Kommentar Der neue Mister Euro muss noch überzeugen

Jeroen Dijsselbloem hat von Jean-Claude Juncker das Amt des Eurogruppen-Vorsitzenden übernommen. Junckers Autorität muss sich der Niederländer allerdings erst noch verdienen.
8 Kommentare

Eurogruppe wählt Niederländer Dijsselbloem

BrüsselAn ihren neuen Vorsitzenden müssen sich die Mitglieder der Eurogruppe noch gewöhnen. Das offenbarte EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn in der Nacht zum Dienstag unfreiwillig. Der Finne schaffte es im ersten Anlauf nicht, den Namen Dijsselbloem korrekt auszusprechen - und musste sich prompt von Jean-Claude Juncker korrigieren lassen. Sehr lange kennt Rehn Jeroen Dijsselbloem ja auch noch nicht: Der Niederländer wurde erst vor drei Monaten Finanzminister und hat erst an wenigen Eurogruppen-Sitzungen teilgenommen. Die Finanzminister der anderen Euro-Staaten können also noch gar nicht ganz genau wissen, mit wem sie es eigentlich zu tun haben.

Ein erstes Bild hat man sich von dem neuen Mann an der Spitze der Euro-Gruppe allerdings schon gemacht - und das hat vor allem mit seinem Heimatland zu tun: Die Niederlande gehören zu den wirtschaftlich erfolgreichen nordeuropäischen Staaten mit der Topnote AAA. Deutschland setzt daher nicht zu Unrecht darauf, dass Dijsselbloem den Spardruck auf die finanziell angeschlagenen Staaten im Süden aufrechterhalten wird. Diese Erwartung hat Dijsselbloem unmittelbar nach seiner Wahl zum Eurogruppen-Chef gestern Nacht in Brüssel bereits erfüllt. Haushaltskonsolidierung sei weiterhin zwingend notwendig, um das Vertrauen der Finanzmärkte in die Euro-Zone wieder herzustellen, verkündete der 46-jährige Sozialdemokrat.

Der Newcomer muss jedoch sehr aufpassen, dass er in der Euro-Zone nicht nur als Erfüllungsgehilfe des großen Nachbarn Deutschland wahrgenommen wird. Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker ist während seiner acht Jahre als Eurogruppen-Vorsitzender ein Spagat gelungen: Einerseits vertrat der Luxemburger selbst einen AAA-Staat und stand damit auf der Seite Deutschlands. Andererseits kommt er aus einem sehr kleinen Land und fühlte sich insofern solidarisch mit anderen kleinen und schwachen Euro-Staaten. So gelang es Juncker, das Vertrauen aller zu gewinnen und die Euro-Zone in größten Stresssituationen zusammenzuhalten.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Die Autorin

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.

Dijsselbloem muss erst noch beweisen, ob er dazu in der Lage ist - und zwar bald. Die Südeuropäer haben ihn nämlich bereits im gegnerischen Lager der AAA-Staaten einsortiert. Spaniens Finanzminister weigerte sich sogar, Dijsselbloem seine Stimme zu geben, was in der stets auf Konsensentscheidungen bedachten Eurogruppe höchst ungewöhnlich ist.

Dijsselbloem ist also gut beraten, wenn er bei den Südeuropäern um Vertrauen wirbt. Das wird nicht gehen, wenn er der Bundesregierung immer nach dem Mund redet. Wenn der neue Eurogruppen-Chef in Zukunft also einmal einen Konflikt mit Berlin riskiert, sollten die Deutschen dafür Verständnis haben.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Kommentar - Der neue Mister Euro muss noch überzeugen

8 Kommentare zu "Kommentar: Der neue Mister Euro muss noch überzeugen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Jetzt hat die EU auch einen Praktikant, bis hatte Deutschland, als einziges EU-Land einen Praktikant: Rössler.
    Die EU macht es jetzt mit Jeroen Dijsselbloem noch besser! Man wird die Mitarbeiter bald direkt aus dem Kindergarten raus einstellen.
    Sie sollen sowenig wie möglich Merkel widersprechen.
    In Europa wird jetzt Deutsch gesprochen! (Kauder)

  • @cucco ... sehr schoen gesagt. Ich unterstelle dem Herrn Juncker ebenfalls mangelnde Glaubwuerdigkeit. Autoritaet sieht eigentlich anders aus, doch vielleicht bezieht man sich hier auch auf das "neue" Autoritaetsverstaendnis Bruessels Autokratten. Frei nach dem Motto: "Wenn ich sage, alles ist gut und die Eurorettung sowieso alternativlos, dann stimmt das auch!"

  • Warum schreibt der Autor undifferenziert diesen Satz: "Junckers Autorität muss sich der Niederländer allerdings erst noch verdienen."
    Junker ist dafür bekannt, dass er den Menschen Lügen erzählen will, und schliesslich abwarten will, damit dann die Umstände die gefällten Entscheidungen irreversible machen. Mit keinem Wort wird die betrügerische Seite Junkers erwähnt.

  • Hauptsache der Neue ist nicht so deutschlandfeindlich wie unsere Politiker. Ich hoffe, er betrachtet die Deutschen nicht als Zahlmeister und Sündenbock, wie deutsche Politiker!

  • ....es ist schon unfassbar was so geschrieben wird:
    Die Griechen und die Spanier sind eigenverantwortlich für Ihre Jugend! Sonst keiner!!!! Juncker braucht man nicht zu kommentieren, alles gesagt und geschrieben.
    Was den "Neuen" anbetrifft ist es doch nur wichtig das wieder kein deutscher in eine Position kommt, da sind sich ALLE einig besonders die die gerade in Berlin "ein Besäufnis" auf die unzerbrechliche, glorreiche Freundschaft halten. der Verdacht liegt nahe, das auch Berlin keine wirklichen Forderungen mehr hat ganz im Sinne "seines besten Freundes" - also weiter mit dem Ausverkauf! Prost!

  • Bei dem Unheil, dass Juncker mit Ausdauer und Lügen konsequent zu Lasten Deutschlands, aber vor allem zu Lasten der spanischen und griechischen Jugend, angerichtet hat, kann man doch nur wünschen, dass sein Nachfolger nicht so stark und "erfolgreich" ist.

  • ... aus Sch.... kann man kein Gold machen, so einfach ist das. Wir sind in der Sackgasse, das Endspiel der Eurozone läuft.

  • Ist es nicht ein bisschen spät jetzt um Zweifeln zu äußern?
    Hätte Merkel doch nicht ein Franzose akzeptieren sollen?
    Diese Konfrontationspolitik à la Merkel wird am Ende zum Scheitern führen.
    Da werden die Euroländer die vom deutschen und chinesischen Exportüberschuss erstickt werden nur noch einen Ausweg sehen, der Protektionismus, damit die eigene Wirtschaft von den stärkeren Wirtschaften nicht total Kannibalisiert wird.

Serviceangebote