Kommentar Der zweite Anlauf der Zypern-Rettung sitzt

Klüger und gerechter: So lässt sich der neue europäische Anlauf für die Rettung Zyperns überschreiben. Denn die Euro-Retter haben aus ihren Fehlern gelernt und am Ende doch noch vieles richtig gemacht. Ein Kommentar.
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Merkel: "Wir wollen nicht, dass Steuerzahler Banken retten"

Warum nicht gleich so? Die Frage drängt sich auf nach der zweiten langen Verhandlungsnacht der Brüsseler Zypern-Retter. Dieses Mal lief alles anders. Und es lief alles besser. Der Euro-Zone gelang es, drei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

Erstens: Zypern bleibt Mitglied der Währungsunion. Das ist für alle 17 Euro-Zonenmitglieder gut, denn sie haben der Welt erneut gezeigt, dass sie sich auch unter großem Stress nicht auseinander bringen lassen.

Zweitens: Kleinsparer werden nicht belastet. Die Euro-Zone stellte so klar, dass die EU-Einlagensicherung für Konten bis 100.000 Euro kein leeres Versprechen ist.

Drittens: Erstmals wagt es die Europäische Währungsunion, eine Pleite-Bank zu schließen und vermögende Anleger und Gläubiger zur Kasse zu bitten. Endlich einmal müssen die europäischen Steuerzahler nicht die ganze Zeche zahlen für unglaubliche, ja kriminelle Versäumnisse von Banken und Bankenaufsehern.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Die Autorin

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.

Man könnte sagen, dass die Europäische Währungsunion im nunmehr jahrelangen Kampf gegen die akute Schuldenkrise an Erfahrung gewonnen hat und klüger vorgeht als bei den ersten Rettungsaktionen. Vor allem ein Anfängerfehler kommt die betroffenen Staaten teuer zu stehen: In Irland und in Spanien hat der Staat alle Kosten für die Sanierung der Banken übernommen. Gläubiger und Einleger blieben vollkommen ungeschoren. Dieses Vorgehen ließ die Staatsverschuldung dramatisch explodieren. Wie die beiden Länder diese Schulden jemals zurückbezahlen sollen, ist vollkommen unklar. Die Währungsunion wird sich dafür noch eine Lösung einfallen lassen müssen.

Zypern kommt insofern jetzt besser weg: Die Staatsverschuldung des kleinen Inselstaates schießt zwar auch empor, gerät aber wenigstens nicht völlig außer Kontrolle. Das ändert allerdings nichts daran, dass der Mittelmeer-Insel nun viele sehr magere Jahre bevorstehen. Die Zeiten, in den Russen, Briten und Griechen das Land mit Milliarden fluteten, dürften jetzt endgültig vorbei sein.

Mit den angekündigten Kapitalverkehrskontrollen wird Zypern anfangs zwar noch verhindern können, dass die reichen Ausländer Vermögen abziehen. Doch auf Dauer ausschließen können sie das nicht. Reiche Privatpersonen und große institutionelle Anleger verlieren in Zypern jetzt viel Geld. Das erhöht logischerweise nicht gerade die Attraktivität des Finanzplatzes. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat daher recht, wenn er ein neues Geschäftsmodell für Zypern fordert.

Mit der Suche danach sollte die Währungsunion Zypern allerdings nicht allein lassen. Denn für Zypern gilt dasselbe wie für alle Krisenstaaten in der Euro-Zone: Nur wenn die Wirtschaft wieder auf die Beine kommt, kann die Regierung die von der Währungsunion gewährten Kredite zurückbezahlen. Daran aber müssen ja alle 17 Euro-Staaten ein Interesse haben.

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52 Kommentare zu "Kommentar : Der zweite Anlauf der Zypern-Rettung sitzt"

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  • Der Schäuble-Kritiker Bosbach wird Recht behalten wenn er im Gegensatz zu seinem Chef sagte, es wäre besser gewesen die Zyprioten in eine eigene Währung zu entlassen.
    Das zypriotische Geschäftsmodell ist tot und diese Insel wird nicht in der Lage sein im Euro-verbund wieder auf die Beine zu kommen.
    Der Wahn der Euro-Religiösen steigt seinem Höhepnkt entgegen, ähnlich wie der der Münsteraner Wiedertäufer kurz vor ihrem Ende.
    Schäuble ist der neue Bockelson.
    Wer die Münsteraner Wiedertäufbewegung und ihren religiösen Wahn studiert hat, weiß wer Bockelson war.
    Die Geschichte des Euro ist die Geschichte eines Massenwahns.

