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Kommentar Der Opec droht die Spaltung

Das Ölkartell hat sich in eine gefährliche Abhängigkeit vom Partner Russland manövriert. Putin versteht die Allianz als politische Waffe.
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Der russische Präsident versteht die wirtschaftliche Allianz mit der Opec als politische Waffe. Quelle: dpa
Wladimir Putin

Der russische Präsident versteht die wirtschaftliche Allianz mit der Opec als politische Waffe.

(Foto: dpa)

Der iranische Ölminister Bijan Namdar Zangeneh ließ bereits bei der Ankunft am Wiener Flughafen seiner Wut freien Lauf. Der mächtige Politiker ließ für die Organisation der Erdöl exportierenden Länder (Opec) bereits das Sterbeglöcklein klingeln. Er glaube, die Opec sei dabei zu sterben. Der Unilateralismus des Opec-Schwergewichts Saudi-Arabien und Russlands sei die größte Bedrohung für das Ölkartell.

Auf dem G20-Gipfel im japanischen Osaka hatten sich zuvor der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman al-Saud und der russische Präsident Wladimir Putin auf die Fortführung der bisherigen Produktionskürzung geeinigt. Irans Ölminister brachte mit seinen ungewöhnlich scharfen Aussagen zum Ausdruck, was einige der 14 Opec-Mitglieder hinter verschlossenen Türen zum Ausdruck bringen. Sie haben die Bevormundung durch das mächtige Tandem Saudi-Arabien und Russland satt.

Mit der strategischen Allianz zwischen dem Ölkartell und zehn Nicht-Opec-Mitgliedern unter der ausgesprochen selbstbewussten Führung Russlands hat sich die Opec zusehends in eine gefährliche Abhängigkeit von Moskau begeben. Denn Russland begreift die Partnerschaft nicht nur als wirtschaftliche Interessengemeinschaft, um den globalen Ölmarkt in volatilen Zeiten zu stabilisieren. Putin versteht die Allianz mit der Opec insbesondere als politische Waffe.

Der Autokrat im Kreml hat über das Öl ein geostrategisches Druckmittel für den Mittleren Osten gefunden. Denn die Stabilität der Region steht und fällt mit dem Ölpreis. Die Monarchie in Saudi-Arabien braucht dringend einen höheren Ölpreis, um das Land, in dem Menschenrechte mit den Füßen getreten werden, stabil zu halten. Kronprinz Mohammed bin Salman al-Saud kann seine Wohltaten nur finanzieren, wenn das Barrel (159 Liter) mehr als 80 Dollar kostet.

Russland kann sich hingegen entspannt zurücklehnen. Denn angesichts der niedrigen Förderkosten in Sibirien reicht das jetzige Preisniveau aus Sicht von Putin völlig aus. Saudi-Arabien und die Golfstaaten sind angesichts dieses Kräfteverhältnisses in einer gefährlichen Defensive. Bei der Opec+ haben sie längst auf dem Beifahrersitz Platz genommen, während Russland das Ölkartell steuert.

Doch es gibt noch einen weiteren Grund für die Schwäche der Opec. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert ist der globale Marktanteil der Organisation unter 30 Prozent gesunken. Nur mithilfe von Russland und seinen Partnern kommt die Allianz auf einen Marktanteil von 50 Prozent.

Der Grund ist einfach: Mit dem Boom des Schieferöls sind die Vereinigten Staaten zum größten Ölförderland der Welt aufgestiegen. Ein weiterer Bedeutungsverlust ist angesichts effizienterer Bohrtechnologien und des vergleichsweise hohen Preisniveaus programmiert.

Die Opec wurde vor 59 Jahren in Bagdad von Saudi-Arabien, dem Iran, Irak, Kuwait, Saudi-Arabien und Venezuela gegründet. Wegen dieser Historie hat es einen besonderen Beigeschmack, wenn Irans Ölminister Zangeneh betont, dass sein Land nicht die Opec verlassen werde.

Denn indirekt schürt der politisch sehr erfahrene Politiker damit Spekulationen, dass das unter den amerikanischen Sanktionen leidende Land am Ende doch dem Ölkartell den Rücken kehren könnte. Wie schnell das gehen kann, zeigte zuletzt der Golfstaat Katar – ebenfalls wie der Iran ein Intimfeind Saudi-Arabiens. Erst im Januar dieses Jahres wandte sich der Wüstenstaat von der Opec ab.

Nur mühsam kann die Opec ein Bild der Geschlossenheit überhaupt noch vermitteln. Es gehört offenbar zum Drehbuch der zweitägigen Opec-Konferenz, öffentlichkeitswirksam Beruhigungspillen zu verteilen. Noch vor dem Start des Treffens trat die nigerianische Delegationschefin Folasade Yemi-Esan auf, um zu beteuern, wie sehr das bevölkerungsreichste Land in Afrika die Vereinbarung zwischen Saudi-Arabien und Russland über die Fortsetzung der Kürzung der Ölförderung unterstützt.

Tatsächlich machen Saudi-Arabien und Russland das Treffen des Ölkartells zu einer Abnickveranstaltung. In ihrer Geschichte war die Opec mit ihren Mitgliedern in Asien, Afrika und Amerika immer geprägt von unterschiedlichen Interessen. Noch nie war in der Opec der kleinste gemeinsame Nenner so winzig.

Venezuela durchlebt eine der schwersten Wirtschaftskrisen seiner Geschichte; Libyen hat als Staat quasi aufgehört zu existieren; der Iran droht und provoziert in gefährlicher Weise in der Region, und die Saudis beharren auf ihrem Allmachtsanspruch. Die Fliehkräfte innerhalb des Ölkartells werden größer. Immer mühsamer hält der volatile Ölpreis die Mitglieder noch zusammen.

Der Partner Russland hat es mittlerweile geschafft, die wirtschaftlich motivierte Interessengemeinschaft Opec zu dominieren. Das Ölkartell funktioniert quasi nur noch von Putins Gnaden. „Wer das Öl kontrolliert, der beherrscht die Staaten“, sagte einst Henry Kissinger. Die Erkenntnis des ehemaligen amerikanischen Außenministers und Politikwissenschaftlers hat niemand mehr verinnerlicht als der Herrscher im Kreml.

Mehr: Die Opec will auch künftig weniger Öl fördern, um den Preis zu stabilisieren. Darin sind sich die Mitglieder einig, trotzdem brodelt es hinter den Kulissen wegen der Dominanz von Russland und Saudi-Arabien.

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