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Volkswagen

Der Konzern hat Vorserienverkäufe nicht ordentlich dokumentiert und verliert damit erneut an Glaubwürdigkeit.

(Foto: Bloomberg)

Kommentar Der Zweck heiligt die Mittel – VWs Skandale zeigen beängstigende Parallelen

7.000 verkaufte Vorserienfahrzeuge wirken im Vergleich zu „Dieselgate“ wie nichts. Doch sie entblößen erschreckende Mechanismen im Volkswagen-Konzern.
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Auf den ersten Blick gibt es einen gewaltigen Unterschied: Rund elf Millionen Dieselautos waren von den Manipulationen betroffen, die der Volkswagen-Konzern im Herbst 2015 zugeben musste. Knapp 7.000 sogenannte Vorserienfahrzeuge, deren technische Standards Volkswagen nicht beurteilen kann, trotzdem aber verkauft wurden, sind im Vergleich dazu ein Hauch von nichts.

Doch trotzdem gibt es beängstigende Gemeinsamkeiten. Beim Dieselskandal haben die Motorenentwickler von Volkswagen weder nach links noch nach rechts geschaut. Ihnen ging es nur darum, irgendwie die strengen Abgaswerte in den USA zu erfüllen.

Deshalb ersannen sie die Idee, dass die Autos nur beim Zulassungstest auf den Prüfständen gesetzeskonform sein sollten. Dass die Fahrzeuge die Stickoxidwerte später im Realbetrieb um das 40-Fache überschreiten würden – egal. Hauptsache, die Verkaufszahlen stimmen.

Es ist diese verantwortungslose „Jeder Zweck heiligt die Mittel“-Mentalität, die den Abgasskandal in Wolfsburg überhaupt erst möglich gemacht hat. Gesetze und Abgasvorschriften dürfen nach Belieben gebrochen werden, Ethik und Moral spielen sowieso keine Rolle.

Die Parallele zu den über ein Jahrzehnt hinweg vertriebenen Vorserienautos ist offensichtlich. Volkswagen hat seine Testwagen an gewöhnliche Kunden verkauft – ohne selbst zu wissen, was diese Vorserienfahrzeuge von regulären Serienmodellen unterscheidet. VW hat seine Kunden ahnungslos gehalten – in dem Glauben, dass sie auf jeden Fall technisch einwandfreie Fahrzeuge erworben haben.

Volkswagen hat die Vorserienverkäufe nicht ordentlich dokumentiert. Deshalb kann heute niemand sagen, ob es vielleicht irgendwo ein gravierendes Sicherheitsproblem gibt.

Das, was bereits beim Dieselskandal zu beobachten war, hat sich nun auch im Fall der nicht dokumentierten Vorserienfahrzeuge fortgesetzt: völlige Verantwortungslosigkeit. Der Zweck heiligt die Mittel. In welchem Zustand die Autos bei den Kunden ankommen – egal. Hauptsache, es werden wieder ein paar mehr Fahrzeuge zu Geld gemacht.

Der Wolfsburger Autohersteller hat wieder einmal gegen klare Vorgaben verstoßen. Doch Regelverletzung ist Regelverletzung, die Größe spielt dabei überhaupt keine Rolle. Wer schon bei kleinen Dingen kein Unrechtsbewusstsein besitzt, der lässt sich wahrscheinlich auch bei größeren Themen zu Regelverstößen verleiten.

Volkswagen verliert ein weiteres Mal an Glaubwürdigkeit. Was ist vielleicht noch alles im Unternehmen passiert, von dem die Öffentlichkeit jetzt noch nichts weiß? Ein Kulturwandel, vielfach in Wolfsburg versprochen, sieht jedenfalls anders aus.

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