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Kommentar Der US-Wirtschaftsboom nützt vor allem den Reichen – und gefährdet die Zukunft

Die USA feiern den längsten Aufschwung aller Zeiten. Doch die guten Zahlen trügen. Je länger er andauert, desto tiefer könnte der Absturz werden.
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Die US-Konjunktur boomt – zugleich können 40 Prozent der Amerikaner unerwartete Ausgaben in Höhe von 400 Dollar nicht schultern. Quelle: AP
Eine Job-Messe in Florida

Die US-Konjunktur boomt – zugleich können 40 Prozent der Amerikaner unerwartete Ausgaben in Höhe von 400 Dollar nicht schultern.

(Foto: AP)

Am Independence Day demonstrierten die USA ihre Stärke auch abseits der Panzer am Lincoln Memorial. Die Aktienmärkte erreichten pünktlich zum Feiertag neue Rekordstände. Die US-Wirtschaft befindet sich offiziell im längsten Aufschwung aller Zeiten.

Seit 121 Monaten wächst sie ungebrochen. Das Bruttoinlandsprodukt hat seit dem Ende der Rezession 2009 um 25 Prozent zugelegt. Die Arbeitslosenquote ist so gering wie seit 1969 nicht mehr. Und die Arbeitsmarktdaten, die am Freitag für den Monat Juni veröffentlicht wurden, waren überraschend stark: Die US-Wirtschaft schuf netto 224.000 Jobs. Deutlich mehr, als nach einem schwachen Monat Mai erwartet worden war.

Doch die guten Zeiten fühlen sich für viele Amerikaner nicht gut an. Der Aufschwung, der im Juni 2009 begann, ist zwar besonders lang, aber nicht besonders kräftig. Und die Früchte des Aufschwungs sind ungleich verteilt. Das lässt die Gesellschaft und die Wirtschaft gespalten zurück und gefährdet den künftigen Erfolg der USA.

Die Reichsten sind die größten Profiteure dieser Expansion. Der Leitindex Dow Jones legte in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 300 Prozent zu. Und das reichste Prozent der US-Haushalte besitzt die Hälfte aller Aktien, wie eine Studie von Goldman Sachs zeigt.

Die unteren 70 Prozent der amerikanischen Haushalte waren Ende 2018 weniger vermögend als vor der Krise, die 2007 begann, wie aus einer Analyse der US-Notenbank Federal Reserve hervor geht. 40 Prozent der Amerikaner können unerwartete Ausgaben in Höhe von 400 Dollar nicht schultern. Und während die Kosten für Krankenversicherung und Bildung deutlich angestiegen sind, haben sich die Löhne für die Arbeiterklasse kaum bewegt.

Das ist nicht nur die Schuld von Präsident Trump. Der Großteil dieser ungleichen Verteilung hat sich unter seinem Vorgänger Barack Obama entwickelt, vor allem durch die beispiellosen Anleihekäufe der Notenbank, die die Wirtschaft stabilisierte und die Aktienmärkte befeuerten. Trump treibt die Spaltung zwischen Arm und Reich, zwischen wirtschaftlichen Gewinnern und Verlierern, jedoch zusätzlich voran. Von seiner Steuerreform haben Reiche und große Konzerne überproportional profitiert.

Kaum Mittel gegen einen Abschwung

Die Lage ist so angespannt, dass die Reichsten der Reichen, die obersten 0,1 Prozent, öffentlich darum bitten, stärker besteuert zu werden. In einem Brief haben sie sich vergangene Woche an die US-Präsidentschaftskandidaten gewandt, um für eine moderate Vermögenssteuer zu werben.

Ray Dalio, der Gründer des weltgrößten Hedgefonds Bridgewater, fürchtet eine Revolution wenn sich nichts ändert. Hinzu kommt: Amerika verspielt eine wichtige Chance, in die Zukunft zu investieren. Die Regierung gibt Steuergeschenke aus, statt dringend benötigte Mittel in Bildung und Infrastruktur zu stecken.

Wegen des Handelsstreits halten sich Unternehmen mit Investitionen zurück und zahlen lieber hohe Dividenden. Dabei müsste gerade jetzt investiert werden, um Wachstum für künftige Generationen sicherzustellen. Und der Staat müsste sein Haushaltsdefizit abbauen. Stattdessen wächst dieses.

Wie lange der Rekord-Aufschwung noch anhalten wird, darüber wird schon lange leidenschaftlich diskutiert. Skeptiker prognostizierten schon seit Jahren einen baldigen Abschwung und lagen bisher falsch. Die Steuerreform hat sicherlich dabei geholfen, die guten Zeiten zu verlängern.

Wie sehr die Fed bereit ist, das Wachstum mit Zinssenkungen weiter zu stützen, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Die nächste Sitzung der Notenbank ist Ende Juli. Die große Mehrheit der Investoren rechnet mit einer Senkung des Leitzinses.

Die nächste Krise kommt bestimmt. Und die Notenbank blickt dem Moment mit Sorge entgegen. Sie hat zwar schon 2015 damit begonnen, sich von der Nullzinsphase zu verabschieden, anders als in Europa, wo die Zinsen immer noch auf dem Rekordtief von null Prozent verharren. Doch der US-Leitzins liegt mit 2,5 Prozent historisch gesehen immer noch niedrig. Und die Notenbank sollte ihre Munition nicht zu früh verschießen.

Wenn sie jetzt senkt, solange die Wirtschaft noch wächst, könnte ihr später das Mittel fehlen, hart durchzugreifen. Die Notenbanker haben bereits durchblicken lassen, dass ihnen die hohen Staatsdefizite Sorgen bereiten. Denn sie machen es für die Regierung schwieriger, große Stimuluspakete auf den Weg zu bringen. All diejenigen, die jetzt schon kaum vom Aufschwung profitieren, würden dann besonders hart getroffen.

Mehr: Trump fordert von der Fed vehement Zinssenkungen – und setzt jetzt zu einem erneuten Angriff an.

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1 Kommentar zu "Kommentar: Der US-Wirtschaftsboom nützt vor allem den Reichen – und gefährdet die Zukunft"

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  • Sehr geehrte Frau Dörner,

    dass der US-Aufschwung viele Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen ist nun wirklich augenfällig. Das bemerken selbst Blinde. Aber Sie erwähnen dieses Großereignis mit keinem Wort. Haben Sie etwas gegen ausgewogene Darstellungen?

    Und ansonsten sind Sie der Zeit weit voraus: Wenn es bergauf geht mit der Wirtschaft, denken Sie berits daran, dass es vielleicht auch wieder einmal bergab gehen könnte. VIELLEICHT und KÖNNTE sind Phantastereien. Aber dazu braucht man Phantasie.

    Sie können sich nicht einmal vorstellen, dass die FED bereits bei noch kräftigem Wirtschaftswachstum schon damit beginnt, ihre Geldpolitik Schritt für Schritt zu lockern und so dem Entstehen einer Rezession von vornherein entgegen wirkt. Versuchen Sie doch einmal zu erahnen, was der amerikanische Präsident so denkt.

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