Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Der Tod Khashoggis könnte einen Kurswechsel in der saudischen Politik einleiten

In der Affäre um den ermordeten Journalisten versucht Saudi-Arabien das Gesicht des Kronprinzen zu wahren. Womöglich findet die harte Linie gegen Oppositionelle ein Ende.
Kommentieren
Die Absetzung der beiden mächtigen Männer aus dem Umfeld von MbS ist mehr als ein Bauernopfer. Quelle: Reuters
Mohammed bin Salman

Die Absetzung der beiden mächtigen Männer aus dem Umfeld von MbS ist mehr als ein Bauernopfer.

(Foto: Reuters)

BerlinKehrtwende im Fall Khashoggi: Saudi-Arabien hat am frühen Samstagmorgen erstmals den Tod des regimekritischen Journalisten Jamal Khashoggi eingeräumt und 18 mutmaßlich dafür Verantwortliche – darunter enge Vertraute des Kronprinzen – festnehmen lassen. Das ist der vorerst letzte Zug in einem ziemlich blutigen Spiel um Macht, Intrigen und Herrschaft über eine Weltregion.

Mit Jamal Khashoggi wurde ein Kritiker von Kronprinz Mohammed bin Salman ausgeschaltet, und verantwortlich sowie abgesetzt wird dafür der Vize-Geheimdienstchef, General Ahmad al-Asiri. Der wird nun als Bauernopfer dargestellt, um den Mordverdacht vom Königshaus abzulenken. Bin Salman habe die Tötung nicht angeordnet, seine Untergebenen hätten vollkommen überzogen, heißt es in Riad.

Aber es ist ein klares Signal, dass mit General Al-Asiri ein ranghoher Vertrauter des mächtigen Kronprinzen mitverantwortlich gemacht und abgelöst wird. Und mit ihm ein weiterer enger Berater von des Kronprinzen: der für Medien zuständige Saud bin Abdullah al-Kahtani. Der 40-Jährige mit 1,3 Millionen Twitter-Followern wird in Anlehnung an den (inzwischen entlassenen) Berater Donald Trumps als „Steve Bannon Saudi-Arabiens“ bezeichnet.

Es ist das in einer absolutistischen Monarchie vielleicht größtmögliche Zugeständnis an öffentlicher Empörung. Und die Absetzung der beiden mächtigen Männer aus dem Umfeld von MbS, wie der Kronprinz in seiner Heimat nur genannt wird, ist mehr als ein Bauernopfer.

Denn natürlich soll sie verhindern, dass nun „ganz oben“ nach weiteren Schuldigen gesucht wird. Doch die Absetzungen können auch zu einem Befreiungsschlag werden: Zur Kursänderung der bisherigen Politik von MbS, vor allem der Exzesse, die in Sackgassen führten.

So war Al-Asiri das Gesicht der saudischen Führung im Jemen-Krieg: Riad führt die Koalition gegen die aufständischen schiitischen Huthi-Rebellen im Nachbarland. Sie hat – neben dem legitimen Recht der Verteidigung gegen immer neue Raketenangriffe auf saudisches Staatsgebiet – mit ihrem brutalen Vorgehen auch viele unschuldige Zivilisten als Opfer zur Folge gehabt. Al-Asiris Ablösung bietet nun die Chance einer Kurskorrektur.

Ebenso wie die Absetzung Al-Kahtanis: Er hat als Strippenzieher der Medienpolitik des Königshauses die harte Linie gegen Oppositionelle mit zu verantworten. Auch diese könnte nun gesichtswahrend geändert werden, der Kronprinz nicht mehr nur als jovialer Modernisierer inszeniert werden, sondern als streitbarer und kritikfähiger Herrscher.

Das alles macht Jamal Khashoggi nicht wieder lebendig. Und weder seine Ermordung noch die scheinbare Brutalität des Vorgangs sind zu rechtfertigen. Doch käme es nun zu Kursänderungen im einerseits sehr reformfreudigen wie andererseits noch immer sehr repressiven Königreich, wäre posthum wenigstens das Ziel von Khashoggis Wirken erreicht.

Startseite

Mehr zu: Kommentar - Der Tod Khashoggis könnte einen Kurswechsel in der saudischen Politik einleiten

0 Kommentare zu "Kommentar: Der Tod Khashoggis könnte einen Kurswechsel in der saudischen Politik einleiten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote