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Kommentar Der mächtigste Bertelsmann-Chef aller Zeiten

Thomas Rabe führt neben dem Medienkonzern nun auch die wichtigste Tochter. Seine Mission: den Angriff von Netflix & Co. auf das Fernsehgeschäft abwehren.
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Der Manager leitet künftig sowohl Bertelsmann als auch die TV-Tochter RTL Group. Quelle: dpa
Thomas Rabe

Der Manager leitet künftig sowohl Bertelsmann als auch die TV-Tochter RTL Group.

(Foto: dpa)

Nicht einmal ein Thomas Middelhoff hätte sich in seinen besten Zeiten die Doppelfunktion als Bertelsmann- und RTL-Chef zugetraut. Doch Thomas Rabe kann diesen Schritt wagen, denn er kennt Europas größtem Fernsehkonzern wie seine Westentasche. Sein erster Posten bei Bertelsmann im Jahr 2000 war schließlich der des Finanzvorstands in der Holding. Seitdem hat den gebürtigen Luxemburger das Fernsehgeschäft nie mehr losgelassen.

Nun hat der Rückzug von RTL-Chef Bert Habets die Tür geöffnet: Mit der zusätzlichen Übernahme des Chefsessels bei der RTL Group steigt Rabe zum mächtigsten Bertelsmann-Chef aller Zeiten auf. Er verantwortet künftig nicht nur in Gütersloh den Familienkonzern operativ, sondern auch den mit Abstand größten Umsatz- und Gewinnbringer.

Der traditionsreiche Medienriese steht und fällt mit dem Fernsehgeschäft. Das bedeutet eine gewaltige Verantwortung für den 53-Jährigen.

„Die Übernahme ist ein absolut konsequenter Schritt“, sagte ein früherer Vorstand der RTL Group. Denn Rabe bestimmte schon in der Vergangenheit stark die Entscheidungen in der Holding. Der zurückgetretene Bert Habets hatte offenbar seine Schwierigkeiten mit dem unternehmerischen Freiraum an der Spitze der RTL Group, behaupten Unternehmensinsider.

Vor diesem Hintergrund erscheint es logisch, dass Rabe nun selbst das Kommando über das europaweite Imperium an Fernsehsender, Radiostationen, Filmproduktionen und Internetportalen übernimmt. Mit seinem engen Vertrauten Elmar Heggen hat Rabe zudem einen Finanzvorstand, dem er seit vielen Jahren vertraut.

„Rabe hat Heggen immer als seinen verlängerten Arm benutzt. Doch er hat ihn nie den CEO-Posten zugetraut“, sagt ein ehemaliger RTL-Vorstand. Die Beiden kennen sich in und auswendig. Das neue Tandem in der Führungsspitze wird reibungslos funktionieren müssen. Denn Rabe wird zwischen Gütersloh und Luxemburg pendeln und muss mit seiner Zeit effektiv umgehen.

Auch wenn die goldenen Zeiten des werbefinanzierten Fernsehens allmählich zu Ende gehen, bleibt das lineare TV vorerst ein lukratives Geschäft. Die heutigen Renditen von über 20 Prozent sind wohl auf Dauer im linearen TV nicht zu halten, doch die Margen der Branche werden immer noch weit über denen anderer Industrien liegen.

Die Herausforderungen sind gewaltig

Rabes Doppelfunktion macht strategisch Sinn. Denn künftig solle alle Konzernteile innerhalb von Bertelsmann stärker kooperieren, um dadurch höhere Umsätze und bessere Renditen zu erwirtschaften. Die Verzahnung der RTL Group innerhalb des Konzerns wächst bereits. Das demonstriert die begonnene Zusammenarbeit zwischen RTL Deutschland und Gruner + Jahr. Es geht um Inhalte, Inhalte, Inhalte.

Bertelsmann steht vor gewaltigen Herausforderungen. Ganze elf Jahre brauchte der Medienriese, um seinen Umsatz von 2007 – also vor der Wirtschafts- und Finanzkrise – zu übertreffen. Mit Erlösen von 17,7 Milliarden Euro ist der europäische Branchenprimus heute kaum größer als Netflix mit einem Umsatz von 15,79 Milliarden Dollar. Der Unterschied ist nur, dass der amerikanische Streamingdienst in Sieben-Meilen-Stiefeln wächst.

Nicht nur Netflix, sondern auch Apple und noch in diesem Jahr auch Disney und Warner bedrohen mit ihren Filmabrufportalen den Fernsehmarkt. Sie wollen alle Stufen der Verwertungskette – von der Produktion bis zum Vertrieb auf allen Plattformen – erobern.

Vor diesem Hintergrund ist es ein großer Vorteil, dass Rabe nun die Chefposten bei Bertelsmann und RTL vereinigt, um schnell und nachhaltig auf den Angriff der Streamingdienste reagieren zu können.

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