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Kommentar Der starke Euro wird zum Problem

Die Zeiten, in denen Europas Unternehmen in der Krise von einer schwachen Währung profitieren, sind vorbei. Für viele Firmen ist das gefährlich.
25.08.2020 - 11:22 Uhr 1 Kommentar
Die US-Währung hat zuletzt deutlich an Wert gegenüber dem Euro verloren. Quelle: Reuters
Das Konterfei George Washingtons mit Maske auf einem Dollar-Schein.

Die US-Währung hat zuletzt deutlich an Wert gegenüber dem Euro verloren.

(Foto: Reuters)

Nur weil der Euro zuletzt stark gestiegen und so wertvoll ist wie seit Jahren nicht mehr, passiert erst einmal nichts. Zumindest nicht bei den vielen exportstarken deutschen Unternehmen. Doch der Schaden kommt schleichend, und er wird umso stärker, je länger der Euro stark bleibt oder sogar weiter aufwertet. Dann schlagen sich die Währungseffekte negativ in den Konzernbilanzen nieder.

Alle im Dollar-Raum erwirtschafteten Umsätze und Gewinne verringern sich, sobald diese in Euro umgerechnet werden. Obendrein verteuert der starke Euro deutsche Software, Maschinen und Autos in den USA und allen anderen Ländern, in denen mit Dollar bezahlt wird. Die Produkte und Dienstleistungen sind deshalb weniger wettbewerbsfähig.

Darum geht es: Über 200 Milliarden Euro setzen die Dax-Konzerne jährlich in Amerika um. BMW, Daimler und Volkswagen exportierten im vergangenen Jahr über eine halbe Million Autos in die USA. Die Produktionskosten dafür fallen in harten Euro an, Umsätze und Gewinne werden in weichen Dollar erwirtschaftet, die anschließend für die Bilanz wieder in den harten Euro umgerechnet werden. Auf diese Weise entsteht ein doppelter Verlust.

Der negative Währungseffekt spiegelt sich überall wider, auch abseits der Börse. Deutsche Maschinenbauer oder Ausrüster für die Chemieindustrie geraten angesichts des Preisnachteils gegenüber ihren ohnehin starken amerikanischen Wettbewerbern ins Hintertreffen.

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    All das ließe sich noch als „business as usual“ abhaken, weil Währungsschwankungen zum wirtschaftlichen Alltag gehören. Infineons Finanzchef Dominik Asam drückte es einst so aus: „Jetzt leiden wir gerade etwas darunter, vorher haben wir davon profitiert.“

    Doch diesmal ist etwas Entscheidendes anders. In der Vergangenheit wertete der Euro immer dann auf, wenn Europas Wirtschaft besonders gut lief. Dann zog unser Kontinent Gelder aus anderen Kontinenten an und wurde deshalb teurer.

    2020 aber kommt der starke Euro zur Unzeit, weil er inmitten einer globalen Krise aufwertet. Einnahmeausfälle lassen sich nicht durch starke Gewinnzuwächse angesichts einer prosperierenden Konjunktur kompensieren – so wie das zuletzt vor gut zwei Jahren der Fall war.

    Die Aufwertung kommt mitten in der Krise

    Einiges spricht dafür, dass der Euro noch für geraume Zeit stark und der Dollar schwach bleibt. Erstens kämpft Amerika schlechter und erfolgloser gegen die Corona-Pandemie als die Europäer. Das macht ihre Konjunktur und damit auch den Dollar anfälliger.

    Zweitens beginnen mehr und mehr Anleger, sich auf dauerhaft niedrige Zinsen in den USA einzustellen. Denn um die unter der Corona-Pandemie schwächelnde Konjunktur anzufachen, dürften die Währungshüter der Notenbank Federal Reserve die Zinsen noch für lange Zeit nahe null halten. Das macht es für Anleihegläubiger weniger attraktiv, Gelder in amerikanische Staatsanleihen anzulegen.

