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Kommentar Der Staat ist kein Aktionär zweiter Klasse

Wenn der Staat Milliarden gibt, darf er zu Recht Einfluss einfordern. Aber niemand zwingt Lufthansa, nur Geld von Regierungen anzunehmen. Es gäbe Alternativen.
29.04.2020 - 17:28 Uhr 1 Kommentar
Investoren verlangen Gegenwert für ihr Geld. Das gilt auch und erst recht für den Staat. Quelle: imago images / Rüdiger Wölk
Flugzeuge des Lufthansa-Konzerns

Investoren verlangen Gegenwert für ihr Geld. Das gilt auch und erst recht für den Staat.

(Foto: imago images / Rüdiger Wölk)

Die Lufthansa-Tochter Eurowings verbreitet gerade über soziale Medien einen Wohlfühlspot für die Zeit danach. „WeWillFlyYouAgain“ ist ein emotional aufgeladener Werbestreifen, der Bilder im Kopf auslöst über all das, was gerade nicht geht. Mykonos, London, Hängematte am Südseestrand, Gipfelsturm. Botschaft: Wir kommen wieder. Du kannst wieder reisen.

Konzernchef Carsten Spohr vermittelt gerade eine andere Botschaft: Wir stehen kurz vor dem Untergang. Der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende verhandelt parallel in Berlin, Wien, Brüssel und Bern mit den Regierungen um Staatshilfen. Spohr ist nicht der erste Manager, dessen Unternehmen so in Not geraten ist.

Staatlich verbürgte Kredite sind keine wirkliche Lösung mehr, weil sie das Unternehmen in die Überschuldung treiben würden. Spohr wird auch nicht der letzte in diesem Jahr sein, der in Berlin vorstellig wird. Doch der Fall ist delikat, weil die Hansa eben auch ein Stück Deutschland und ein Luftverkehrsunternehmen etwas anderes ist als ein coronageschädigter Maschinenbauer.

Die Frage, ob, wie viel und unter welchen Bedingungen der Staat helfen soll, wird nicht nur deshalb so intensiv von Parteien, Öffentlichkeit und Wettbewerbern diskutiert. Lufthansa gilt vielen als systemrelevant, wie ein Energieversorger, die Eisenbahn oder das Gesundheitswesen.

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    Und deshalb weckt so ein Unternehmen auch Begehrlichkeiten. Denn mit einer halbstaatlichen Luftverkehrsgesellschaft ließe sich Politik machen. Klimapolitik zum Beispiel, ein Thema, dass trotz höchstem Corona-Faktor gerade Renaissance erlebt.

    Der Staat verfolgt politische Ziele, keine Rendite

    In der Regierungskoalition ist strittig, ob der Bund, so er denn Aktionär der Lufthansa wird, auch Einfluss nehmen sollte. Die SPD reklamiert das, die Union ist da eher zurückhaltend. Der Industrieverband BDI kommentiert die Debatte sogar als „abschreckend“.

    Aber es sollte keine Frage sein. Wenn der Staat eine milliardenschwere Finanzspritze als Eigenkapital zur Verfügung stellt, muss er wie jeder andere große Aktionär behandelt werden – mit Sitz im Aufsichtsrat und mit Stimme. Es gibt keine Aktionäre erster und zweiter Klasse.

    Bei jedem anderen Konzern wird die Stimme eines Finanzinvestors schon ernst genommen, wenn der gerade mal ein paar Prozente hat. Bei Lufthansa könnte der Bund angesichts der Dimensionen gleich zum Mehrheitsaktionär aufsteigen.

    Richtig ist natürlich: Der Staat ist kein Gesellschafter wie jeder andere. Er wird politische Ziele verfolgen, keine Rendite. Die Deutsche Bahn, deren Börsengang nie stattgefunden hat, ist ein Beispiel dafür. Aber Finanzinvestoren sind auch keine Schäfchen.

    Das Gezerre um den Industriekonzern Thyssen-Krupp hat in den zurückliegenden Jahren hinreichend bewiesen, dass die weltweit operierenden Geldgeber oft knallharte Interessen verfolgen, und das nicht immer zum Wohle des Unternehmens.

