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Kommentar Der VW-Chef setzt alles auf eine Karte – ohne Rücksicht auf die Zulieferer

Herbert Diess bringt die Zulieferer mit dem Kurswechsel zur E-Mobilität gegen sich auf. Der VW-Chef muss aufpassen, dass er seine Akzeptanz nicht verliert.
5 Kommentare
VW: Herbert Diess nimmt keine Rücksicht auf die Zulieferer Quelle: ullstein bild - Sven Simon
Herbert Diess

Der Volkswagen-CEO will den Wechsel zur Elektromobilität.

(Foto: ullstein bild - Sven Simon)

Es ist schon verwunderlich. Ausgerechnet Volkswagen-Chef Herbert Diess propagiert den radikalen Wechsel zur Elektromobilität. Ausgerechnet der Konzern, der mit den Dieselbetrügereien die gesamte Branche in Verruf gebracht und das Ansehen der deutschen Industrie beschädigt hat, schwingt sich jetzt zum ökologischen Vorreiter auf.

Der Versuch eines Befreiungsschlages mag vielleicht in sich für den Volkswagen-Konzern logisch sein. Auch mag man Verständnis dafür haben, dass ein Manager in einer kurzen Amtszeit möglichst viel erreichen will. Es spricht auch durchaus von Mut, alles auf eine Karte zu setzen. Aber sind Vorgehen und Stil klug?

Eines schafft Diess damit sicher nicht: die Zulieferindustrie bei seinen Plänen mitzunehmen. Akzeptanz bei deren Protagonisten im Süden der Republik von einem Kaliber wie Bosch-Chef Volkmar Denner, ZF-Chef Wolf-Henning Scheider oder Mahle-Chef Jörg Stratmann kann man mit einsamen Vorstößen nicht erlangen.

Und eines sollte Diess nicht unterschätzen: Die Rolle der großen Zulieferer wird in der Elektromobilität eher größer als kleiner werden. Die Lieferanten werden sogar zu Motorenbauern.

Es gilt im Zusammenspiel zwar immer noch die alte Regel „Sie wünschen, wir spielen“, nach der die Zulieferer das bauen, was der Autohersteller bestellt. Aber Diess kümmert sich wenig darum, dass die Zulieferer Zeit für die Transformation zur Elektromobilität brauchen. Es geht nicht nur um das Klima oder Milliardeninvestitionen. Es geht auch um die Sozialverträglichkeit des Wandels.

Die Gewerkschaften sind jetzt schon nervös wegen der mehr als 100.000 Jobs, die in Deutschland in der Transformation zum Elektroauto wegfallen werden. Da braucht es nicht noch Öl ins Feuer.

Solange der Strom nicht aus nachhaltigen Quellen kommt, gibt es den Vorteil der Elektroautos nur auf dem Papier. Jeder Chef in der Autoindustrie weiß aber, was die Stunde geschlagen hat. Da brauchen Topmanager keine Nachhilfe vom Vorstandschef aus Wolfsburg. Schon gar nicht, wenn sie auf Nachhaltigkeit angelegte Stiftungsunternehmen führen.

Positiv ist allenfalls, dass Diess eine Diskussion entfacht hat, an deren Ende so etwas wie ein konzertierte Autokommission analog zur Kohle steht – nur dass es dabei nicht um 20 000, sondern um mehr als 200 000 Arbeitsplätze geht.

Soll die Transformation gelingen, braucht es große gesellschaftspolitische Entscheidungen. Vielleicht ist das Treffen der Autobosse am Mittwoch ein erster Schritt, dass die Branche mit einer Stimme spricht. Wenn Diess aber weiter entzweit, werden Daimler-Chef Dieter Zetsche und BMW-Chef Harald Krüger das kaum dulden.

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5 Kommentare zu "Kommentar: Der VW-Chef setzt alles auf eine Karte – ohne Rücksicht auf die Zulieferer"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Kosten, die ein Autobesitzer über die gesamte Lebensdauer seines Kfz tragen muss, werden für viele Käufer letzlich der entscheidende Faktor sein. Bei allen Familien mit Eigenheim und Zweitwagen ist ein Elektroauto nciht nur denkbar, sondern auch schon heute eine sinnvolle Alternative, sofern das Auto nicht auf ein öffentliche Ladestation angewiesen ist. sondern in der heimischen Garage über Nacht aufgeladen werden kann. Das dürften schon einige Millionen Autos sein, die keinen Verbrennungsmotor mehr benötigen.

