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Kommentar Der Umgang der EZB mit faulen Krediten ist ungerecht – aber vernünftig

Die Strategie der Zentralbank bei faulen Krediten ist unfair. Die Alternativen dazu sind allerdings zu riskant.
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Die Währungshüter in Frankfurt drängt die Banken zur Entrümplung ihrer Bilanzen. Quelle: dpa
EZB

Die Währungshüter in Frankfurt drängt die Banken zur Entrümplung ihrer Bilanzen.

(Foto: dpa)

Die Europäische Zentralbank will Europas Banken dazu zwingen, ihre Bilanzen entschlossener zu entrümpeln. Das ist auch gut so, denn der Berg wertloser Kredite belastet das europäische Finanzsystem schon viel zu lange. Dass amerikanische Banken die Finanzkrise längst abgehakt haben, liegt nicht zuletzt daran, dass sie den Müll in ihren Büchern schneller und brutaler bereinigt haben.

Umso kurioser wirkt vor diesem Hintergrund der Ansatz, den die EZB für den Abbau der Kreditleichen in den Bilanzen fährt: Ausgerechnet die Banken mit den größten Problemen sollen für die Bilanzbereinigung besonders viel Zeit erhalten. Von den Banken mit den geringsten Problemen wird ein höheres Tempo erwartet. Das ist in etwa so, als müssten die guten Schüler einer Klasse für die gleiche Note eine schwerere Klausur bestehen als ihre schwächeren Mitschüler.

Das ist ungerecht – aber zugleich vernünftig. Würde die EZB von allen das gleiche Tempo verlangen, wären entweder schwache Banken überfordert oder starke Banken unterfordert. Beides wäre zwar gerechter, aber auch gefährlicher.

Überfordert die EZB die Schwachen, riskiert sie in Ländern wie Italien eine Banken- und damit auch eine Wirtschaftskrise. Denn leider verteilen sich die Problembanken nicht gleichmäßig, sondern ballen sich in einigen Ländern. Der Preis für mehr Gerechtigkeit wären dann womöglich die Krise einer ganzen Volkswirtschaft und eine neue Zerreißprobe für den Euro.

Die vermeintlich starken Institute zu unterfordern ist aber genauso riskant. Die Boomjahre neigen sich dem Ende entgegen. Zugleich ist der Risikoappetit vieler Institute gestiegen. Bei Unternehmenskrediten hat das zu einem Sittenverfall mit allzu laxen Konditionen geführt, auch in Deutschland.

Im Abschwung könnte sich die Sorglosigkeit der Banken noch bitter rächen, wenn diese Engagements platzen. Gut möglich, dass einige Banken noch froh sein werden, dass sie ihre Bücher zügiger bereinigen mussten als andere.

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