  • Die Propaganda-Maschine von der Bundesregierung bzw. Merkel ist schon angelaufen.
    Werbeheft "Europa macht uns stark - wir machen uns für Europa stark".
    Diese Hefte werden inzwischen verteilt (z.B. Einleger bei Zeitschriften)
    Schon gelesen? Zum Schreien!

  • "In Irland und in Spanien hat der Staat alle Kosten für die Sanierung der Banken übernommen. Gläubiger und Einleger blieben vollkommen ungeschoren. Dieses Vorgehen ließ die Staatsverschuldung dramatisch explodieren."

    Ich habe immer wieder den Eindruck, dass den meisten Politikern in einer komplexen Situation der finanzielle Scharfsinn fehlt, mit dem all jene vertraut sind, die täglich in der Real- oder Virtualwirtschaft operieren. So soll Zypern 2008 samt Steuerparadies in die Zone aufgenommen worden sein, weil Griechenland gedroht hätte, sonst die Aufnahme osteurop. Staaten in die EU zu verweigern. Der Erweiterungskommissar darf jetzt seinen Mist als Finanzkommissar korrigieren.
    Es muss immer wieder betont werden, dass in erster Linie gewählte Regierungen für das Gemeinwohl verantwortlich sind, u.a. für all jene, die sich teilweise oder ganz sich nicht selbst helfen können -
    Kinder, Pflegebedürftige, Kranke, Behinderte, auch digital-demente, konfuse Finanzfachleute (die aber zuletzt).Wer diesem Staat Schulden aufbürdet, die andere verursacht haben, schadet dem Gemeinwesen. (Übrigens gilt trotzdem, wirtschaftliche Aktivitäten fangen in der Regel mit der Aufnahme eines Kredits an - und ganz Süd u. Südosteuropa wird im Moment ausgetrocknet). Schon vor dem ersten Gipfelsturm für Griechenland vor drei Jahren hat Harvard's Ken Rogoff einen haircut, also einen Schuldenschnitt zusammen mit einem temporärem Austritt aus dem Euro empfohlen.
    Der Maastrichtvertrag hat sich als fragile Basis für Europa erwiesen. Alles dauert ewig, inzwischen sitzen ganz Klein und ganz Groß mit gleichem Stimmrecht am selben Tisch(EZB) - in der Eurozone ohne Exit-Regeln und ohne Mut. Die Situation in Italien, Griechenland, Spanien und Frankreich wird bald wieder "anbrennen" und das Ganze von vorne losgehen. Was man bei Zypern, das für 0.2% des europ outputs verantwortlich ist, noch schafft, kriegt man bei obigen Ländern wohl nicht hin. Aber man übt wenigstens.

  • Zitat:...denn sie haben der Welt erneut gezeigt, dass sie sich auch unter großem Stress nicht auseinander bringen lassen.

    - ABER DURCH RECHTSBRUCH DER EUROPÄISCHER VERTRAGE: die 10 Milliarden kommen aus dem ESM-Rettungsschirm der gegen die Maastrichtregeln verstößt !

    Zitat: Die Euro-Zone stellte so klar, dass die EU-Einlagensicherung für Konten bis 100.000 Euro kein leeres Versprechen ist.

    - Die Eurozone stellt klar, das die Eurokraten jederzeit RECHTSWIDRIG und unabgesprochen mit Regierungen und ohne Parlamentszustimmung Konten ganzer Länder sperren können. JEDERZEIT ! 100 000 Euro Garantie ist kein RECHTSANSPRUCH lediglich eine Absichtserklärung.

    Zitat: Mit den angekündigten Kapitalverkehrskontrollen wird Zypern anfangs zwar noch verhindern können, dass die reichen Ausländer Vermögen abziehen.

    - Kapitalverkehrskontrollen sind RECHTSWIDRIG gegenüber den Maastrichtvereinbarungen. Politiker halten sich nur an die Spielregeln, wenn es ihnen in den Kram paßt ! Bürger zukünftig auch !

    Zitat: Endlich einmal müssen die europäischen Steuerzahler nicht die ganze Zeche zahlen für unglaubliche, ja kriminelle Versäumnisse von Banken und Bankenaufsehern.

    - Und die kriminellen Bankaufseher kommen mal wieder einfach so davon. Warum zahlt die BANK selber nicht für die angerichteten Schäden ? Die BANK MUSS PLEITE gehen, wenn sie sich verzockt hat, so einfach ist das.

    Liebe Frau BERSCHENS sie glauben garnicht wie laut ich über ihren "Systemkonformen" Beschwichtigungsartikel gelacht habe. Glauben Sie das was Sie schreiben glaub jemand ?

