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Kommentar Der Staat sollte Weiterbildung steuerlich fördern

Wenn Deutschland die digitale Transformation ohne große soziale Verwerfungen meistern will, ist jetzt eine Offensive für Weiterbildung nötig.
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Es muss in konkrete Maßnahmen investiert werden, um Arbeitnehmern Existenzängste zu nehmen – und damit auch Populisten den Wind aus den Segeln. Quelle: dpa
Fortbildungskurs

Es muss in konkrete Maßnahmen investiert werden, um Arbeitnehmern Existenzängste zu nehmen – und damit auch Populisten den Wind aus den Segeln.

(Foto: dpa)

Es sind düstere Begriffe, die in der öffentlichen Debatte mit dem Thema Digitalisierung verbunden werden: „digitales Prekariat“, „Massenarbeitslosigkeit“, „Verelendung der Arbeiterklasse“. Angesichts dieser negativen Prognosen überrascht es nicht, dass viele Arbeitnehmer mit Sorgen in die Zukunft blicken. So hat sich – trotz immer noch guter Konjunktur und Rekordbeschäftigung – die Angst vor dem drohenden Jobverlust wie ein Krebsgeschwür in die Köpfe vieler Menschen gesetzt.

Die Antworten der Politik auf die neuen Ängste wirken allerdings reichlich hilflos. Meistens bleibt es bei dem lapidaren Hinweis, die Menschen müssten lebenslang lernen.

Nachhaltige Vorschläge, wie die permanente Weiterbildung von Menschen realisiert werden kann, fehlen. Der Staat überlässt es dem Zufall beziehungsweise dem guten Willen der Unternehmen, ob und wie viel in die Weiterbildung von Mitarbeitern investiert wird.

Selbst das Qualifizierungschancengesetz, das die Große Koalition gerade auf den Weg gebracht hat, ist weit davon entfernt, die betriebliche Weiterbildung grundlegend zu verbessern. In Zeiten technologischen Wandels greift diese Politik der ruhigen Hand nicht nur zu kurz, sie ist gefährlich.

Der Fachkräftemangel hat sich zu einem ernsten Problem in Deutschland entwickelt. Es gibt Arbeit, aber keine Arbeiter mit der richtigen Qualifikation.

Mittlerweile ist die Zahl der offenen Stellen auf mehr als eine Million in Deutschland gestiegen. Tendenz steigend. Wenn Deutschland die digitale Transformation ohne große soziale Verwerfungen meistern will, ist jetzt eine Offensive für Weiterbildung nötig.

Ein sinnvoller Ansatz ist die Einführung eines Steuerbonus für Weiterbildung. Der Staat sollte nicht nur Geld für die digitale Infrastruktur ausgeben, sondern auch Investitionen in die Köpfe der Arbeitnehmer fördern.

Unternehmen, die ihre Mitarbeiter für die digitale Zukunft qualifizieren, sollten steuerlich entlastet werden, beispielsweise über eine Steuergutschrift, die mit der Steuerschuld des Unternehmens verrechnet wird. Davon profitieren nicht nur die Unternehmen und deren Mitarbeiter, sondern auch der Staat, weil weniger Mitarbeiter wegen mangelnder Qualifikation entlassen werden.

Ein Steuerbonus für Weiterbildung hat mehrere Vorteile. Erstens erhalten Unternehmen einen zusätzlichen Anreiz, in die Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter zu investieren. Heute fällt das Engagement der deutschen Wirtschaft für Weiterbildung höchst unterschiedlich aus.

Während bei großen Konzernen Weiterbildung in der Regel hohe Priorität genießt, geben Mittelständler eher weniger Geld pro Mitarbeiter für die Qualifizierung aus. Ein echtes Risiko, schließlich ist die Mehrheit der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bei kleinen und mittleren Unternehmen angestellt. Dieses Defizit könnte durch einen Steuerbonus für Weiterbildung reduziert werden.

Gerade Unternehmen sollten mehr Unterstützung erhalten

Die steuerliche Förderung der Weiterbildung ist auch deshalb sinnvoll, weil die Unternehmen selbst am besten wissen, welche Qualifikation ihre Mitarbeiter für künftige Aufgaben brauchen.

Bevor Arbeitnehmer den Job verlieren und in einem der oft wenig zielführenden Weiterbildungsprogramme der Bundesagentur für Arbeit landen, sollten die Unternehmen unterstützt werden, ihre Mitarbeiter rechtzeitig weiterzubilden. So werden Weiterbildung nach Maß und lebenslanges Lernen möglich.

Drittens lassen sich positive Effekte für den gesamten Weiterbildungsmarkt in Deutschland erwarten. Durch die zusätzliche Nachfrage nach Qualifizierungsangeboten steigt der Preis und damit auch die Qualität der Weiterbildung beim Thema Digitalisierung, wenn nur zertifizierte Qualifizierungsangebote steuerlich gefördert werden. Deutschland könnte zum Vorreiter beim Thema Qualifizierung in Europa werden.

Union und SPD wären gut beraten, die aktuelle Debatte über eine Reform der Unternehmensbesteuerung um den Aspekt einer steuerlichen Förderung der Weiterbildung zu erweitern. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft lässt sich schließlich nicht nur durch eine Senkung der Unternehmensteuersätze steigern. Unternehmen werden auch dadurch stärker, wenn sie über die richtig ausgebildeten Mitarbeiter verfügen.

Die SPD, die bisher zurückhaltend bis ablehnend auf die Forderungen nach einer Entlastung der Wirtschaft reagiert, könnte sich einer solchen Unternehmensteuerreform kaum verschließen. Weiterbildung ist klassische Sozialpolitik, sie ist die Voraussetzung für beruflichen Aufstieg in Zeiten technologischer Veränderungen.

Politisch könnte sich eine solche Steuerreform als nachhaltiges Anti-AfD-Programm erweisen. Je weniger Menschen sich vor einem möglichen Jobverlust fürchten, desto schneller schrumpft der Zuspruch zur Protestpartei. Das Geld für eine Weiterbildungsoffensive hat der Staat – sie muss jetzt nur noch umgesetzt werden.

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1 Kommentar zu "Kommentar: Der Staat sollte Weiterbildung steuerlich fördern"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Politisch könnte sich eine solche Steuerreform als nachhaltiges Anti-AfD-Programm erweisen"
    Ihr Kommentar ist schon leider wirklich lächerlich.
    Das mit den Steuern und der Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen ist wohl schon an den Haaren herbeigezogen. Die Großen wollen es.
    Aber obiges Zitat topt alles.