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Kommentar Der letzte Ausweg für die Deutsche Bank ist eine Fusion mit der Commerzbank

Christian Sewings Sanierungsplan für die Deutsche Bank geht nicht auf. Die Investoren glauben längst nicht mehr daran. Es ist Zeit für Plan B.
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Unter Christian Sewing fährt das Geldhaus einen Zickzackkurs. Quelle: AP
Deutsche-Bank-Türme in Frankfurt

Unter Christian Sewing fährt das Geldhaus einen Zickzackkurs.

(Foto: AP)

Die Botschaft ist immer dieselbe: Seit Jahren ist aus den oberen Stockwerken der Deutsche-Bank-Doppeltürme zu vernehmen, die Strategie des Geldhauses sei die richtige. Das Problem sei lediglich, dass der dazugehörige Schlachtplan nicht umgesetzt werde.

Das waren auch die Worte, mit denen Aufsichtsratschef Paul Achleitner vor einem Jahr den CEO John Cryan vor die Tür bat – und durch einen Mann ersetzte, an dessen Umsetzungsfähigkeiten bis heute niemand zweifelt.

Und tatsächlich hat Christian Sewing, anders als seine Vorgänger, geliefert: Der Vorstandschef hat 2018 nach drei Verlustjahren einen kleinen Gewinn erwirtschaftet, die Kosten gesenkt und viele Stellen abgebaut. Das Problem: Trotz Sewings Kärrnerarbeit geht es der Deutschen Bank nur marginal besser. Der Aktienkurs ist unter seiner Ägide nochmals um fast ein Drittel gefallen, die Erträge der Bank sind 2018 um weitere vier Prozent geschrumpft, und die Eigenkapitalrendite ist mit 0,5 Prozent mickrig.

Noch schlimmer: Der Markt hat den Glauben daran verloren, dass Sewing seine Renditeziele erreichen wird. Es ist daher höchste Zeit, Achleitners (und damit auch Sewings) grundlegende Prämisse zu hinterfragen: Ist die Strategie die richtige? Oder noch drastischer formuliert: Ist das überhaupt eine Strategie?

Die Antwort auf beide Fragen kann nur lauten: nein. Was den Anlegern seit Langem als Strategie verkauft wird, ist eher ein Durchwurschteln. Schon viele Jahre vor Sewings Amtsantritt hätte Deutschlands größtes Geldhaus die Weichen anders stellen sollen: Man hätte die seit einem Jahrzehnt weitgehend unprofitable Investmentbank drastisch zurechtstutzen und stattdessen Geld in das solide Firmenkundengeschäft, das ertragreiche Fondsgeschäft, die sehr erfolgreiche Transaktionsbank und, ja, auch in das so gern belächelte Privatkundengeschäft investieren können.

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Stattdessen gab es einen permanenten Zickzackkurs – vor allem in der viel zu lange sakrosankten Investmentbank. Mal wollte die Deutsche Bank wieder groß im Anleihehandel – einer traditionellen Stärke des Geldhauses – angreifen. Dazu wurde trotz ausbleibenden Erfolgs viel Aktionärsgeld verpulvert. Dann wollte das Management auf einmal das Aktiengeschäft – die traditionelle Schwäche der Bank – ausbauen. Auch das blieb erfolglos.

Und unter Sewing schließlich ist so gar nicht erkennbar, wohin die Reise gehen soll. Die Investmentbank kürzt hier und da, mischt aber weiter fast überall ein bisschen mit. Nur eine Konstante bleibt: Für Boni fühlen sich Investmentbanker zuständig – für Profite nicht. Im vierten Quartal verbuchte die Einheit einen Vorsteuerverlust von gut 300 Millionen Euro.

Würde man die Transaktionsbank herausrechnen, wären die Zahlen noch viel schlimmer. Vor allem das Aktiengeschäft und der US-Anleihehandel verlieren Geld. Für den Misserfolg gibt es viele Gründe: Die strikteren regulatorischen Vorgaben, der schwierige Heimatmarkt, die Nullzinsen in Europa und die im Vergleich zum Wettbewerb höheren Refinanzierungskosten der Bank gehören dazu. An den meisten dieser Faktoren wird Sewing nicht viel ändern können.

Die gesamte Bank ist daher längst in einer Spirale gefangen: aus Erträgen, die schneller sinken als die Kosten. Aus Kunden, die sich abwenden. Und aus erhöhten Refinanzierungskosten, die bei jeder neuen Negativnachricht noch weiter nach oben gehen.

Aus diesem Teufelskreis herauszukommen wird schwer. Vielleicht sogar unmöglich. Schließlich sieht es nicht danach aus, als ob das wirtschaftliche Umfeld in diesem Jahr besser wird. Und auch der ersehnte Zinsanstieg dürfte 2019 ausbleiben.

Sewings Vorgänger haben die Sanierung der Bank viel zu lange hinausgezögert. Aber auch sein Plan ist nicht radikal genug, um das Schicksal des einst so stolzen Geldhauses nachhaltig zu wenden. Sewing senkt konsequent die Kosten – aber was nutzt das, wenn die Erträge schneller fallen? Die Investoren glauben daher längst nicht mehr daran, dass er sein Renditeziel von vier Prozent im Jahr 2019 erreichen kann – vom mittelfristigen Zehn-Prozent-Ziel ganz zu schweigen.

Und auch das Management selbst gesteht bereits ein, dass das Ergebnisziel für dieses Jahr zum Teil von einem „konstruktiven Marktumfeld“ abhängt. Sewings Plan A funktioniert erkennbar nicht. Es ist Zeit für Plan B. Und der wäre eine Fusion mit der Commerzbank. Ein Schritt, der mit frischem Aktionärsgeld einhergehen müsste. Damit könnte die Integration, der Abbau Zehntausender Jobs sowie eine radikalere Sanierung der Investmentbank finanziert werden.

Entstehen würde eine weitaus effizientere Unternehmens- und Privatkundenbank mit einer passenden Transaktionsbank und einer Kapitalmarktsparte, die sich auf ihre Stärken etwa im Devisenhandel und in der Beratung konzentrieren würde. All das wäre nur unter großen Mühen umzusetzen. Aber es wäre immerhin eine Strategie. Und es wäre besser, sie jetzt in Ruhe und durchdacht in Gang zu setzen, als inmitten eines wirtschaftlichen Abschwungs im Panikmodus agieren zu müssen.

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1 Kommentar zu "Kommentar: Der letzte Ausweg für die Deutsche Bank ist eine Fusion mit der Commerzbank"

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  • Sehr geehrter Herr Schäfer,

    schön, dass Sie den einzig gangbaren Weg entdeckt haben. Natürlich müssen zwei fußkranke Banken unbedingt miteinander fusionieren. Anders können diese gar nicht gesunden.

    Und wenn es um eine Fusion geht, kommt als übernehmendes Institut natürlich nur eine deutsche Großbank in Frage. Am deutschen Wesen muß die Welt gewesen. Dass man vor einigen Jahren der italienischen Unicredit erlaubt hat, die bayrische Hypo-Vereinsbank zu übernehmen, war ein Riesenfehler.

    Im übrigen haben Sie bei Ihrem Vorschlag auch den hochverehrten Bundesfinanzminister auf Ihrer Seite. Und Sozis verstehen was vom Geld. Jedenfalls fanden die bislang stets noch einen, dem sie die Zahllast aufbürden konnten.