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Kommentar Deutsche-Bank-Chef Sewing geht eine riskante Wette ein

Christian Sewing baut das angeschlagene Geldhaus radikal um – was auch dringend notwendig ist. Doch der Erfolg ist nicht garantiert.
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Deutsche Bank: Christian Sewing geht eine riskante Wette ein Quelle: Bloomberg
Christian Sewing

Der Deutsche-Bank-Chef muss jetzt einige Versprechen einlösen.

(Foto: Bloomberg)

Es ist noch zu früh, um die Leistung von Christian Sewing als Vorstandschef der Deutschen Bank zu bewerten. Für den Augenblick kann man zumindest festhalten, dass Sewing ein Bankchef ist, der Wort hält. Der Ankündigung „harter Einschnitte“ auf der Hauptversammlung im Mai hat er Taten folgen lassen. Mit einem radikalen Umbauprogramm versucht Sewing, dem angeschlagenen Geldhaus Zukunftsfähigkeit einzuhauchen.

Noch ist völlig unklar, ob sein Plan aufgeht und er die Deutsche Bank von der schleichenden Bedeutungslosigkeit zu neuem Stolz führen kann. Doch es spricht für den Mut und die Autorität Sewings, diese Radikalreform gegen die Besitzstandswahrer durchgesetzt zu haben. Dieser Schritt verdient Anerkennung.

Sewing ist es gelungen, das vielleicht größte Problem der Deutschen Bank anzupacken: die konsequente Realitätsverweigerung. Während andere Banken im Lichte der schärferen Regulierung ihr Geschäftsmodell bereits vor Jahren nach und nach angepasst haben, hielten die Vorstandschefs und Aufsichtsräte der Deutschen Bank unbeirrt an der alten Strategie fest.

Die Hoffnung, man könne im globalen Investmentbanking nicht nur mithalten, sondern vom Rückzug der Konkurrenz in diesem Bereich sogar profitieren, hat sich als fataler Irrtum erwiesen. Für diese Fehleinschätzung tragen vor allem die beiden Aufsichtsratschefs Clemens Börsig und Paul Achleitner Verantwortung.

Der eine hat den damaligen Bundesbankpräsidenten Axel Weber als Deutsche-Bank-Chef verhindert und den Investmentbanker Anshu Jain an die Spitze der Bank gesetzt, der andere viel zu lange mit dem falschen Personal am falschen Kurs der Bank festgehalten. Durch diese Fehlentscheidungen hat das Frankfurter Geldhaus wertvolle Jahre und den Anschluss an die europäische und internationale Konkurrenz verloren. Der Fall Deutsche Bank zeigt, dass weder Nostalgie noch Hybris ein Geschäftsmodell sind.

Es ist vor diesem Hintergrund richtig und überfällig, dass Christian Sewing das Geschäftsmodell der Deutschen Bank an die neuen Realitäten anpasst. Die Schrumpfung der Investmentbank, die in der Vergangenheit ein gefährliches Eigenleben entwickelt hat und für milliardenschwere Rechtsprozesse verantwortlich war, ist konsequent.

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Künftig konzentriert sich die Investmentbank auf Geschäfte, die kein Selbstzweck sind, sondern ausschließlich den Bedürfnissen der Kunden dienen. Daneben sollen eine Unternehmerbank, die Geschäfte mit Privatkunden und die Vermögensverwaltung den künftigen Erfolg der Bank sichern.

Die Umbaupläne sind historisch. Vorstandschef Sewing will die Deutsche Bank an die DNA der Gründungszeit vor knapp 150 Jahren zurückführen, als sich das Finanzinstitut um Mittelständler, Familienunternehmer und globale Konzerne und die Betreuung vermögender Privatkunden kümmerte. Das Konzept kann funktionieren, es ist allerdings nicht leicht umzusetzen.

Wenige Taten folgten auf die hehren Worte

Durch die vielen Skandale und Rechtsbrüche hat die Deutsche Bank viel Vertrauen bei Unternehmenskunden verloren. Frustriert haben viele Firmen zudem registriert, dass Deutschlands größte Bank zwar immer wieder versprach, sich stärker um den Mittelstand zu kümmern, den hehren Worten aber wenig ernst zu nehmende Angebote folgten. Es wird viel Überzeugungsarbeit notwendig sein, diese enttäuschte Kundschaft zurückzugewinnen.

Ähnlich anspruchsvoll ist es, im Privatkundengeschäft die Profitabilität zu erhöhen. Die Voraussetzungen sind für die Deutsche Bank und die Postbank nicht schlecht, doch wegen der intensiven Konkurrenz mit Sparkassen und Volksbanken lässt sich im Privatkundengeschäft nur wenig Gewinn erzielen.

Ob die neue Strategie von den Aktionären nicht nur verstanden, sondern auch geschätzt wird, lässt sich erst absehen, wenn die Restrukturierung weiter vorangeschritten ist. Die ersten Reaktionen sind nur verhalten optimistisch ausgefallen.

Hinzu kommt, dass Sewing nicht nur die skeptischen Investoren von seinen Plänen überzeugen muss, sondern auch die eigenen Mitarbeiter. In einer Mitteilung verspricht der Deutsche-Bank-Chef der Belegschaft nicht weniger als „eine neue Kultur“. Dieses Versprechen gab es in der Vergangenheit immer wieder, es wurde nur nicht gelebt.

Viel zu lange hat die Bank an Managern festgehalten, für die Werte wie Integrität, Loyalität und Teamarbeit Fremdworte sind. Dass der viel gepriesene Kulturwandel nicht viel mehr als ein Lippenbekenntnis war, ließ sich jedes Jahr aufs Neue an den milliardenschweren Bonuszahlungen ablesen, die auch dann ausgeschüttet wurden, wenn die Geschäftsergebnisse weit hinter den Erwartungen zurückblieben. Es wird eine von Sewings zentralen Aufgaben sein, dem Werbeslogan der Deutschen Bank – „Positiver Beitrag“ – endlich Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Der Neustart, den sich Christian Sewing für die Deutsche Bank vorgenommen hat, ist eine riskante Wette. Und vielleicht die letzte Chance, die Überlebensfähigkeit der Bank zu sichern.

Mehr: Wie die internationale Presse die Umbaupläne der Deutschen Bank sieht, lesen Sie hier.

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