Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Der Rückzug der Hedgefonds könnte der Beginn einer wilden Börsenparty sein

Der Kampf zwischen Privatanlegern und Hedgefonds hat eine neue, ungesunde Eskalationsstufe erreicht. Denn verlieren die Profis, fällt ein wichtiges Korrektiv aus.
28.01.2021 - 12:31 Uhr 6 Kommentare
Der Konflikt zwischen Neu-Tradern und Vollprofis ist nicht neu – aber gefährlich. Quelle: AP
Börsianer in New York

Der Konflikt zwischen Neu-Tradern und Vollprofis ist nicht neu – aber gefährlich.

(Foto: AP)

Erinnern Sie sich an AOL? Das Internetunternehmen hatte seine Blütezeit um die Jahrtausendwende. Das ist wirklich lange her. Doch das Geschehen rund um America Online (AOL) im Jahr 1999 deutet an, was den Anlegern in den kommenden Wochen oder sogar Monaten bevorstehen dürfte: eine wilde Börsenparty, ein Crack-up-Boom.

Damit gemeint ist eine Katastrophenhausse, die nur noch von den Emotionen neuer, unerfahrener Anleger getrieben wird, aber die wirtschaftlichen Aussichten nicht mehr widerspiegelt.

1999 wetteten Shortseller auf den Niedergang der AOL-Aktie. Denn die war, wie sich in solchen Fällen fast immer im Nachhinein herausstellt, maßlos überbewertet. Dennoch verloren die Hedgefonds diesen Kampf. Hedgefonds-Manager David Einhorn beschrieb die Auswirkungen dieser Niederlage mit recht anschaulichen Worten.

„Anfang 1999 erkannte der Markt, dass sich die besten und klügsten Leerverkäufer bei America Online getäuscht hatten. Wenn sie sich bei America Online irrten, konnten sie sich auch bei jeder anderen Internetaktie irren“, sagte Einhorn – und ergänzte: „Es spielte keine Rolle, dass nur eine Handvoll davon ein tragfähiges, geschweige denn robustes Geschäftsmodell hatte. Ich glaube, dass die Selbstüberschätzung aus dem Sieg über die America-Online-Shorts eine Hauptursache für die Internetblase war.“

Was Anleger dazu wissen sollten: Ab Mitte 1999 vervielfachte sich innerhalb weniger Monate die Börsenbewertung zahlreicher Unternehmen durch eine deutlich erhöhte Nachfrage. Den Schlusspunkt bildete eine Jahresendrally im Jahr 1999, als der Dax nach einem freundlichen Börsenjahr innerhalb weniger Monate um weitere 40 Prozent zulegen konnte. Danach ging es allerdings deutlich abwärts.

Parallelen zum aktuellen Börsengeschehen

Gegenwärtig toben erneut diese Kämpfe zwischen Privatanlegern und Hedgefonds. Sei es seit längerer Zeit bei der Tesla-Aktie oder aktuell beim Papier des Videospielehändlers Gamestop. Das alles hat schon eine völlig neue Eskalationsstufe erreicht.

Neue, junge Trader versuchen mittlerweile, unregulierte Fonds in den Ruin zu treiben, wie man am Beispiel der milliardenschweren Rettung von Melvin Capital erkennen kann. Dieser Hedgefonds hatte unter anderem auf fallende Gamestop-Kurse gesetzt – doch die Nachwuchsaktionäre hielten dagegen und drängten bereits die ersten Shortseller aus dem Markt.

Der Rückzug der Hedgefonds dürfte erneut eine wilde Börsenparty ermöglichen. Trotz ihres teils zweifelhaften Rufs sind Shortseller eine Art „Börsenpolizei“, ein Korrektiv am Markt. Sie suchen überbewertete Aktien und setzen auf fallende Kurse, wenn ihre Suche erfolgreich war.

Doch wenn fortan keine überbewerteten Aktien mehr identifiziert werden, fällt dieses Korrektiv aus. Vereinfacht formuliert: Ohne „Börsenpolizei“ fehlt eine ordnende Hand. Die jungen Trader werden wie 1999 weiter ihre Lieblingsaktien kaufen, oftmals ohne im Unterschied zu den Hedgefonds auf irgendwelche Kennziffern zu achten. Mit ihren Gewinnen sind sie anschließend das Vorbild für noch mehr Neulinge an der Börse.

Freuen Sie sich also auf die kommenden Börsenmonate. Aber vergessen Sie nicht das Sprichwort: Wenn die Party am schönsten ist, sollte man sie verlassen. Diesen Zeitpunkt herauszufinden, ist die wohl schwierigste Aufgabe für Anleger.

