Kommentar Der optimistische Herr Blessing

Die Commerzbank will ohne Staatshilfe ihr Eigenkapital regelgerecht aufpolstern. Um das zu schaffen braucht sie vor allem eines: den festen Glauben daran, dass alles besser läuft als gedacht. Ein Kommentar.
Update: 13.01.2012 - 11:59 Uhr 6 Kommentare
Commerzbank-Chef Martin Blessing ist ein Optimist. Quelle: AFP

Commerzbank-Chef Martin Blessing ist ein Optimist.

(Foto: AFP)

Was wäre Deutschland ohne Optimisten? Wir würden glauben, mit dem Schnee wird dieses Jahr im Norden gar nichts mehr, wir würden den Euro längst verloren geben, und wir hätten keine Hoffnung, dass das Ansehen des Bundespräsidenten jemals wieder zu reparieren wäre.

Zum Glück gibt es aber eben Optimisten. Wie zum Beispiel Martin Blessing von der Commerzbank. Er glaubt, dass die Commerzbank ohne Staatshilfe die strengen Eigenkapitalanforderungen der Bankenaufseher erfüllen kann.

Seine Rechnung geht so: 5,3 Milliarden Euro braucht er bis zum Sommer. Mehr als die Hälfte davon, nämlich 2,7 Milliarden Euro will er durch den Abbau von Risiken erwirtschaften. Das heißt: Risiken wie Kredite mit einem Gesamtvolumen von rund 30 Milliarden Euro werden aus den Büchern getilgt. Sie werden beispielsweise weiterverkauft oder schlicht nicht verlängert.

Der nächste große Batzen sind 1,1 Milliarden Euro, die Blessing im ersten Halbjahr als Gewinn erzielen möchte und dann zur Seite legen will. Dazu kommen 750 Millionen Euro von der Allianz, die auch kein Interesse an einem Straucheln der Commerzbank hat und deswegen ihre Investition in die Bank von einer stillen Einlage in Aktien umwandelt, die dann zum Kernkapital der Bank zählen. 700 Millionen hat bereits der Rückkauf von Anleihen gebracht. Mit ein bisschen Kleinvieh, was durch weitere Verkäufe hereinkommt, ist der Kittel geflickt. Glaubt Blessing. Sollen wir ihm das glauben?

Das Risiko liegt im Gewinn, der kräftiger sprudeln soll, als er in der kurzen Geschichte der aus Dresdner und alter Commerzbank hervorgegangener neuer Commerzbank jemals gesprudelt hat. Und das, obwohl auf der anderen Seite das Risiko zurückgefahren werden muss, und die Bank damit gar nicht anders kann, als potenzielle Gewinnbringer auszusortieren.

Nicht eingerechnet sind die Risiken, die der Markt so mit sich bringt. Der Schuldenschnitt in Griechenland zum Beispiel kostete und kostet die Commerzbank Geld und dürfte sich auch noch im ersten Quartal dieses Jahres in der Bilanz niederschlagen.

Unterm Strich ist klar: Schon Deutschland braucht seine Optimisten. Die Commerzbank aber braucht besonders kühne Exemplare dieser Sorte.

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6 Kommentare zu "Kommentar: Der optimistische Herr Blessing"

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  • Der Gewinn wurde nicht erzielt sondern das Geld aus Reserven gekommen ist, weil waerend der Krise 2008-2009 sehr grosse Reserven geschaffen wurden. Dann hat sich die Situation in 2010-2011 verbessert und die Reserven wurden reduziert. So hat die Bank diesen Gewinn erzielt. Dieses Jahr ist die Situation eher 2008 aehnlich. Also es kommt noch zu groesseren Verlusten.

  • "Der nächste große Batzen sind 1,1 Milliarden Euro, die Blessing im ersten Halbjahr als Gewinn erzielen möchte und dann zur Seite legen will. [...] Das Risiko liegt im Gewinn, der kräftiger sprudeln soll, als er in der kurzen Geschichte der aus Dresdner und alter Commerzbank hervorgegangener neuer Commerzbank jemals gesprudelt hat."

    Ein Blick in den Zwischenbericht Q2 2011 verrät, dass die CoBa im 1.Halbjahr 2010 ca. 1Mrd Gewinn und im 1.HJ 2011 1,1 Mrd. Gewinn generiert hat. Da muss man kein großer Optimist sein, um dassauch für 2012 für möglich zu halten.

  • Ich kann noch sagen dass Verkauf von Krediten noch mehr als eine Milliarde Verluste bringt. Es ist unmoeglich in gegemwaertiger Situation Kredite ohne Abschlag zu verkaufen. Es ist noch ganz zu schweigen ob es ueberhaupt moeglich ist 30 Mlrd an Krediten im Laufe von 6 Monaten zu verkaufen/

  • "Nicht eingerechnet sind die Risiken, die der Markt so mit sich bringt. Der Schuldenschnitt in Griechenland zum Beispiel kostete und kostet die Commerzbank Geld und dürfte sich auch noch im ersten Quartal dieses Jahres in der Bilanz niederschlagen."

    Dieser Schreiberling hat offensichtlich keine Ahnung von der Materie... Der Schuldenschnitt von zuerst 20%, dann 50% auf griechische Bonds wurde von der Politik angeordnet ("freiwilliger" Verzicht) und hat mit den Maerkten direkt nichts zu tun... Ist wohl ein AZUBI, dieser Herr Stock - oder spekuliert er gegen die Commerzbank? Der Artikel ist jedenfalls ein ziemlich inhaltsleeres bashing, sonst nichts...

  • Wie wäre es wenn die Presse sich mit solch fadenscheinigen Aussagen einfach mal zurückhält?!

    5,3 MRD - 2,7 MRD (Risikoabbau = leichter zu erreichen als es hier dargestellt wird)- 750 Mio (Allianz) - 700 mio (Cocobonds)- 1,1 Mrd (Gewinn von dem schon allein 500 Mio durch Synergien entstanden sind) = 50 Millionen die dann noch fehlen...
    Das hat nichts mit übertriebenem Optimismus zu tun... Ausserdem sollte man mal deutlich machen, das die Commerzbank KERNBANK lediglich 500 Mio. Euro benötigen würde wenn da nicht das Staatsanleihen Grab der Eurohypo wäre... 500 Mio? Richtig das ist bei weitem weniger als die Kernbank des Branchenprimus Deutsche Bank benötigt, da sind es nämlich 3,2 Mrd...
    Mein Appel: Die Commerzbank Führung macht einen viel besseren Job als es ständig dargestellt wird, also vielleicht könnte man das Pressebashing allmählich einstellen.

  • Die europäischen Banken werden mehr und mehr von der Politik vereinnahmt und benutzt. Das wird eher schlimmer werden !! Mit neuen Regulationen und Restriktionen wird Brüssel die Banken knebeln, bis in ganz Europa die Sonne scheint.
    Also ich sehe schwarz für Banken.

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