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Kommentar Der neue Chef muss Audi ganz neu aufstellen

Die Premiummarke ist zur Schwachstelle der VW-Gruppe geworden. Die Ursache dafür liegt auch beim Mutterkonzern, der Audi zu viel Leine gelassen hat.
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Der VW-Aufsichtsrat hat den ehemaligen BMW-Vorstand zum neuen Audi-Chef berufen. Quelle: dpa
Markus Duesmann

Der VW-Aufsichtsrat hat den ehemaligen BMW-Vorstand zum neuen Audi-Chef berufen.

(Foto: dpa)

Der Autobauer Audi bleibt weit hinter seinen eigenen Erwartungen zurück. Dies gilt für den Absatz wie auch für die Rentabilität und die Position als Nummer drei der Premiumherstellern hinter BMW und Daimler. Dabei kann die Volkswagen-Tochter mehr, viel mehr. Als Teil des weltgrößten Autoherstellers müsste Audi bei Kosten, Technik und Vertrieb meilenweit vor der Konkurrenz landen.

Die Gründe, warum Audi hinter den Möglichkeiten zurück bleibt, sind vielfältig. Sicherlich haben die vielen Vorstandswechsel binnen weniger Jahre und die Verstrickung von Audi in den Dieselskandal zur Krise beigetragen. Aber die Ursachen sind nicht nur in Ingolstadt zu finden. Schuld an der Misere trägt auch der Mutterkonzern.

Der Vorstand von Volkswagen hat die Tochterfirma in Bayern lange Jahre sich selbst überlassen; Audi konnte so vor sich hin wurschteln. Die Wirkung ist fatal: Ohne eine effektive Kontrolle durch VW konnten Audi-Ingenieuren die Abgaswerte von Dieselautos fälschen und dann die Aufklärung des Betrugs verzögern.

Auch bei der Entwicklung neuer Modelle und der Einbindung in den Gesamtkonzern ließ die Zentrale in Wolfsburg der Tochter zu viel Raum. Die Folgen sind, dass der Absatz in einigen Bereichen weggebrochen ist und die Entwicklungskosten unnötig hoch sind.

Das Problem Audi ist damit zu einem Problem für die VW-Gruppe geworden. Die nämlich braucht das Geld des einst größten Gewinnbringers, um die Investitionen für den Umstieg von Öl auf Strom als Antriebsmittel zu stemmen.

Motivation und Effizienz

Nachdem die VW-Führung um Konzernchef Herbert Diess die Krise bei Audi lange Zeit unbehandelt gelassen hatten, greift sie nun ein: Zum April soll BMW-Vorstand Markus Duesmann neuer Chef von Audi werden. Er soll Bram Schot ersetzen, der vor einem Jahr berufen worden war. Schot vorzuwerfen, er sei gescheitert, wäre unfair, da er von Beginn an nur als Übergangslösung eingeplant war.

Duesmann gilt als fähiger Manager, der eine engere Bindung als Schot an VW-Chef Herbert Diess hat. Seine Berufung dürfte sicherlich gut sein für die Lösung der Probleme. Auf ihn wartet in Ingolstadt allerdings eine Mannschaft, die von Vorstandsrotationen verunsichert und selbstverschuldet vom Dieselskandal ihr Selbstvertrauen verloren hat.

Der BMW-Mann muss die Belegschaft im ersten Schritt aufbauen, sie positiv motivieren. Gleich im nächsten Schritt allerdings muss er Audi auf Effizienz trimmen, da die Kosten aus dem Ruder gelaufen sind.

Interimschef Schot hatte lediglich ein generelles Programm zur Kostensenkung aufgelegt. Audi muss aber strukturell anders aufgestellt werden, um im Wettstreit mit BMW und Daimler bestehen zu können. Gelingt das nicht, dann könnte Audi eines Tages hinter Volvo oder eine Tesla zurückfallen.

Damit Duesmann die Aufgabe bewältigen kann, braucht es einen Sinneswandel in Wolfsburg. Der künftige Chef mag einer großartige Führungspersönlichkeit sein, die lange Leine hat Audi aber nicht gut getan. Die Firma muss enger in das große Ganze eingebunden werden. Dazu gehört dann auch, dass der VW-Vorstand zügiger bei Fehlentwicklungen eingreifen kann.

Mehr: Volkswagen will bis 2024 fast 60 Milliarden Euro für Zukunftsinvestitionen ausgeben. Die VW-Tochter Audi erhält einen neuen Chef.

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