Kommentar Der Unberechenbare

Lange musste die Öffentlichkeit auf Wladimir Putin und sein Statement zur Ukraine warten. Mit einem Hang zur Überheblichkeit trat er nun vor die Presse. Ein Bekenntnis zum Frieden blieb aus. Seine Strategie: Verwirrung.
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Krim-Krise: Putin gibt Interview

Wladimir Putin kann die Aufregung nicht verstehen: Was wollt ihr denn alle? Diese Frage schwingt bei allen seinen Antworten mit. Der Tenor: Ist doch alles total logisch, was sich derzeit in der Ukraine abspielt. Könnt oder wollt ihr kleinen Fragesteller das denn nicht kapieren? In Kiew hat es einen Machtwechsel mit Waffengewalt gegeben, Menschen sind bedroht und müssen beschützt werden und Russland verteidigt seine Interessen – wie es die USA seit eh und je tun. So die Wahrnehmung Putins.

Überraschend hat Russlands Präsident zur Pressekonferenz in Moskau geladen. Seit Tagen diskutiert die Welt über das Verhalten Russlands in der Ukraine-Krise, nun schlägt der Präsident zurück. In der Rolle des Unberechenbaren. Seine Körpersprache: breitbeinig. Sein Auftreten: selbstbewusst mit dem Hang zur Überheblichkeit. Seine Aussagen: unentschieden.

Stefan Kaufmann ist Politikredakteur bei Handelsblatt Online.

Stefan Kaufmann ist Politikredakteur bei Handelsblatt Online.

Den Diplomaten sei eine Sprache gegeben, um Wahrheiten nicht sagen zu müssen, so sagt es Putin in einer seiner Antworten. Umso direkter kommt seine eigene Sprache daher. Nur drei Beispiele: „Es wird keinen Krieg geben“, sagt er. Oder: „Es gibt niemanden, mit dem ich in Kiew sprechen könnte.“ Oder: „Glauben Sie, dass im Westen immer alles legitim ist?“ Der Haken: Tatsächlich verraten auch Putins Worte nicht, welches Schicksal die Ukraine erwartet. Denn hinter jeder seiner doch so klaren Aussagen, verbirgt sich ein „aber“.

Beispiel 1: Die Kriegsfrage. „Beunruhigt es Sie, dass ein Krieg ausbrechen kann“, fragt eine Journalistin. „Nein, dass beunruhigt mich nicht, weil wir nicht gegen das ukrainische Volk kämpfen wollen.“ Etwas anderes sei es natürlich, wenn es einen Schießbefehl für Soldaten der ukrainischen Armee gebe. Außerdem behalte sich sein Land alle Optionen vor, sollte im Osten der Ukraine Anarchie ausbrechen. Ein klares Bekenntnis zu einer friedlichen Lösung klingt anders.

Beispiel 2: Die Regierungsfrage. An Verträge mit der Ukraine fühlt sich Putin juristisch nicht mehr gebunden. Schließlich spreche der Westen von einer Revolution, an deren Ende eine neue Regierung stehe. Eine Regierung, die nach Waffengewalt an die Macht gekommen sei. „Mit einer solchen Regierung habe ich keine Verträge, weil diese nicht legitim ist“, sagt Putin. Für ihn ist Janukowitsch – wenngleich politisch erledigt – der weiterhin rechtmäßige Präsident. Also eine Absage an alles, was sich in Kiew entwickelt? Soweit geht der Unberechenbare dann doch nicht: „Es gibt Kontakte auf der Regierungsebene mit den ukrainischen Ministerien, um sie zu beim Wiederaufbau der Wirtschaft unterstützen. Das ist mein Auftrag an die Regierung.“ Putin bleibt undurchsichtig.