    Drittens verliert der Dollar seine Ankerfunktion in Krisenzeiten. Bislang konnten sich Europas Unternehmen darauf verlassen, dass ein zu starker Euro spätestens dann wieder zur Schwäche neigt, wenn internationale Investoren aufgrund schlechter Konjunkturdaten oder bedrohlicher geopolitischer Entwicklungen in die Weltleitwährung Dollar flüchten. Das hatte für BASF, Daimler und Co. den positiven Begleiteffekt, dass Ergebniseinbrüche aufgrund schwacher Nachfrage abgemildert wurden.

    Doch dieser Mechanismus ist außer Kraft gesetzt. Donald Trumps unkonventioneller Regierungsstil als US-Präsident, frei von diplomatischen Zwängen und Berechenbarkeit, macht für mehr und mehr Anleger die Flucht in den Dollar unattraktiv. Die Zeiten, in denen der Dollar automatisch aufwertet, sobald Anschläge die Welt erschüttern, die Kriegsgefahr auf einem Fleck der Erde wächst oder, so wie jetzt, die Corona-Pandemie die Weltkonjunktur abstürzen lässt, sind vorbei. Sollte sich gar der Euro als zweite Reservewährung in der Finanzwelt durchsetzen, droht den europäischen Unternehmen wegen eines stärker werdenden Euros ökonomische Gefahr.

    Europas Unternehmen werden deshalb wohl noch länger mit einem starken Euro leben müssen. Umgekehrt werden Apple, Coca-Cola und Co. ihre Produkte angesichts des schwachen Dollars wohl noch länger preisgünstiger in Euro anbieten, was ihnen Konkurrenzvorteile beschert. Deshalb spricht viel dafür, dass europäische Unternehmen gegenüber ihren Wettbewerbern in den USA weiter zurückfallen werden.

    Ein Ausweg aus diesem Dilemma ist zumindest deutschen Unternehmen aus alten D-Mark-Zeiten nicht fremd. Damals lautete die Devise: Je stärker die Währung, desto wichtiger sind effizient hergestellte und vor allem hochwertige Weltmarktprodukte, die im globalen Wettbewerb bestehen können. Geschadet hat es den deutschen Weltmarktführern nicht. Ob dieser Ausweg auch für die Unternehmen im gesamten Euro-Raum gangbar ist, erscheint mit Blick auf den mangelnden Reformwillen in vielen südeuropäischen Staaten zweifelhaft.

    Mehr: Die Währungsfalle

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Der starke Euro wird zum Problem"

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    • Der Euro ist, obwohl jetzt ein wenig gestiegen, immer noch schwach und im Prinzip eine Weichwährung. Unsere Exporterfolge des letzten Jahrzehnts sind fast ausschließlich darauf zurückzuführen. Die Kehrseite ist allerdings, und das wird kaum erwähnt, der einhergehende Kaufkraftverlust bei einer schwachen Währung. Das bedeutet, ausländische Waren, viele Rohstoffe und Reisen sind zu teuer trotz vermeintlich wirtschaftlicher Stärke. Außerdem hat die Weichwährung Euro und der damit verbundene außenwirtschaftliche Erfolg dazu geführt, dass Zukunftstechnologien stark vernachlässigt wurden. Die Old-Economie florierte, wieso sollte man da in die Zukunft investieren? So sind wir z. B. nicht mehr in der Lage, das 5G Netz mit eigenen Komponenten auszustatten. Jetzt kommt natürlich mit Corona alles zusammen und zeigen sich die Fehlentwicklungen der letzten Jahre. Deutschland ist mit der DM, einer starken Währung. damals gut gefahren und hatten auch damals Exporterfolge, weil die Wirtschaft innovativ und leistungsfähig bleiben musste. Uns wurde bei Einführung ein starker Euro versprochen, was aber wie viele andere Versprechungen auch, wie zu erwarten war, gebrochen wurde. Eine Schwachwährung bringt auf Dauer nichts, was man schon bei den vor der Euroeinführung ebenfalls gleichen Schuldenländern sehen konnte.

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