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Kommentar Der Vorstoß als Tech-Anbieter der Allianz ist bemerkenswert – aber kein Selbstläufer

Die Allianz will mit dem Verkauf von Software neue Geschäftsfelder erschließen. Der Markt bietet Potenzial, doch die Vorbehalte sind nicht zu unterschätzen.
03.09.2020 - 16:40 Uhr Kommentieren
Die Allianz bietet ihr Software-Betriebssystem anderen Unternehmen an. Quelle: dpa
Allianz-Fahnen wehen im Wind

Die Allianz bietet ihr Software-Betriebssystem anderen Unternehmen an.

(Foto: dpa)

Frankfurt Oliver Bäte ist nicht dafür bekannt, ein Zauderer zu sein. Im vergangenen November knüpfte der Vorstandschef von Europas größtem Versicherer Allianz eine Partnerschaft mit dem US-Konzern Microsoft für die IT-Tochter Syncier – und trotz Coronakrise stehen die Münchener davor, nun den nächsten Schritt zu gehen. Bis Ende des Jahres peilt der Dax-Konzern an, weitere Partner für Syncier an Bord zu holen. Im Gegenzug will sich der Versicherer möglichst von der Mehrheit an der Tochter trennen.

Es ist ein Schritt, der gleich auf mehrere Weise bemerkenswert ist. Denn zum einen stößt die Allianz mit diesem Plan in ein völlig neues Geschäftsfeld vor. Geht es nach Bäte, wird die Allianz künftig zum Softwareanbieter – und das mit weltweitem Anspruch.

Im Schulterschluss mit Microsoft und anderen Partnern soll die IT-Tochter künftig wesentliche Teile der teuer entwickelten Software „Allianz Betriebssystem“ (ABS) an andere Versicherer und Insurtechs verkaufen und sie zu einem digitalen Marktplatz für Softwareanwendungen der Branchen machen.

Zum anderen zeigt er, wie groß der Veränderungsdruck unter den Versicherern ist. Schon gleich nach seinem Amtsantritt im Jahr 2015 hat Bäte die Digitalisierung der Versicherung zum Kern seiner Strategie erklärt.

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    Die Allianz will ihre Produkte digitaler und einfacher machen und neue, moderne innere Strukturen dafür aufbauen. Doch gerade in der IT hapert es bei vielen Versicherern, und auch der Münchener Dax-Konzern hatte in der Vergangenheit schon mit peinlichen Aussetzern der Systeme zu kämpfen.

    So wirft der Syncier-Plan auch ein Schlaglicht darauf, dass die Branche zwar in neue Welten vordringt, aber weiter mit alten Problemen kämpft. Viele Versicherer geben sich nach außen modern, doch hinter der Fassade sieht es anders aus. Da behindern alte Computer, schlecht vernetzte Systeme und eine zusammengestrickte Software nicht selten die Modernisierung des Geschäfts.

    Mit einer funktionierenden IT begeistert man zwar keine Kunden. Mit einer schlechten kann man sie aber leicht vergraulen. Die Idee, in diesen Markt einzusteigen und die notwendigen Kosten auf viele Schultern zu verteilen, hat deshalb Charme.

    Rivalen dürften zögern

    Dennoch dürfte der Schritt ins Feld der Technologieanbieter kein Selbstläufer sein. Denn gerade die Coronakrise hat bewiesen, wie wichtig die IT für den Erfolg der Digitalisierung ist. Selbst wenn die Allianz also ihre Mehrheit an Syncier abgibt, dürften viele Rivalen weiter zögern, sich in diesem Kernbereich auf eine Branchenlösung einzulassen.

    Zumal viele Konkurrenten in den vergangenen Jahren bereits selbst mehrere Milliarden Euro in neue Systeme investiert haben. Einige dürften bei einer neuerlichen Totalumstellung der Software immense Risiken fürchten. Ökonomisch wäre eine cloudbasierte branchenweite Softwarelösung zwar sicher sinnvoll.

    Doch niemand sollte die Vorbehalte unterschätzen. Schon in der Autoindustrie scheiterte vor Jahren der israelische Unternehmer und Ex-SAP-Manager Shai Agassi mit dem Vorzeigeprojekt, ein flächendeckendes Netz von austauschbaren Batterien für E-Autos zu etablieren. Die Hersteller dachten gar nicht daran, sich bei der Batterie auf einheitliche Lösungen zu einigen und dem Start-up einen Teil ihres künftigen Kerngeschäfts zu überlassen.

    Vor Bäte und den Microsoft-Managern liegt also noch einiges an Überzeugungsarbeit.

    Mehr: Vorstoß als Tech-Anbieter: Die Allianz forciert den Verkauf ihrer Software-Tochter

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