Beispiel 3: Die Schuldfrage. Verantwortlich für die Zustände im Nachbarland macht Putin vor allem den Westen. Das von der EU angestrebte und der Ukraine abgelehnte Assoziierungsabkommen habe dem Chaos vorangestanden, den USA – die mit Sanktionen drohen – wirft er vor, mit zweierlei Maß zu messen. „Uns wird vorgeworfen, dass unsere Handlungen nicht legitim waren“, sagt Putin. „Glauben Sie, dass im Westen immer alles legitim ist?“ Putin verneint das im Hinblick auf den Einsatz der USA in Afghanistan und Libyen. Die USA verfolgten stets hartnäckig ihre eigenen geopolitischen Interessen. Was ihr könnt, können wir auch, lautet die Warnung an den Westen. Doch auch in diesem Punkt hält sich Putin einen zweiten Weg offen. Zum deutschen Vorschlag einer internationalen Kontaktgruppe im Ukraine-Konflikt sagt er: „Im Prinzip ist das möglich.“

Wladimir Putins Auftritt zeigt: Er sieht sich als der entscheidende Mann in der Krise – verzichtet allerdings auf konkrete Entscheidungen zur Entschärfung der Krise.

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21 Kommentare zu "Kommentar: Der Unberechenbare"

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  • Krisen haben als Ursachen meistens wirtschaftliche Gründe. Das ist in der Ukraine nicht anders.
    Auch dort werden im Packpapier namens Menschenrechte und Demokratie wirtschaftliche und zudem militärische Interessen eingewickelt.
    Nun werden insbesondere von den USA Sanktionen gegen Russland gefordert und da stellt sich dann die Frage nach den möglichen Gewinnern und Verlierern der Krise.
    Die USA haben in Russland nur geringe wirtschaftliche Interessen allerdings dürfte die US-Rüstungsindustrie von dieser Krise hoch erfreut sein. Ebenso die angloamerikanischen „Heuschrecken“, denen der IWF mit geforderten Reformen einen hübschen Futterplatz in der Ukraine bereiten wird..
    Verlieren wird – wie immer – Deutschland bzw. Europa.
    Am Russland-Geschäft hängen ca. 200.000 deutsche Arbeitsplätze und je nach Intensität der Sanktionen könnten Lieferengpässe bei Öl und Gas auftreten, die sich wiederum negativ auf die Konjunktur auswirken können. Von den wahrscheinlichen „Hilfszahlungen“ an die Ukraine in Milliardenhöhen ganz zu schweigen.
    Fazit : Aus der exakten Ortung der möglichen Krisengewinner und ihrer Interessen kann der Therapieansatz zur Lösung der Krise abgeleitet werden, wobei Russland sich konstruktiven Denkmodellen sicherlich nicht verschließen dürfte.
    Putin der Unberechenbare ?
    Mit der Ignoranz der westlichen Politiker konnte Putin tatsächlich nicht rechnen und das führt dann schon mal zu Gegenreaktionen, mit denen "Unberechenbarkeit" gekennzeichnet ist..

  • Es fehlte der Hinweis, dass zum Pressetermin lediglich russische Medienvertreter zugelassen wurden! Das nenn ich eine Inszenierung!

    Ansonsten war der Artikel im HB genau so wie sich Putin präsentierte und argumentierte. Seine Aussagen waren alles wischiwaschi und dann mit einer Mimik die aussagt, ihr könnt mich alle mal!

    Ach und wenn man dann noch aufzählen würde wo er schon überall einmarschiert ist...... die Liste wäre auch erheblich!

    All die Schreiber hier, die plötzlich so viel Zuneigung für das russische Regime empfinden wundern mich!

    Sicher ist bei uns auch nicht alles Gold was glänzt, trotzdem haben wir wenigstens das Gefühl von Freiheit!
    Wer will kann auf die Straße, wer will kann sich am politischen Geschehen beteiligen.......

    Wo bitte gibt es in Russland eine Demokratie?
    Wo kann der Einzelne seine Meinung frei äußern?
    Von der Verfolgung von Lesben und Schwulen ganz zu schweigen!

    Er redet von Nationalisten und Faschisten in der Ukraine!!!!

    Ja bitte was ist denn mit ihm und seinen gelenkten Medien?

    Wenn die Aufmärsche in einem "Bruderland" erfolgen um die Menschen zu schützen, dann frage ich, warum sperrt er sich gegen eine Lösung in Syrien?

    Wenn das kein Verbrechen ist was in Syrien passiert, was ist dann noch ein Verbrechen?

    Nein, Putin soll sich nicht so aufblustern und mit den Staaten in Ost und West reden und Lösungen erarbeiten!

