die sich zurückholen will, was die Emanzipation ihnen angeblich genommen hat.

Die Incels bilden nur die Spitze einer Pyramide frauenverachtender Inhalte im Netz. Sie fußen auf einem Frauenbild, das vor allem an Sexualität geknüpft ist, Weiblichkeit als minderwertig diskreditiert und sich schnell verbreitet.

Online-Plattformen wie Breitbart oder PI-News publizieren Parolen, die irgendwo zwischen Anti-Feminismus und verbaler Vergewaltigung anzusiedeln sind. Dies überträgt sich auf die sozialen Medien. Diffamierungen gibt es dort viele, aber wenn sie sich gegen Frauen richten, haben die meisten Aussagen eine sexualisierte Komponente – häufig mit Androhung von Gewalt.

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    Die wohl eindrücklichsten und weitverbreitetsten Bilder zur Herabwürdigung der Frau liefern Online-Pornos. Der Mainstream ist von weiblicher Unterdrückung durchzogen und stellt meist eine männliche Perspektive dar.

    Das Digitale bleibt nicht digital

    Die Gefahr: Wenn sich dieses Bild durchsetzt, werden die Errungenschaften der letzten Jahrzehnte nicht nur gefährdet, sie werden zurückgedreht. Denn das Digitale bleibt nicht digital. Welche Auswirkungen es auf die Realität hat, zeigt sich in den Attentaten aber auch in Anti-Abtreibungsgesetzen und dem Erstarken rechtsextremer Parteien.

    Um dies zu verhindern müssen alle, die an Gleichberechtigung statt reaktionärer Rückwärtspolitik interessiert sind, aktiv werden. Sich zu äußern und bei sexistischer Hetze nicht einfach nur weiter zu scrollen, ist die Verantwortung Aller – Frauen wie Männer. Auch die Netzpolitik muss sich ändern, um sexualisierten Beschimpfungen und Gewaltfantasien Einhalt zu gebieten.

    Feminist*innen im Netz müssen sich besser organisieren. Wie das gehen kann, hat das vergangene Jahrzehnt bereits gezeigt. Die #aufschrei-Kampagne und die #metoo-Bewegung ermutigten tausende Frauen, ihre Erfahrungen sexualisierter Unterdrückung offenzulegen.

    Ein anderes Beispiel für eine gelungene Mobilisierung lieferte die US-Amerikanerin Teresa Shook. Auf Facebook rief sie ihre 40 Freunde im Januar 2017 zu einem Protest für die Rechte von Frauen auf. Daraus wurde eine regelmäßige globale Veranstaltung, der „Women’s March“.

    Mit feministischen Pornos wollen Produzent*innen zudem dem fatalen Bild der Frau im Sexfilmgeschäft etwas entgegensetzen. Aus der Nische sollten sie sich im kommenden Jahrzehnt erheben, den Mainstream zu übernehmen.

    In seiner Geschichte war Feminismus nie ohne Gegendruck. Vom Widerstand gegen die Suffragetten in England über die Verbannung der Frau aus der Öffentlichkeit im Nationalsozialismus bis hin zur aktuellen Diffamierung als „Genderwahnsinn“. Der Unterschied im Netz ist, dass der Hass sich schneller verbreitet und stärker radikalisiert. Vier Attentate mit insgesamt 45 Tote, gehen auf das Konto der Incels – bisher.

    Das Internet ist gefährlich, aber es steckt auch voller Chancen. Wir Nutzer*innen entscheiden, welche Rolle das Medium in den 2020er Jahren spielen wird: eine befreiende oder eine tödliche.

    Mehr: Mit dem Beginn der neuen Dekade stirbt die Privatsphäre. Doch diese Entwicklung kann auch eine Chance sein, die Bedeutung von Datenschutz neu zu lernen.

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