    Lufthansa-Chef Spohr hält wenig davon, wenn Berlin künftig bei Flugzeugbeschaffung, Personalpolitik oder Routenplanung mitreden oder gar die geplante Einstellung der Tochter Germanwings stoppen würde. Das ist verständlich. Aber es gibt ja Alternativen, Vorzugsaktien etwa. Außerdem: Der Finanzmarkt lebt. Geld, das dringend Anlage sucht, ist genug unterwegs.

    Investoren verlangen Gegenwert für ihr Geld

    Die Lufthansa könnte da zugreifen, schließlich ist sie keine marode Firma, die Investoren aufgedrängt werden müsste. Die Airline hat ein wettbewerbsfähiges Geschäftsmodell, fliegt in weiten Teilen rentabel und hat sogar ansehnliche Reserven. Vor Corona.

    Das können nur wenige Fluggesellschaften der Welt von sich behaupten. Lufthansa droht schlicht in den Turbulenzen der Corona-Pandemie abzustürzen. Das Unternehmen wird aber zurückkommen, so wie es die Tochter Eurowings ihren Kunden verspricht. Der Kranich-Flieger wird nach Corona zwar gerupft sein, aber ein lohnendes Investment wird er bleiben.

    Nur: Die Alternativen zur Staatsbeteiligung haben ihren Preis. Wer auch immer die nötigen Milliarden gibt, er wird Bedingungen stellen. Die Hansa könnte Unternehmensanleihen begeben, dafür würden vermutlich ordentliche Zinszahlungen fällig.

    Finanzinvestoren, die Eigenkapital zuschießen, werden womöglich auf einen Konzernumbau drängen, um profitable Teile abzuspalten. So wie sie das auch bei anderen Unternehmen eingefordert haben. Andere werden – wenn die Corona-Turbulenzen abgeklungen sind – mehr Profitabilität einfordern.

    Investoren, das ist nun wirklich nichts Überraschendes, verlangen Gegenwert für ihr Geld. Das gilt auch und erst recht für den Staat, selbst wenn der mit seinem Wirtschaftsstabilisierungsfonds nur Helfer in der Not spielt und die Unternehmensbeteiligungen auf Zeit angelegt sind. Hier werden Milliarden aus Steuergeld investiert, mit denen der Bund dann auch sorgsam umgehen muss.

    Wenn Lufthansa-Chef Spohr allerdings fürchtet, dadurch in Richtung Bundeshansa abzudriften, dann muss er einen anderen Weg wählen.

    Mehr: Die SPD drängt im Gegenzug für Staatshilfen auf Mitspracherechte und Jobgarantien. Doch die Union ist skeptisch. Ein Sparkurs der Fluggesellschaft ist unabwendbar.

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Der Staat ist kein Aktionär zweiter Klasse"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Der Staat war schon immer der "schlechteste" Unternehmer. Das lässt sich historisch zurückverfolgen.
      Herr Spohr hat Recht.
      Hilfe ist eines, Einfluss etwas komplett unterschiedliches.
      In privaten Unternehmen, hat der Staat nichts zu suchen.
      Eine sinnvolle Hilfe in dieser Zeit ist nicht das übliche Geld ausschütten mit der Gießkanne, wie immer von der SPD propagiert.

      Es ist and der Zeit für richtige Hilfe!!
      Wenn wegen staatlicher Zwangsmaßnahmen Existenzen gefährdet werden ist es and der Zeit...Steuervorauszahlungen auszusetzen, Bezahlte Steuern der letzten 3 Jahre zurückzuerstatten. FÜR ALLE.
      Da gebe ich Herrn Lindner von der FDP vollkommen recht.
      Es ist an der Zeit diese "Umverteilung" auszusetzen.
      Bitte verstehen Sie mich nicht falsch.Ein marktwirtschaftlicher Sozialstaat is vollkommen richtig. Aber in absoluten Grenzen. Heute sind wir sehr viel näher an der Diktatur and verlieren unsere Freiheit.

      Früher hieß es, der Staat muss Diener des Volkes sein. Heute ist es umgekehrt. Wenn das Volk der Diener des Staates ist, haben wir wieder eine Diktatur, Planwirtschaft...Die Geschichte hat bewiesen, das dies schon immer versagt hat.!!! Warum lernen Politiker nichts aus der Vergangenheit und agieren heute wie im Mittelalter??

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