  • (Fortsetzung) ...voranbringen könnte.
    Und zwar eine, bei der wirklich JEDER einzelne Bürger bei allen das politische Miteinanderleben betreffenden Fragen sowohl an der Entscheidungsfindung als auch an der Verantwortung für die Konsequenzen solcher Entscheidungen beteiligt ist. Es gibt keinen vernünftigen Grund für die Annahme, dass ein kleiner Kreis gewählter, meist von Sachzwängen oder Lobbys gesteuerter Politiker die besseren Entscheidungen treffen würde als alle Bürger zusammen. Ganz im Gegenteil!
    Dank der rasanten Entwicklung u.a. der IT-Technologien müsste das bald möglich sein (wenn man will).

    (Übrigens, oben hätte es heißen müssen: ... einen länderübergreifenden Konsens, DER eine (...) flexible Reaktion ermöglichT. Sorry.)

  • Ich glaube, der einzige Effekt von Sanktionen würde sein, dass die „Gegenseite“ noch bockiger wird. Nicht ganz saubere bzw. intransparente Geschäfte sollten(!) ohnehin auch so tabu sein. Und bei allen sonstigen Wirtschaftsbeziehungen treffen Sanktionen ohnehin die Falschen (nicht zuletzt die Sanktionierenden selbst).
    Die Zeit arbeitet gegen Putin. Jeder, der die Nachrichten verfolgt, müsste doch inzwischen gemerkt haben, dass das Zeitalter der Herrscher und Despoten sich offensichtlich (so oder so) dem Ende zuneigt. Und zwar überall und in allen Institutionen.
    Es sind also wohl alle Seiten gut beraten, den Ball vorerst schön flach zu halten und dafür zu sorgen, dass niemandes Emotionen unnötig durch irgendwelche spektakulären Aktionen „angeheizt“ werden, und stattdessen versuchen, mit der Situation, insbesondere mit Putin, ganz pragmatisch irgendwie „umzugehen“.
    Also statt Aktionismus oder Wegschauens eine schnellstmögliche Absprache über einen länderübergreifenden Konsens bezüglich klar definierter Prinzipien treffen, die eine eigenverantwortliche, situationsangepasste, schnelle und flexible Reaktion auf sich ergebende Herausforderungen ermöglichen.
    Was wäre die Alternative?
    Angesichts der inzwischen fast uneingeschränkten globalen Mobilität der Menschen, der immer weiter anschwellenden Migrationsströme, des stetig steigenden Austauschs von Waren, Dienstleistungen und Daten sowie der Tatsache, dass alle Bewohner dieser Erde von zukünftigen Herausforderungen grenzübergreifend und völlig ungeachtet ihrer nationalen oder ethnischen Zugehörigkeit betroffen sein werden (bestes Beispiel: die Folgen der Klimaerwärmung, die wiederum die Frage aufwerfen, wie die zukünftige Versorgung der globalen Bevölkerung mit Energie und Wasser sichergestellt werden kann) sind Grenzstreitigkeiten im Grunde heute schon ein absoluter Anachronismus. Merkt leider nur noch lange nicht jeder.
    In der so gewonnenen „Atempause“ hat man Zeit, alles zu tun, was den Aufbau einer echten Demokratie

  • Lieber Herr Kaufmann
    Ich habe selten ein solchen Schwachsinn gelesen wie Ihren Kommentar. Nach dem Muster Ihrer Interpretation des Interviews währe ein „guten morgen“ schon ein Schlag ins Gesicht.
    Das Verdrehen der Tatsachen in der deutschen Presselandschaft ist schon sehr erbärmlich. Und das deutsche Schreiberlinge nicht mal richtig informiert sind ist noch erbärmlicher.
    Durch die mithilfe Westlicher Möchtegern Politiker ist eine Gruppe Brauner Nationalisten an die Macht gekommen. Und diesem unberechenbaren Haufen mit klarer Antirussischen Gesinnung soll Putin trauen. Soll Antworten über Vorgänge geben, die er selbst noch nicht einschätzen kann. Das ist kein Journalismus, das ist Meinungsmache.
    Vielleicht denken Sie mal über folgendes Zitat nach:

    Das Absurdeste - noch nie haben Journalisten in einem freien Land, sich freiwillig so heftig selbst geknebelt, und ihr Recht/Pflicht auf freie Meinungsäußerung verschenkt/verletzt. Das erinnert an DDR-Berichterstattung, nur dass es dort Staatsvorgabe war.