  • Völlig belanglos ist, welche persönlichen Vorlieben und Überzeugungen die wenigen Kommentatoren des Handelsblatt-Artikels haben.

    Kriegsentscheidend ist allein, zu welchen Kaufentscheidungen sich Millionen Autofahrer durchringen werden. Weiß das jemand? Weiß das vielleicht Herr Diess? Wissen das vielleicht die ach so klugen Kommentatoren?

    Alle die es nicht wissen, sollten ihre Klappe halten.

  • @Andre Peter
    Ein Elektroauto hat 25% weniger Teile als ein Auto mit Verbrennungsmotor. Ein Hybridauto hat hingegen noch mehr Teile. Aus Kundensicht rechnet sich das niemals - weil mehr kaputtgehen kann und gewartet werden muss. Es ist ja gerade der Charme des Elektroautos, ohne kaputten Auspuff, ohne Ölwechsel, ohne Zahnriemen, ohne Getriebeschaden usw. auszukommen. Neben der hohen Effizienz des Elektromotors. Auch E-Autos können mit niedrigen Ladeströmen geladen werden, und gerade Photovoltaikanlagenbesitzer profitieren von einem größeren Akku (weil sie an einem sonnigen Tag das Auto für mehrere Tage vollbekommen) Die Batteriepreise sinken schneller als erwartet. Auf Hybride zu setzen - ist wie Nokia auf Smartphones mit Tastatur gesetzt hat - der Rest ist Geschichte.

  • @Herr Manuel Kiefner:
    Persönlich halte ich sowohl Dieselfahrzeuge für Geschäftsfahrten mit etlichen hundert Kilometer und Hybrid-Fahrzeuge mit einer elektrischen Reichweite von ca. 70 km für ideal:
    Umwelt + Energie:
    Bei einer Reichweite von 600 km werden sehr viel Rohstoffe und Energie für die Batterie -Produktion verschwendet. Die Hybrid-Batterie benötigt nur ein Zehntel.
    Laden:
    Hybrid-Autos belasten die Ladeinfrastruktur deutlich weniger als e-Autos, da nur ca 12 kWh anstelle von 108kWh geladen werden müssen (bei 18 kWh pro 100 km). Hybride können somit mit einer Photovoltaikanlage gespeist werden (12 kWh statt 108)
    Preis:
    Plug-In-Hybride sind wegen der günstigeren Batterien auch für den Verbraucher eher erschwinglich als reine e-Autos.
    Scenarios:
    Der Geschäftsreisende: E-Autos? "keine Zeit zum Laden, mag schnell fahren, habe Termine". Diesel? "gerne, kenne ich, klappt schon immer"
    Der Pendler: "70 km zur Arbeit+Einkaufen elektrisch, wenn ich in den Urlaub fahre - dann auch mal tanken" oder "meine Photovoltaikanlage freut sich, ich spare"

    Mein nächstes Auto wird ein Plug-In-Hybrid sein! Nur mit dieser Entscheidung sehe ich mein ökologisches, sparsames Naturell befriedigt.

    Im Übrigen: Ich halte die strategische Entscheidung VWs für eAutos genauso fatal wie die Übernahme Monsantos durch Bayer!

  • Der Vorteil des E-Autos ist doch nicht nur der mögliche Klimaschutz. Es wird sich durchsetzen weil es nur 15-20 kWh je 100 km braucht gegenüber 60 - 120 kWh der aktuellen Verbrenner. In Deutschland kostet die kWh Strom rund doppelt soviel wie die kWh Benzin. In vielen Ländern der Welt ist der Strom aber günstiger als das Benzin. Dazu kommen dann noch so Vorteile, wie keinen kaputten Auspuff, kein Ölwechsel, kein Getriebeschaden usw.

    googelt mal diesen Artikel von 2007 Nokia-Reaktion auf Apples iPhone "Wir haben ein Jahr Vorsprung" Besonders interessant übrigens der zweite Kommentar...

    Aber klar, bei Nokia war man auch überzeugt Touchscreen geht nicht wegen den Fingerabdrücken. Der Proof of Concept ist erfolgt (damals Apple heute Tesla) und jetzt kann man es entweder wie damals Nokia, Blackberry oder Motorola machen (Herr Scheider scheint auf diesem Weg zu sein) oder aber wie Samsung, Xiaomi, Huawei. (das ist der Diess Weg)