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Kommentar Deutsche Firmen verlieren den Kampf um die besten IT-Köpfe

Der Mangel an IT-Experten wird zur größten Bremse bei der Digitalisierung. Sogar hohe Gehälter helfen wenig. Die Unternehmen müssen handeln.
Update: 01.01.2019 - 18:00 Uhr 1 Kommentar
Deutsche Firmen werben zu wenig um junge IT-Kräfte. Viele von ihnen finden ihre berufliche Zukunft im Ausland. Quelle: dpa
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Deutsche Firmen werben zu wenig um junge IT-Kräfte. Viele von ihnen finden ihre berufliche Zukunft im Ausland.

(Foto: dpa)

Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit – diese Kernbotschaft der Digitalisierung ist inzwischen auch in den meisten Unternehmen durchgedrungen.

So gab es im Jahr 2018 kaum eine Branche, die das Thema nicht ganz oben auf ihrer Agenda hatte: Industriekonzerne vernetzen zunehmend ihre Standorte und automatisieren die Produktion. Logistiker überwachen und optimieren die Warenflüsse digital in Echtzeit. Und auch die Finanzinstitute stecken mitten in der digitalen Revolution – ebenso wie Textilhersteller, Anwaltskanzleien und sogar Landwirtschaftsbetriebe.

Doch was da in den Vorstandsetagen für Aufbruchstimmung sorgt, bereitet Personalern zunehmend Kopfzerbrechen. Allein in diesem Jahr fehlten in Deutschland branchenübergreifend 82.000 IT-Kräfte, die den digitalen Wandel gestalten sollen – ein Zuwachs zum Vorjahr von fast 50 Prozent. Rund vier von fünf Unternehmen klagen laut der jüngsten Studie des Branchenverbands Bitkom über einen Mangel an geeignetem Personal.

Ohne Revolutionäre aber ist keine Revolution zu machen. Der Arbeitsmarkt wird mehr und mehr zum größten Wachstumsrisiko der deutschen Wirtschaft – gleich nach der Cybersicherheit, für die wiederum ebenfalls Arbeitskräfte aus der IT-Branche benötigt werden. Dabei kann der Nachwuchs den steigenden Bedarf längst nicht mehr decken: Von den jährlich rund 40.000 Studienanfängern in der Informatik bricht rund die Hälfte ihr Studium ab, oft schon im zweiten Semester.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Unternehmen in der Regel Softwareentwickler und Datenexperten, Virtual-Reality- und KI-Designer brauchen – also hochqualifizierte Experten, die sich ihre Dienste derzeit fürstlich entlohnen lassen können, dem Gesetz von Angebot und Nachfrage folgend. Sechsstellige Jahresgehälter auch für Angestellte ohne Führungsverantwortung sind da keine Seltenheit mehr – und taugen deshalb mittlerweile als Lockmittel nur noch bedingt.

Will die deutsche Wirtschaft im weltweiten Kampf um Talente gegen die großen Wettbewerber aus den USA und China nicht unterliegen, müssen neue Rezepte her. So zeigen zahlreiche Studien, dass vor allem ein spannendes Aufgabenfeld den Ausschlag gibt bei der Jobentscheidung eines typischen IT-Entwicklers.

Das müssen die Unternehmen bieten, ebenso wie Weiterentwicklungsperspektiven und ein gewisses Renommee. Mit diesen Pfunden können vor allem jene Konzerne wuchern, die sich international bereits einen Namen gemacht haben – anders als viele deutsche Mittelständler, die in ihrer Nische zwar häufig führend sind, aber keine globale Arbeitgebermarke aufgebaut haben.

Auch kleine Firmen müssen sich am Weltmarkt orientieren

In Zeiten des wachsenden IT-Fachkräftemangels wird es deshalb auch für kleinere Unternehmen in Deutschland immer wichtiger, nicht nur ihren Vertrieb, sondern auch das Personalmarketing an die Bedürfnisse anzupassen und auf den Weltmarkt auszurichten.

Denn ob die Software für ein Produkt oder einen Prozess in Düsseldorf, Tel Aviv oder in Peking entwickelt wird, spielt für den Geschäftserfolg zunächst einmal keine Rolle – wohl aber, ob ein Unternehmen die richtigen Leute hat und sie auch langfristig halten kann.

Dafür braucht es auch ein Gespür für die jeweiligen nationalen Befindlichkeiten: So wollen beispielsweise indische Arbeitskräfte häufig eine Krankenversicherung, die ihre gesamte Familie abdeckt. Wer das weiß, kann sie anbieten und damit werben. Denn nach den USA ist Indien das Land mit den meisten Entwicklern der Welt.

Doch noch immer suchen die allermeisten deutschen Unternehmen vor allem in der Heimat nach Mitarbeitern. Laut einer Studie des Internetportals Stack Overflow haben sich 2017 gerade einmal 24 Prozent der befragten Firmen außerhalb der EU nach Entwicklern umgesehen. Ein gutes Drittel beschränkte seine Suche sogar allein auf Deutschland.

Während es für die meisten Mittelständler heute normal ist, bei Einkauf und Vertrieb auch das Angebot im Ausland zu prüfen, gilt das noch lange nicht fürs Personal. Ein schweres Versäumnis.

So rechnet im Moment niemand damit, dass sich Nachfrage und Angebot auf dem deutschen Markt für IT-Spezialisten in naher Zukunft annähern werden. Und so sind jene Unternehmen im Vorteil, die sich in fremden Märkten bereits einen Namen als attraktiver Arbeitgeber erworben haben. So manches Start-up hat in seiner Not den Entwicklungsprozess für die eigene Software an Tochterfirmen in Rumänien ausgelagert. Auch für Industriekonzerne wäre das womöglich ein gangbarer Weg.

Alle anderen schieben die Digitalisierung ihrer Prozesse und Produkte vor sich her, bis geeignetes Personal nachgewachsen ist. Oder bis die Digitalisierung auch hier ihre Wirkung entfaltet. Unternehmen, die wegen mangelnden Personals untergehen, brauchen keine Stellenausschreibungen mehr.

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1 Kommentar zu "Kommentar: Deutsche Firmen verlieren den Kampf um die besten IT-Köpfe"

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  • "So manches Start-up hat in seiner Not den Entwicklungsprozess für die eigene Software an Tochterfirmen in Rumänien ausgelagert. Auch für Industriekonzerne wäre das womöglich ein gangbarer Weg."

    Problem gelöst, sonst macht es halt die Tochterfirma in Indien oder sonstwo.

    Der öffentliche Dienst zahlt TV-L 9 bis 11 für Informatiker, so groß kann die Nachfrage also nicht sein.

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