  • I do not now what information they hand out to the public in europes pampa, but ...

    http://farm4.staticflickr.com/3214/2802576142_145f926579_z.jpg

    http://central.banktunnel.eu/20130325-local-newsstand.jpg

  • Jeder in jedem Land der über seine Verhältnisse lebt bekommt die Quittung. Jeder Bürger, jede Kommune und auch jeder Staat. Niemand ist zu den Unterschriften unter solche Verträgen mit Traumrenditen gezwungen. Dummheit und Unkenntnis schützt vor Strafe nicht. Auch für das Knöllchen für ein Schild was ich nicht gesehen habe oder nicht kannte werde ich zur Rechenschaft gezogen.

  • Nein, nicht klüger und gerechter, sondern der Super-GAU! Damit ist jetzt klar, dass jeder Sparer, der 100'001 Euro auf einem Bankkonto besitzt, grundsätzlich wie ein Krimineller behandelt werden darf. Gerettet werden - so nebenbei - natürlich nicht die Menschen auf Zypern, sondern die Banken, die sich auf Zypern verspekuliert haben. Die Investoren werden jetzt aus dem Euro-Raum flüchten. Nicht nur die russischen Oligarchen, sondern auch die seriösen. Und die grossen Gewinner sind - einmal mehr - die mit Staatgeldern geretteten und subventionierten Banken. Super Leistung, echt, bravo! Die flächendeckende Verarmung und Überwachung der Massen schreitet fort. Italien Spanien, Portugal und Grossbritannien werden folgen. Und natürlich wurde wieder geltendes Recht gebrochen. Das wird zu Revolutionen und Volksaufständen führen.


  • Umgang mit Underperformern (Führungskräftetraining)


    Underperformer, Low Performer, Schlechtleister: Viele Bezeichnungen für Mitarbeiter, denen es an Leistungsvermögen oder Leistungsbereitschaft mangelt.

    Ihnen ist gemein: Sie hemmen nicht nur den Erfolg einer gesamten Abteilung oder eines Teams, sondern auch das berufliche Weiterkommen des jeweiligen Vorgesetzten.

    http://wiog.de/underperformer-fuehrungskraeftetraining/

  • Nachvollziehbar aber naiv! Denn sie haben lediglich die Wahl, die Mafia zu wechseln, entkommen können sie ihr nicht.
    Letztlich sind wir es selber Schuld, wir wollten und wollen nicht wahrhaben, dass die Sicherheit unserer Arbeitsplätze und unsere teuren Produkte letztlich mit faulen Absatzkrediten finanziert wurde, die unsere Politiker der letzten 50 Jahre in der Welt verteilt haben.
    Der letzte große Schub unter Schröder war da eben einmal zuviel, vor allem weil er mit einer gleichzeitigen Aushöhlung der Bonitätsregeln einherging.

    H.

  • Wenn sie die Verschuldungssituation beschreiben, so kann ich Ihnen nur zustimmen. Ihre Ansicht, das nur eine stärkere Vermögensbesteuerung dies ändern könnte ist allerdings vollständig falsch.
    Letztlich sind die Reichen nicht Reicher geworden (inflationsbereinigt). Das Problem sind doch die mangelnde Rückstellungen des Staates für zukünftige Pensions- und Rentenverpflichtungen. Auf gut deutsch, der Staat hat die Vermögen der zukünftigen Pensionäre und Rentner veruntreut und verkonsumiert.
    Letztlich ist es also der hohe Staatsanteil, der auf Kosten der einzahlenden Bevölkerung für die soziale Spaltung sorgt.
    Eine sinnvolle Besteuerung der Reichen beinhalte auch für mich höhere Steuersätze, allerdings nur auf der Einkommensseite.
    Die Milchmädchenrechnung mit den Vermögen, bei denen die Hälfte den Reichen gehört verkennt völlig, das dreiviertel dieser Werte Bewertungen aufgrund von Ertragserwartungen sind (Immobilien und Firmen). Sinken die Ertragserwartungen sinken auch die Vermögen und zwar drastisch und schnell. Eine Abschöpfung dieser Werte hieße also nur die Kuh zu schlachten. Die ungleiche Vermögensverteilung stellt also nur die Tatsache sinkende Bonität der breiten Massen dar und damit auch der realen Produktivität unserer Volkswirtschaft.
    Je weniger rentables Vermögen übrig bleibt, desto reicher (auf dem Papier) werden diejenigen die darüber verfügen. Eben weil diese Güter knapper werden, bei gleichzeitiger Geldschwemme.

    Sie sehen, die Neiddebatte ist vollkommener egoistischer Schwachsinn und wird am Ende das Problem verschärfen und unlösbar machen.

    H.

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