  • Hallo Farmer.Tom,

    die 'laschen Westler' sind nunmal genau das: Naive Gutmenschlinge, die meinen, alle auf der Welt haben sich ganz feste lieb.

    Und in dieser Gefühlsduselei fühlen sie sich gänzlich erhaben und richtig, erkennen aber leider nicht, wie sehr sie letztlich mit ihren täglich trainierten Empörungsreflexen machtpolitisch missbraucht werden.

    Missbraucht von einer unsäglichen Clique machtgeiler Geostrategen, die tatsächlich täglich nichts anderes machen als "Risiko spielen" - nur halt 'in echt'.

    Es läuft ein grandioser Machtkampf der westlichen Welt, die fest in der Würgehand der FED-Gang mit seiner REUTERS-Medienmacht steckt gegen die 'Achse des Bösen' - Russland, China, Iran, Korea als verbliebener Kontra-Pool.

    Jedes umgestürzte Land der Vergangenheit brachte im Nachgang eine 'Demokratisierung', also eine Machtübernahme durch die öffentliche Meinung, die ja nun mal von den Medien HERGESTELLT wird (nicht etwa WIEDERGEGEBEN, wie ich früher immer dachte).

    Gefallen ist ein Russland-Freund nach dem anderen, der Kreis zieht sich immer enger. Dass der Russe nun, da die FED-Gang nach der fehlgeschlagenen Syrien-Übernahme frecher Weise nun direkt vor seiner Haustüre loszündelt, reagiert, ist doch nur selbstverständlich und legitim.

  • Staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen Guido Westerwelle sind dringend erforderlich. Wie kann ein deutscher Aussenminister an einer Demonstration gegen einen demokrtisch gewählten Präsidenten im Ausland teilnehmen???
    Ist der Mann geistesgestört oder was?
    Steinmeier und Merkel haben sich nicht minder katastrophal aufgeführt. Unglaublich diese Unfähigkeit und Verabtwortungslosigkeit gegenüber den Sicherheitsinteressen Deuschlands. Hat man tatsächlich geglaubt mit einer solch dilletantischen Inszenierung einer "Revolution" und der Inthronisierung eines -von der Adenauer Stiftung geprieften Boxers, der in den USA seine Steuern zahlt,
    Russland über den Tisch ziehen zu können?
    Wie schaut es eigentlich aus mit der geschichtlichen Verantwortung gegenüber Russland?
    Aber die Berichterstattung der gleichgeschalteten deutschen Presse spricht da Bände.
    Der obige Kommentar passt da ins Bild.
    Stefan kaufmann, der Mann ohne Eigenschaften.

  • MIt welcher Leichtigkeit einige Kommentatoren über den berechtigten (so kommt das zumindest bei mir an) Sinn von Krieg reden und andererseits lasche Westler die zahnlos daherkommen ... ist entsetzlich!

    Ein Blick in Geschichtsbücher hilft!

  • Ich hoffe, dass HBO die Meinung registrierter Benutzer mehr zur Kenntnis nimmt als zuvor von anonymen Benutzern: die Einseitigkeit der Berichterstattung (auch Kommentare sollten nicht einfach Fakten ignorieren) wird unerträglich.
    Übrigens, "Registriertes Mitglied" über jedem Leserkommentar ist nun ja überflüssig geworden. Ich bin sonst kein "Erbsenzähler", aber die (gezielte) Desinformation der Medien ärgert mich massiv.

  • Ich sach mal so....
    Putin ist ein Mini-Stalin und wurde vom Westen hofiert.
    Die Ukraine ist ein Bruder-Volk...weil...richtig Freunde kann man sich aussuchen, der Putin - und sein Gefolge sind keine Demokraten und damit auch nicht glaubwürdig.
    Wer mit diesen Herren Geschäfte macht, ist verloren.
    Die " Presse" war Handverlesen und ausschließlich russische Medien.
    Ach ja ...an alle Rotgardisten in diesem Forum...schreibt lieber im " Neuen Deutschland" ich bin mir sicher, das ist besser für alle Beteiligten.
    Als dann...viel Kraft und Ausdauer wünsche ich der Ukraine !
    PS: Wir haben sehr lange gebraucht um uns von unseren russischen "Brüdern" in der DDR zu befreien.
    Gott sei Dank...diese Besatzer sind weg !

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