Mehr: David gegen Goliath an der Börse – Junge Trader wollen Hedgefonds aus dem Markt drängen

Startseite
Mehr zu: Kommentar - Der Rückzug der Hedgefonds könnte der Beginn einer wilden Börsenparty sein
6 Kommentare zu "Kommentar: Der Rückzug der Hedgefonds könnte der Beginn einer wilden Börsenparty sein"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es kann gut sein, dass die vermeintliche Niederlage der Hedge-Fonds die Kurse noch einmal anfeuert. Den Artikel halte ich allerdings für reine Click-Bait und wundere mich, dass das Handelsblatt einen so unqualifizierten Beitrag publiziert.

    Habe leider im Moment wenig Zeit, ausführlich zu kommentieren. Meine Kritik in Kürze:

    - Falsch: „Rückzug“. Unmittelbare Folge ist erst einmal nur, dass Short Seller und Hedgefonds ihre Positionen nicht mehr für die breite Öffentlichkeit bekannt machen werden

    - Falsch: „Keine Short-Sellers => Steigende Kurse“. Für überbewertete Aktien ist eine hohe Short-Quote ein guter Treibsatz für weiter steigende Kurse. Denn steigt die Aktie, müssen Short-Sellers ihre Positionen eindecken, also die Aktie kaufen, und treiben die Kurse weiter an, treiben weitere Short Sellers aus dem Markt usw.

    - Falsch: „AOL = Gamestop“: Der beste Vergleich zu AOL damals ist Tesla heute: Hoch bewertet mit hohen Wachstumserwartungen (Überbewertung + „Sucker Short“). Gamestop: Niedrig bewertet mit Konkurserwartungen ("Zombie" + Angriff). Ansätze & Geschehnisse um AOL und Gamestop sind grundverschieden.

    - Falsch: „Hedgefond-Rückzug = Steigende Kurse“: Hedgefonds sind keine reinen Leerverkäufer, in der Regel versuchen sie, ein „marktneutrales“ Depot zu haben, um Rendite unabhängig vom Börsentrend zu machen. Das heißt, Long- und Short-Positionen gleichen sich ungefähr aus. Und Short-Positionen bringen Geld, mit denen Long-Positionen bezahlt werden. Muss eine große Short-Position geschlossen werden, kommt das Geld i.d.R. vom Liquidieren einer Long-Position. Es ist also für den Gesamtmarkt ein Nullsummenspiel, wenn Hedge-Fonds Positionen zurückfahren.

    - Warnung: Short-Sellers sind tatsächlich ein Korrektiv, wirken m.E. sogar eher stabilisierend als destabilisierend. Fehlen sie, können die Kurse tatsächlich ohne Gegenwehr hochgetrieben werden. Stürzen die Kurse ab, wirken Gewinnmitnahmen von Short-Sellers sogar preisstabilisierend, d sie die Aktien zurückkaufen.

  • oder von noch etwas ganz anderem, dem Entdecken von dem was Geld wirklich ist, AUtsch!

  • Hedgefonds als Börsenpolizei? Also wenn ich auf Kredit Unternehmen in mehr als 100% der existierenden Aktien leerverkaufe, ist das Polizei? Klingt mir eher wie paramilitärische Schlägertrupps in Diktaturen

  • Hedgefonds als "Börsenpolizei"! Was für eine hanebüchene Aussage in dem Artikel.
    Skrupellose Geschäftemacher wäre wohl richtiger.
    Die Börsen-Aufsicht sollten wohl die SEC unter andere staatliche
    Kontrollorgane führen.

  • Falls noch jemand Zweifel hat das es gar nicht um den Erfolg von GameStop geht:
    https://www.reddit.com/r/WallStreetbetsELITE/comments/l6rpg8/amc_and_sndl_going_to_the_moon/
    Da sind eher Böresen Punks am Werk ;-)

  • Im Artikel wird leider der wahre Grund für den Kursanstieg nicht genannt:
    https://www.reddit.com/r/collapse/comments/l6wrcm/gamestop_shortsqueeze/
    Wenn mehr als 100% leerverkauft werden, in diesem Fall sollen es 140% der Gamestop Aktie gewesen sein bieten sich die Leerverkäufer zum, ich kann es nicht anders nennen Notschlachten an. Denn 140% des Gesamtbestandes einer Aktie zurückkaufen zu dürfte etwas schwierig werden. Das gab es schon einmal--- Porsche und VW, es dürfte bekannt sein wer gewonnen hat. Die zugrundeliegenden Machenschaften wurden unter den Teppich gekehrt, den so etwas ist leider in Finanzkreisen sehr häufig: Etwas zu verkaufen was es gar nicht gibt.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%