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Kommentar Deutsche-Bank-Vorstand – Zeit für ein reinigendes Gewitter

Die Deutsche Bank hat ihre Aktionäre immer wieder vertröstet. Ein Denkzettel für die Führung des Instituts ist überfällig.
08.05.2019 - 18:08 Uhr 1 Kommentar
Paul Achleitner ist reif für einen Vertrauensentzug, meint unsere Autorin. Quelle: Bloomberg/Getty Images
Paul Achleitner

Paul Achleitner ist reif für einen Vertrauensentzug, meint unsere Autorin.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Frankfurt Hauptversammlungen der Deutschen Bank waren zuletzt selten angenehm für das Spitzenpersonal des Instituts. Und in diesem Jahr könnte das Aktionärstreffen ganz besonders ungemütlich werden: Der mächtige Aktionärsberater ISS hat Investoren empfohlen, auf der Hauptversammlung gegen die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat zu stimmen.

Da zuvor auch andere Aktionärsberater dazu geraten hatten, droht dem Vorstand und dem Aufsichtsrat der Bank ein veritabler Aktionärs-Denkzettel bei der Abstimmung über die Entlastung. Nun kann man sich die Frage stellen, was am Geschäftsjahr 2018 so schlimm gewesen ist – angesichts all der schlimmen Jahre, die die Deutsche Bank schon erlebt hat. Man sollte sich aber eher fragen, warum die Aktionäre angesichts der schleppenden Fortschritte überhaupt so lange vor einem Denkzettel zurückschreckten.

Die meisten der gefährlichen Rechtsrisiken mögen abgehakt sein, doch die Kontrollsysteme, die Skandale künftig verhindern sollen, sind längst noch nicht so gut, wie sie sein müssten. Die hartnäckig hohen Kosten sinken endlich, doch wo und wie die Bank künftig ausreichend Geld verdienen will, bleibt das Geheimnis ihrer Führung. Es ist zwar immer wieder zu hören, dass die Bank – überfällige – Einschnitte im Investmentbanking prüft, doch bislang scheut der Vorstand den Griff zum Skalpell.

Schlechtes Abstimmungsergebnis wäre richtig

Die Lage der Deutschen Bank ist nach wie vor prekär. Das zeigt der niedrige Aktienkurs, der Kapitalerhöhungen erschwert. Das zeigt das schlechte Bewertungsverhältnis an der Börse. Das zeigt die beispiellos hohe Quote von Verkaufsempfehlungen der Analysten. Die Probleme der Bank sind noch immer so groß, dass die Trippelschrittchen nach vorne nicht so stark ins Gewicht fallen, wie sich ihre Führungsriege das wünscht.

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    Ein schlechtes Abstimmungsergebnis würde die Führungsetage des Geldhauses deshalb verdientermaßen treffen. Lupenrein und rückschlagsfrei ist im Übrigen auch das vergangene Jahr nicht verlaufen: Die Bankenaufsicht Bafin schickte der Bank im Herbst einen Sonderaufpasser für Geldwäsche-Themen ins Haus. Das war nicht nur peinlich, weil es so etwas davor noch nie gab.

    Es war auch entlarvend, denn die Bafin schickte den Sonderaufpasser nicht, weil das Institut bei der Verbesserung seiner Kontrollsysteme so rasante Fortschritte gemacht hätte. So viel zur Verteidigungslinie der Bank, ISS mache Vorstand und Aufsichtsrat für Vorgänge verantwortlich, die nichts mit dem Jahr 2018 zu tun hätten.

    Natürlich trägt nicht jeder einzelne Vorstand und Aufsichtsrat in gleichem Maße Verantwortung für das unschöne Bild, das die Bank abgibt. Einzelne Vorstände haben sicher mehr Probleme gelöst als verursacht. Doch es ist auch nicht Schuld der Aktionäre, dass die Deutsche Bank nicht über Einzelpersonen abstimmen lässt, wie es sich viele Investoren wünschen. Es wäre im Sinne der Transparenz, wenn die Bank auf der Hauptversammlung Einzelabstimmungen zulassen würde.

    Überreif für einen Vertrauensentzug wäre in dem Fall Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Seit sieben Jahren führt er das Kontrollgremium, hat Vorstandschefs ausgewählt und wieder geschasst und kräftig bei der Strategie mitgemischt. Nach so langer Zeit sind die Misserfolge der Vorstandschefs auch seine Misserfolge.

    Die Zeit, einen Nachfolger für sich aufzubauen, hat er sich dagegen nicht genommen. Auch das ist eine Fehlleistung, zumal sich ISS nur deshalb gegen eine Abwahl von Achleitner stellt, weil es für ihn keine passende Alternative gibt. Im Vorstand wiederum tragen vor allem Investmentbankingchef Garth Ritchie und Regulierungsvorständin Sylvie Matherat die Verantwortung dafür, dass sich die Kontrollsysteme nur schleppend verbessert haben. Erst seit Organisationschef Frank Kuhnke die Geldwäschesysteme verbessert, kommt allmählich Zug in die Prozesse.

    Im Fall von Christian Sewing ist die Lage differenzierter. Er ist erst seit April 2018 Vorstandschef – im Vorstand ist er aber schon länger. Sewing ist damit zumindest mitverantwortlich dafür, dass sich seit dem Ende der unrühmlichen Ära von Anshu Jain zu wenig getan hat. Seit Sewings Aufstieg an die Spitze haben sich einige Dinge unbestreitbar verbessert.

    Doch wie instabil die Bank immer noch ist, zeigte der massive Vertrauensverlust und die geschäftlichen Rückschläge, die die Geldwäsche-Razzia im November auslöste. Das muss kein Grund für einen Vertrauensentzug sein, macht ein schlechtes Stimmenergebnis aber auch nicht zur Majestätsbeleidigung.

    Die Führungsleute der Bank haben zwei Optionen, mit den Misstrauensvoten der Stimmrechtsberater umzugehen: Sie können sich in die Schmollecke zurückziehen und ihre Verdienste gegen die Kritikpunkte der Aktionärsberater aufrechnen. Das wird jenseits des Deutsche-Bank-Bunkers niemanden überzeugen. Oder sie begreifen den harschen Report als Weckruf, dass sie die Bank mutiger und entschlossener umbauen müssen als bisher.

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Deutsche-Bank-Vorstand – Zeit für ein reinigendes Gewitter"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Stimmrechtsberater brauch kein Mensch, undurchsichtige, intransparente Organisationen, mehr als Plakative Sprüche sind da nicht zu erwarten, und zudem noch einer mehr der sich eine große Scheibe vom Dividendenkuchen abschneidet auf Kosten der Aktionäre.
      Wenn Fonds, etc. nicht in der Lage sind zu entscheiden wo sie das Geld Ihrer Kunden investieren sollen, sollten sie dicht machen. Solche Leute verbrennen nur das Geld der Kunden.
      Die Deutsche Bank ist mit Herrn Sewing unstrittig auf dem richtigen Weg, wenn jedoch Berge an Problemen wie sie Herr Ackermann und Co. hinterlassen haben weggeräumt werden müssen dauert das. Es ist wohl unstrittig, dass das Investmentbanking neu aufgestellt werden muss, vor allen Dingen an der Spitze ein Vorbild könnte dabei die UBS sein.

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