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Kommentar Deutsche Firmen und Bürger brauchen mehr Chinakompetenz

Der Wandel der Autoindustrie zeigt: Im globalen Wettbewerb müssen Firmen und Mitarbeiter mehr über die Volksrepublik wissen. Chinas Dominanz wächst.
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China ist nicht mehr nur der größte Absatzmarkt der Welt, sondern gibt in immer mehr Branchen den Ton an. Quelle: Reuters
Chinesische Flagge

China ist nicht mehr nur der größte Absatzmarkt der Welt, sondern gibt in immer mehr Branchen den Ton an.

(Foto: Reuters)

Die Manager in der deutschen Automobilindustrie haben es bereits begriffen, doch es gilt für ganz Deutschland: China ist nicht länger bloß der größte Absatzmarkt der Welt, sondern gibt in vielen Branchen mittlerweile den Ton an. In China werden in den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen die Impulse für neue Technologien gesetzt – beispielsweise für das Fahren der Zukunft.

Deshalb sucht der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen rund 1000 neue Ingenieure für China. Deshalb hat Bosch neben seinen 38 Fertigungsstandorten auch 27 Forschungszentren im Land. Deshalb will VW die Forschung und Entwicklung in China ausbauen. Denn in Deutschland, so gestehen die Konzerne ein, finden sie nicht die richtigen Technologiefirmen oder zu wenig von der nötigen Expertise.

Zum einen hat Deutschland zum Beispiel kein eigenes Google samt deren Tochter Waymo, einem Spezialisten fürs autonome Fahren. China schon: Dort heißen die Äquivalente Baidu und Apollo. Zum anderen kennen sich deutsche Ingenieure mit den chinesischen Systemen und Technologien nicht aus. Oft seien den deutschen Hochschulabsolventen schon Tencent und Alibaba kein Begriff, klagte ein Vorstandsmitglied.

Chinakompetenz wird immer wichtiger, wenn man Produkte für immer anspruchsvollere und wichtigere Kunden entwickelt. Früher büßten die deutschen Autobauer deswegen Marktanteile ein, weil sie erst später als ihre chinesischen Konkurrenten begriffen, dass Fahrzeuge reichlich Hintersitze brauchen – um am Wochenende auf Familienausflug samt Großeltern fahren zu können.

Heute müssen Autos, die immer mehr einem Smartphone gleichen, so konzipiert sein, dass sie den digitalen Nutzungsgewohnheiten entsprechen. Dabei bedeutet Chinakompetenz mehr als nur Sprach- und Geschichtskenntnisse. Wer erfolgreich in China sein will, muss wissen, welche Apps die Menschen dort nutzen, was die großen und kleinen Trends sind und wovon die Menschen träumen.

Früher gab es viele deutsche Expats in China, die hohe Gehälter verlangen konnten, weil sie Know-how besaßen und die Zentrale kannten – trotz fehlender Chinakompetenz. Inzwischen holen die lokalen Arbeitnehmer auf. Sie sind genauso gut ausgebildet, kennen aber zusätzlich auch das Land und seinen Markt, sprechen Chinesisch, Englisch, manchmal sogar Deutsch.

Dementsprechend verdienen chinesische Abteilungsleiter oft mehr als die Expats. Wenn Deutschland global wettbewerbsfähig bleiben möchte – und nicht nur innerhalb des westlich-englischsprachigen Raums –, dann müssen nicht nur die deutschen Firmen, sondern auch Menschen hierzulande mehr Chinakompetenz aufbauen.

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