Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Der Umgang mit der Rezo-Kritik zeigt: Die CDU ist weit weg von der Jugend

Die unbeholfene Reaktion auf ein provokantes Video des Youtubers Rezo zeigt eine Schwachstelle der Partei. Sie verliert die junge Wählergeneration.
5 Kommentare

CDU veröffentlicht Brief an Youtuber

Sarkasmus ist selten die beste Art zu antworten. Die CDU-Parteivorsitzende macht da keine Ausnahme. Ein Youtuber namens Rezo hatte die CDU in einem 55-minütigen Video unter anderem für die Zustände in der Bildungspolitik, für den mangelnden Kampf gegen den Klimawandel und für militärische Zusammenarbeit mit den USA kritisiert. „Ich habe mich gefragt, warum wir nicht eigentlich auch noch verantwortlich sind für die sieben Plagen, die es damals in Ägypten gab“, meinte Annegret Kramp-Karrenbauer darauf nur.

Das klingt nach Unlust, Verantwortung für das Land zu übernehmen. Eine wohlmeinendere Interpretation wäre, dass Kramp-Karrenbauer schlicht keinen Weg sah, sich angemessener mit den Vorwürfen auseinanderzusetzen – weil die Kritik an vielen Stellen fundiert und treffend ist.

Rezo beruft sich auf Studien renommierter Organisationen, auf Aussagen von Wissenschaftlern und auf Presseberichte. Einiges spitzt er scharf zu, einige Male wird er beleidigend. Im Vergleich mit den Äußerungen, die in einer durchschnittlichen Talkshow fallen, ist sein Video jedoch erfrischend faktenbasiert.

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak aber sagt, Rezo hantiere mit allerlei „Pseudo-Fakten“. Ziemiak ließ dabei die Gelegenheit verstreichen, seine Aussage zu belegen – anders als Rezo, dessen Quellenliste 13 Seiten umfasst. Die Botschaften des Youtubers wegen seiner blauen Haare als Geplapper im Internet abzutun, ist zu kurz gesprungen.

Hat der Youtuber nicht recht, wenn er falsche Versprechungen von CDU-Politikern in der Diskussion über die jüngste EU-Urheberrechtsreform zitiert oder die Diskreditierung der von Jugendlichen getragenen Fridays-for-Future-Bewegung?

Mit solchen Äußerungen hat es sich die CDU mit vielen jungen Menschen verscherzt – und tut sich jetzt schwer damit, es in der sachlichen Diskussion mit einem populären Youtuber aufzunehmen, der immerhin Millionen Nutzer dazu gebracht hat, ein so langes Politikvideo anzuklicken.

Die CDU spielte mit dem Gedanken, ihren jüngsten Abgeordneten, Philipp Amthor, der mit 26 Jahren genauso alt ist wie Rezo, in Stellung zu bringen, entschied dann aber, das schon produzierte Videomaterial nicht zu veröffentlichen. Sich gegen den Beschuss von reichweitenstarken Youtubern zu wehren, ist sicher nicht einfach. Die CDU hat vorgemacht, wie man es nicht machen sollte.

Letztendlich entschied sie sich dann doch zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung. Auf der CDU-Homepage ist nun ein langes Factsheet zu finden, in dem die Parteipositionen begründet werden. Das ist der richtige Ansatz. Will die CDU die junge Wählergeneration nicht verlieren, sollte sie sich fragen, warum sie zuvor so herablassend reagiert hat.

Mehr: Portrait von Rezo.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Kommentar - Der Umgang mit der Rezo-Kritik zeigt: Die CDU ist weit weg von der Jugend

5 Kommentare zu "Kommentar: Der Umgang mit der Rezo-Kritik zeigt: Die CDU ist weit weg von der Jugend"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Aufregung über das Urheberrecht zeigt doch nur, das es sich um eine Schnorrergeneraton handelt. Man bedient sich bei anderen. Gut, daß die meisten von denen vollkommen apolitisch sind und Mehrheitlich nicht zur Wahl gehen, auch wenn sie auf You Tube herumkrakelen, oder hysterisch bei Ihren „Fridays for Future“ durch unsere Innstädte wandern.

  • "Durch das Internet erhalten die unausgegorenen Meinungen junger Menschen leider ein Gewicht, das diesen nicht zukommt. "

    Und das ist hoffentlich der Grund, warum die alten und etablierten Parteien (hoffentlich) mal einen vor den Karren bekommen ...

  • Durch das Internet erhalten die unausgegorenen Meinungen junger Menschen leider ein Gewicht, das diesen nicht zukommt. Aber wir Erwachsenen müßen uns auch fragen: Warum gelingt es uns nicht, dieses altkluge Gewäsch zu ignorieren? Das hat doch früher auch funktioniert.

  • Dieses Video ist nicht aus heiterem Himmel gekommen; die Proteste der Wissenschaftler gegen den CO² Ausstoß laufen doch seit Jahren, die der Schüler seit vielen Monaten.
    Funktionierendes Risiko - und Kommunikations-Management sieht anders aus.
    Wahlkampf 4.0 ist für die CDU/CSU Neuland.
    Ein Video ankündigen, dann das Video zurückziehen und 8 Seiten auf der CDU-Website zu veröffentlichen zeugt davon.
    Vielleicht wird dies das "Ibiza-Video" der CDU/CSU.
    Sonntag ab 18:00 werden wir schlauer.

  • Mehr als das.
    Bsp.: Die Zahlen zu den Wählerwanderungen der letzten Landtagswahl in Bayern zeigten, dass mehr CSU-Wähler verstorben sind, als sie an die AfD verloren hat.
    Der CDU/CSU sterben die Wähler weg, sie sind sozusagen das ZDF in der politischen Landschaft.

    Wie wenig zukunftsfähig sie sind haben sie zuletzt mit ihrem blamablen Verhalten zur Wahlrechtsreform mehr als deutlich demonstriert.
    Die verkorkste Urheberrechtsnovelle haben die Jungen eben noch in den Knochen. Die Kernwählerschaft der C-Parteien ist das dann doch eben egal.

    Und die jungen Konservativen wählen heute eben schon mal die Grünen. Die C-Parteien erodieren eben einfach nur langsamer als die gute alte Tante SPD.



Serviceangebote