Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Der Preis für die Fusion von Telekom und Sprint ist hoch

Mit dem Sprint-Deal kann die Telekom zu einer Größe in der globalen Telekommunikations-Welt aufsteigen. Die harte Arbeit steht aber noch bevor.
Kommentieren
Steigen die Vorgaben für den Deal weiter an, könnte die Telekom notfalls noch vom Kauf zurücktreten. Quelle: Reuters
Sprint und T-Mobile US

Steigen die Vorgaben für den Deal weiter an, könnte die Telekom notfalls noch vom Kauf zurücktreten.

(Foto: Reuters)

Die Deutsche Telekom ist fast am Ziel. Seit mehr als einem Jahr kämpfen die Topmanager um Vorstandschef Timotheus Höttges dafür, dass die Fusion mit dem US-Rivalen Sprint gelingt. Am Freitag konnte die Telekom mit ihrer US-Tochter T-Mobile US eine der wichtigsten Hürde nehmen: Das Justizministerium erteilte seine Zustimmung für den 26 Milliarden Dollar schweren Zusammenschluss. Die Erleichterung in Bonn ist groß.

Gleichzeitig ist der Preis für die Zustimmung der Wettbewerbshüter hoch. Die Auflagen des Ministeriums sehen unter anderem vor, dass Sprint sein Prepaid-Geschäft an den Rivalen Dish Network verkauft.

Zudem ist das fusionierte Unternehmen gezwungen, dem Konkurrenten Dish über sieben Jahre Zugang zu seinem Netz einzuräumen. Und Sprint muss einen Teil seiner wertvollen Frequenzen an Dish verkaufen sowie dem Rivalen die Option einräumen, Mobilfunkstandorte und Ladengeschäfte zu übernehmen, die Sprint im Zuge der Fusion aufgibt.

Die Telekom hatte stets clever argumentiert, dass die Fusion dem amerikanischen Mobilfunkausbau nutzt. Schließlich hatten sich die Firmen selbst verpflichtet, den nächsten Mobilfunkstandard 5G schnell in den USA auszurollen.

Mit diesem Argument waren die Telekom-Unterhändler besonders bei den Entscheidern rund um US-Präsident Donald Trump gut angekommen. Denn der sieht sein Land in einem globalen Wettrennen um Schlüsseltechnologien wie 5G mit China. Da kam das Angebot eines schnellen Ausbaus gerade recht, um sich strategisch günstig gegenüber dem aufstrebenden Schwellenland zu positionieren.

Das 5G-Argument war hervorragend gewählt. 2014 war T-Mobile beim Versuch, mit Sprint zu fusionieren, an den Bedenken der Wettbewerbshüter gescheitert. Beim zweiten Anlauf konnten sich beide Konzerne nicht auf einen Preis einigen. Im dritten und letzten Versuch sieht es so gut für die Telekom aus wie noch nie zuvor. Die 5G-Versprechen dürften sehr dazu beigetragen haben.

Die Zusagen haben zwar geholfen, trotzdem steht die Telekom vor harten Auflagen für den Zusammenschluss. Die Kartellwächter wollen damit sicherstellen, dass der Wettbewerb nicht leidet. T-Mobile US ist derzeit die Nummer drei auf dem Markt, Sprint Nummer vier.

Wie gefährlich ist Konkurrent Dish?

Die Telekom muss den Beweis antreten, dass die hohen Auflagen die Fusion letztlich wert sind. Sprint ist seit Jahren finanziell angeschlagen. Ohne einen Zusammenschluss mit T-Mobile stehe die Firma vor dem Aus, hatte Sprint-Chef Marcelo Claure in den USA argumentiert, um eine Zustimmung der Politik zu dem Zusammenschluss zu erreichen.

Die Frage lautet nun: Wie gefährlich wird künftig ein neuer Wettbewerber Dish? Wäre es nicht besser gewesen, längerfristig auf einen Bankrott von Sprint zu setzen? Dann hätte die Telekom keine Kosten für die Integration aufbringen und keine Auflagen von Wettbewerbshütern erfüllen müssen.

Aus Sicht der Telekom überwiegen die Chancen der Fusion. Der Dax-Konzern rechnet mit 43 Milliarden Dollar an Synergien durch den Zusammenschluss. Der Deal wird über einen Aktientausch abgewickelt. Die Bonner erhalten mit 42 Prozent den größten Anteil am fusionierten Unternehmen. Die Telekom hat sich zusichern lassen, dass sie trotzdem 69 Prozent der Stimmrechte besitzen wird.

Das kombinierte Unternehmen bringt es auf rund 130 Millionen Kunden mit einem Jahresumsatz von mehr als 70 Milliarden Dollar.

Der Zusammenschluss wird die Telekom jedoch vor eine schwierige Integrationsaufgabe stellen. Eigentlich hatten die Bonner die Kosten für die Zusammenführung mit 15 Milliarden Dollar beziffert. Die Auflagen der Wettbewerbshüter könnten den Zusammenschluss aber deutlich komplexer machen.

Die Telekom verweist zwar gerne auf die geglückte Integration von MetroPCS. Aber die Integration des kleinen Mobilfunkers im Jahr 2012 ist kaum mit der Zusammenlegung eines nahezu gleich großen Spielers wie Sprint vergleichbar. Das Risiko ist enorm.

Und noch ist die Fusion nicht durch. Generalstaatsanwälte aus rund einem Dutzend demokratisch regierter Bundesstaaten haben Klage gegen den Zusammenschluss eingereicht. Sie sehen trotz aller Auflagen den Wettbewerb in Gefahr und fürchten höhere Preise für Verbraucher. Sollten sie keinen Rückzieher machen, könnte die Fusion noch in einem monatelangen, vielleicht sogar jahrelangen Rechtsstreit aufgerieben werden.

Die USA sind der wichtigste Einzelmarkt für die Deutsche Telekom. Die Fusion mit Sprint bietet große Chancen. Aber der Dax-Konzern sollte den Zusammenschluss nicht um jeden Preis anstreben. Steigen die Vorgaben für den Deal weiter an, sollte die Telekom notfalls vom Kauf zurücktreten. Noch sieht es gut aus für die Bonner. Aber das könnte sich ändern. Solange sie immer bereit sind, in letzter Konsequenz die Fusion abzublasen, werden sie das beste Ergebnis erzielen können.

Mehr: Die Fusion der US-Tochter T-Mobile mit Sprint ist ein wichtiges Ziel für Telekom-Chef Timotheus Höttges. Damit will er sich ein Denkmal setzen.

Startseite

Mehr zu: Kommentar - Der Preis für die Fusion von Telekom und Sprint ist hoch

0 Kommentare zu "Kommentar: Der Preis für die Fusion von Telekom und Sprint ist hoch"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote