Kommentar Der verpatzte Stresstest der Deutschen Bank ist mehr als nur peinlich

Die Deutsche Bank ist durch den zweiten Teil des Stresstests in den USA gefallen. Das ist zwar keine Überraschung, aber trotzdem beunruhigend.
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Der Deutschen Bank droht neuer Ärger Quelle: Reuters
Deutsche Bank

Das Frankfurter Geldhaus ist bereits zwei Mal bei den US-Stresstests durchgefallen.

(Foto: Reuters)

FrankfurtEs war eine Blamage mit Ansage. Schon seit Wochen wusste jeder, der es wissen wollte, dass die Deutsche Bank den zweiten Teil des Stresstests der US-Notenbank Fed nicht bestehen würde. Weil das Überraschungsmoment so völlig fehlte, blieb der Bank auch an der Börse ein weiterer Tiefschlag erspart. Im Gegenteil: Nach dem Rekordtief von dieser Woche stieg der Kurs am Freitagmorgen sogar kräftig.

Aber auch eine erwartete Blamage ohne schwerwiegende Folgen an der Börse bleibt noch immer eine Blamage. Zumal die Deutsche Bank als einziges Institut von 34 getesteten Banken schon wieder sitzengeblieben ist. Die harschen Worte, mit denen die US-Aufseher das größte deutsche Geldhaus abkanzeln, zeigen, wie tief das Misstrauen inzwischen sitzt. 

Ähnlich wie bereits in den Jahren 2015 und 2016 moniert die Fed „erhebliche Schwächen“ bei der Fähigkeit der Bank, Daten zu verarbeiten. Das gelte auch für die „Kontrollmechanismen, die den Prozess der Kapitalplanung unterstützen“. Schwächen macht die Notenbank außerdem bei den „Annäherungen und Annahmen aus, die die Bank verwendet, um Erträge und Verluste unter Stress vorherzusagen“. Dazu kommen Defizite im Risikomanagement und bei der internen Revision.

Im Prinzip werfen die US-Aufseher den Frankfurtern vor, dass sie mit einem Formel-1-Motor an den Start gehen, das Bremssystem aber bestenfalls von einem VW Golf stammt. Angesichts der Tatsache, dass die Deutsche Bank noch immer zu den größten Handelsadressen der Welt zählt, ist das eine ausgesprochen ernste Diagnose. Immerhin hat das Geldhaus aber die erste Runde der Stresstests in der vergangenen Woche ohne Probleme bestanden. Damals ging es um quantitative Aspekte wie die Kapital- und Liquiditätsausstattung. In der zweiten Runde prüfte die Fed die Qualität von Prozessen, Systemen und Management.

Bleibt die Frage, welche Folgen das Durchfallen für die Bank haben wird: Die unmittelbaren Konsequenzen halten sich in Grenzen. Die US-Holding der Frankfurter darf vorerst kein Kapital zurück an die Zentrale überweisen, und die Bank muss bei den internen Prozessen nachbessern. Damit können die Frankfurter leben.

Kunden der Bank könnten sich Sorgen machen

Schwerwiegender als die direkten Folgen sind die Nebenwirkungen des Stresstests. Zwar betont die Bank, dass sie beim Umbau ihrer Systeme materielle Fortschritte gemacht habe. Aber die reichen offenbar noch nicht aus, um die Fed milder zu stimmen. Deshalb könnte der Stresstest den neuen Vorstandschef Christian Sewing über Umwege zwingen, das US-Geschäft noch stärker zusammenzustreichen als ohnehin geplant.

Aber auch das ist noch nicht das größte Problem der Frankfurter. Schlimmer ist, dass die ohnehin verunsicherten Kunden der Bank jetzt noch ein Thema mehr haben, über das sie sich Sorgen machen können. Die kontinuierliche Erosion der Erträge ist ohnehin das größte Risiko für die Deutsche Bank. Sewings dringlichste Mission ist es, diese chronische Auszehrung zu stoppen - und diese Aufgabe ist seit Donnerstagnacht noch ein gutes Stück schwieriger geworden.     

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  • Die späte Rache der Amerikaner:
    2006-2007 warnte Josef Ackermann vor den US Giftpapieren, den asset backed securities. Er hatte Mut.

    Heute liegt die Hoffnung bei Christian Sewing.
    Hoffentlich reduziert er stark das US Geschäft und die US-Boni für die hochspekulativen Investmentbänker. Es kann nicht angehen, dass die Aktionäre für enorme Strafzahlungen Kapitalerhöhungen leisten und bei Verlusten auch noch hohe Boni gezahlt werden!

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