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Kommentar Deutsche Bank und Commerzbank würden zusammen keinen europäischen Champion bilden

Deutschlands Großbanken haben massive Probleme. Doch selbst eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank würde bestenfalls einen Teil davon lösen.
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In der Mainmetropole wird über einen Zusammenschluss mit der Commerzbank gemunkelt. Quelle: AP
Deutsche-Bank-Türme in Frankfurt

In der Mainmetropole wird über einen Zusammenschluss mit der Commerzbank gemunkelt.

(Foto: AP)

Christian Sewing steht erst seit ein paar Wochen an der Spitze der Deutschen Bank, aber die Zeit hat offenbar gereicht, um ein gewisses Frustrationspotenzial aufzubauen. Auch er habe die schlechten Nachrichten satt, ließ der neue Chef die Mitarbeiter des größten heimischen Geldhauses vor dem Wochenende wissen.

Verdenken kann man ihm das angesichts des Trommelfeuers in den letzten Tagen, Wochen und Monaten kaum: erodierende Erträge, zu hohe Kosten, harsche Kritik der US-Aufseher, schlechtere Bonitätsnoten, Zweifel an der Strategie – die Liste ließe sich fortsetzen. Die Folgen kann man an der Börse besichtigen: allein in diesem Jahr ein Minus von rund 40 Prozent und der Aktienkurs in gefährlicher Nähe zum Allzeittief.

Ein Blick auf das zweite große private Geldhaus in Deutschland fällt nicht ganz so deprimierend aus, hellt die Stimmung aber auch nicht wirklich auf: Nach dem Höhenflug 2017 hat die Commerzbank seit Anfang Januar rund ein Viertel ihres Börsenwerts verloren, und diese Verluste lassen sich nicht nur mit der Angst vor einer neuen Euro-Krise und der Ansteckung durch den großen Nachbarn Deutsche Bank erklären.

Auch bei der Commerzbank wachsen die Zweifel, ob die selbst gesetzten Ziele erreichbar sind und ob das Geschäftsmodell auf Dauer trägt. Man würde es Vorstandschef Martin Zielke verzeihen, wenn er in den Stoßseufzer seines Kollegen von der Deutschen Bank mit einstimmen würde.

Fakt ist: Auch zehn Jahre nach der Finanzkrise schaffen es die beiden Geldhäuser nicht, auskömmliche Renditen zu verdienen. Dafür ist neben hausgemachten Problemen auch der zersplitterte heimische Bankenmarkt verantwortlich, der im Privatkundengeschäft zu etwa 40 Prozent von den öffentlich-rechtlichen Sparkassen dominiert wird.

Aber die Strukturen sind eben so, wie sie sind, und sie werden sich so schnell nicht ändern. Was also lässt sich tun, um sicherzustellen, dass die Wirtschaftsgroßmacht Deutschland in Zukunft nicht ohne global handlungsfähige Geldhäuser dasteht?

Zwei deutsche Großbanken, ein Problem – sollte man dann nicht aus den beiden Banken auch gleich eine machen? Die Analysten rechnen schon eifrig durch, ob und wie das funktionieren könnte, und auch die Frankfurter Finanzszene munkelt bereits eifrig über solche Fusionsszenarien. Schließlich hatten die beiden Banken bereits 2016 in einem „Sommerflirt“ einen Zusammenschluss ausgelotet, kamen dann allerdings zu dem Schluss, dass sie erst einmal ihre eigenen Probleme lösen müssen.

Die sind inzwischen nicht kleiner geworden. Eine schnelle Fusion wäre deshalb eine Notoperation, die zwar im Idealfall helfen kann, eine tragfähige deutsche Großbank zu schaffen. Ein europäischer Champion würde daraus aber ganz bestimmt nicht entstehen – und das nicht nur, weil man aus zwei Lahmen keinen Sprinter machen kann.

Die Kräfteverhältnisse in der europäischen Bankenlandschaft sind längst eindeutig definiert. Selbst wenn man den Börsenwert von Deutscher Bank und Commerzbank aufaddiert, käme man noch nicht einmal auf die Hälfte der Marktkapitalisierung der französischen Großbank BNP Paribas.

Fusion wäre heikle Operation

Dennoch könnte eine Frankfurter Großfusion Sinn haben, zumindest auf dem Papier: Ein Zusammenschluss würde der neuen Deutschen Commerzbank deutlich mehr Gewicht auf dem schwierigen Heimatmarkt geben. Dazu kommen die Einsparpotenziale, die Analysten auf 20 bis 35 Prozent der gemeinsamen Kostenbasis beziffern. Im Prinzip könnte daraus eine Großbank entstehen, die tatsächlich ihre Kapitalkosten verdienen kann, das heißt: Renditen zwischen acht und zehn Prozent erwirtschaftet.

Die Praxis sieht allerdings anders aus. Fusionen sind höchst heikle Operationen, die längst nicht immer die erhofften Ziele erreichen. Und sie kosten erst einmal Geld, viel Geld. Eine Faustregel besagt, dass sich die einmaligen Umbaukosten auf rund 150 Prozent der erhofften jährlichen Einsparungen summieren. Das heißt, auf die Deutsche Commerzbank kämen erst einmal Milliardenbelastungen zu, die hässliche Spuren in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung hinterlassen würden.

Außerdem wäre für die Grundsanierung der neuen Bank wohl frisches Kapital nötig. Die Lust der Investoren auf eine weitere Aufstockung dürfte sich nach den bitteren Erfahrungen der vergangenen Jahre und den heftigen Kursverlusten allerdings in engen Grenzen halten.

Dazu kommt: Die neue Großbank wäre auf Jahre hinaus mit sich selbst beschäftigt. Während sich die gesündere europäische Konkurrenz munter auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereiten kann, das heißt vor allem auf die Digitalisierung, müssten die beiden Deutschen erst einmal mühsam das Lastenheft ihrer Eheschließung abarbeiten.

Vielleicht führt am Ende wirklich kein Weg an der Frankfurter Bankenehe vorbei. Aber es wäre (zumindest jetzt) eine aus der Not geborene Zwangsheirat – und somit keine gute Voraussetzung für ein langes und glückliches Zusammenleben.

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