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Kommentar Der Sparkurs von General Motors ist ein Warnsignal für die deutschen Autobauer

GM kürzt drastisch Kapazitäten. Die deutsche Autoindustrie will dagegen weltweit neue Fabriken bauen. Ob ihr Modell weiter funktioniert, ist fraglich.
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Der größte US-Autobauer hat ein Sparprogramm mit massivem Personalabbau und erheblichen Produktionskürzungen angekündigt. Quelle: dpa
Produktion bei General Motors

Der größte US-Autobauer hat ein Sparprogramm mit massivem Personalabbau und erheblichen Produktionskürzungen angekündigt.

(Foto: dpa)

MünchenGeneral Motors macht sich wetterfest: Fünf Fabriken will Amerikas größter Autohersteller schließen und 14.000 Jobs in den USA und Kanada streichen. Mitten in der vermeintlich besten US-Konjunktur aller Zeiten kürzt Konzernchefin Marry Barra die Kapazitäten und lässt sich auch von Donald Trumps Zornesausbrüchen nicht beirren.

Barra blickt kühl in die Zukunft: Mag General Motors heute noch gutes Geld verdienen, so sind die Prognosen für die Zukunft eher düster. Der Heimatmarkt stagniert, und in China geht es für Massenhersteller wie GM seit Monaten bergab.

Mehr noch: Die Handelspolitik der US-Regierung verteuert Rohstoffe wie Stahl und erschwert die eigenen Exporte. Gleichzeitig muss GM massiv in Elektromobilität und die Entwicklung autonom fahrender Autos investieren. Überkapazitäten und hohe Kosten im Kerngeschäft kann sich Barra nicht mehr leisten.

Nun sind Fabrikschließungen und Entlassungen in der amerikanischen Autobranche ein bekanntes Ritual – aber stets auch ein Warnsignal für den Rest der Branche. Zuletzt schrumpften GM, Ford und Chrysler in der Finanzkrise 2009. Seitdem profitiert die Autoindustrie weltweit von moderaten Ölpreisen, offenen Märkten und einem scheinbar nicht enden wollenden Autoboom in China.

Doch das goldene Jahrzehnt geht nicht nur für die amerikanische Autoindustrie zu Ende. Erstmals seit 2009 fiel im dritten Quartal dieses Jahres der weltweite Autoabsatz. Die Folge: Die Renditen der Autohersteller sind nach Berechnung der Unternehmensberatung Ernst & Young auf dem niedrigsten Stand seit der Finanzkrise.

Das trifft die deutsche Autoindustrie besonders. Die großen Hersteller und ihre Zulieferer haben ihre Gewinnerwartungen kassiert. Dieselkrise und die verpatzte Einführung des neuen Abgasstandards WLTP drücken zusätzlich auf das Geschäft. Die Folge: Während GM noch ordentlich verdient, sind die Renditen von BMW, Daimler und Volkswagen jetzt schon im Keller.

Anders als GM denken die deutschen Autokonzerne aber keineswegs daran, ihre Produktion zu kappen. Im Gegenteil: Volkswagen, Daimler und BMW wollen ihre Kapazitäten kräftig ausbauen – allen Warnsignalen zum Trotz. So überraschte VW jüngst mit der Ankündigung, im ohnehin übersättigten europäischen Markt ein neues Werk in Rumänien oder Bulgarien errichten zu wollen. BMW und Mercedes errichteten bereits neue Fertigungsstandorte in Ungarn.

Die deutschen Konzerne sind zur Expansion verdammt

Auch im Rest der Welt sehen die Deutschen offenbar nur Wachstum: Von Mexiko bis China sollen in den kommenden Jahren die Produktionskapazitäten massiv aufgestockt werden. Volkswagen will seinen Vorsprung vor Toyota und GM ausbauen, BMW und Daimler planen, möglichst rasch auf drei Millionen verkaufte Autos pro Jahr zu kommen.

Sind die Deutschen nun optimistischer als Marry Barra? Keineswegs – anders als die GM-Chefin sind die Chefs der deutschen Autoindustrie zur Expansion verdammt. Der Grund liegt in der besonderen Machtarithmetik der deutschen Mitbestimmung. Mag Donald Trump auch toben, die IG Metall ist gegenüber den Automanagern weitaus mächtiger als der US-Präsident.

Daimler-Boss Dieter Zetsche, BMW-Vormann Harald Krüger und VW-Chef Herbert Diess können gar keine Werke in Deutschland schließen, denn sie würden sofort den Rückhalt der IG Metall im Aufsichtsrat verlieren.

Da der deutsche Markt aber zu klein ist und die heimischen Standorte relativ teuer sind, helfen nur Export und Expansion. So funktioniert eben beides: VW baut neue Fabriken in Rumänien und China und garantiert seinen Beschäftigten in Hannover und Emden Jobs bis 2028. Bei Daimler dürfen die 170.000 deutschen Mitarbeiter gesicherte Arbeitsplätze bis 2029 genießen.

Ein Deal, mit dem Arbeitnehmer und Vorstände in der Vergangenheit gut gefahren sind. Während GM, Ford und Fiat seit der letzten Krise 2009 an Bedeutung verloren haben, konnten VW, BMW und Daimler ihre Positionen kräftig ausbauen.

Dank offener Handelsbeziehungen mit der EU, den USA und China ließ sich die hochpreisige deutsche Produktion auch problemlos in alle Welt exportieren. Der aus deutscher Sicht chronisch unterbewertete Euro tat sein Übriges, um der heimischen Autoindustrie Rekordgewinne und Rekordbeschäftigung zu sichern.

Protektionismus verhagelt Autokonzernen das Geschäft

Doch ob das Modell Expansion in der nun aufziehenden Krise auch funktioniert, ist fraglich. Der Protektionismus der US-Regierung verhagelt Daimler und BMW bereits jetzt das Geschäft. In Europa und China drohen Überkapazitäten, die vor allem Massenhersteller wie den VW-Konzern treffen dürften.

Und anders als in der Finanzkrise 2009 steht die Branche nun vor strukturellen Brüchen: Der Verbrennungsmotor weicht dem Elektroantrieb, das autonome Fahren und die Digitalisierung stellen das bestehende Geschäftsmodell infrage.

Nicht mehr hohe Stückzahlen, sondern Flexibilität und die Fähigkeit zum Wandel entscheiden über den Erfolg. Sicher ist, die alten Rezepte werden in dieser Transformation nicht funktionieren.

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  • Ein sehr guter Beitrag. Dabei wurde hier noch kaum auf die Entwicklung durch Elektroautos eingegangen. Denn diese wird zusätzlich Druck ausüben. Elektroautos werden billiger sein als Verbrenner und damit eine niedrigere Marge haben. Man muss schon erheblich mehr Elektroautos bauen und verkaufen um die gleichen Deckungsbeiträge zu erzielen, wie bei Verbrennern. Noch dazu werden die Chinesen die Kostenführerschaft in diesem Geschäft übernehmen. Auch der Vorsprung und die Flexibilität durch die USA ist hier nicht zu verachten. Letztlich werden die Werke und Mitarbeiter in Deutschland der Klotz am Bein der Konzerne werden. Entweder die Politik hilft dann Arbeitsplätze und Konzerne mit sehr viel Steuergeldern zu retten oder der jähe Aufstieg wird zum Absturz.

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