Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Deutsche Technologie ist besser, als wir oft denken – und uns einreden

Raketen, Impfstoffe, Radartechnologie: Deutschland ist gut für die Zukunft gerüstet, wenn es sich mit seinem Pessimismus nicht im Weg steht.
10.09.2020 - 03:50 Uhr Kommentieren
Quelle: Kostas Koufogiorgos
Karikatur
(Foto: Kostas Koufogiorgos)

Deutsche Firmen und Forscher präsentieren in diesen Tagen immer erstaunlichere und beeindruckendere Produkte. Nehmen wir das Beispiel Weltraumtechnik: Gleich mehrere Unternehmen stellen Raketen her – Isar Aerospace oder OHB etwa. Es sind spezielle Trägerraketen, mit denen man eine neue Generation kleiner Satelliten auf eine niedrige Umlaufbahn schießen kann, womöglich von einer Plattform in der Nordsee aus oder gar von Schiffen.

Klingt wie Science-Fiction? Es ist nicht die einzige Idee, die einem Perry-Rhodan-Heft zu entspringen scheint. So entwickeln die deutschen Firmen Biontech und Curevac nicht nur weltbeste Impfstoffe gegen Corona. Das Serum will Curevac mit einem neuartigen, mobilen Drucker überall rasch und preiswert herstellen – und dieser Drucker stammt natürlich von einem deutschen Maschinenbauunternehmen in der Eifel.

Radartechnologie, Laserkommunikation – die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Deutschlands Leistungen in Sachen Technologie sind hervorragend. Sie sind so gut, dass ein Superingenieur wie Elon Musk fast eine ganze Woche im Land verbringt, um sich alles anzusehen.

Das gilt es herauszuheben und zu feiern. Aber Deutschland ist nicht nur Spitze in Technologie, sondern auch im Pessimismus. Wir lesen in Zeitungen und Büchern, hören in Reden, Deutschland sei ein Schnarchland voller Funklöcher, der Ausverkauf habe begonnen, der Untergang stehe bevor – und es fehlten sogar die Breitbandanschlüsse.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Der Erfolg Deutschlands im 19. und 20. Jahrhundert habe darauf beruht, dass es bessere und qualitativ hochwertige Produkte und Verfahren entwickelt habe. Mit dem Beginn des Informationszeitalters aber entfalle immer mehr Wertschöpfung nicht auf das Produkt, sondern auf Daten, die entweder vom Produkt oder seinem Nutzer stammen. Und da sei Deutschland hoffnungslos unfähig.

    Die Kritik ist nicht unberechtigt. Aber sie ist stark geprägt vom beeindruckenden Erfolg von Apple, Google oder Facebook, den Digitalplattformen der Gegenwart. Da sieht Deutschland in der Tat wie ein Zwerg aus, ein verschlafener dazu. Alle globalen Datenplattformen stammen entweder aus den USA oder zum kleineren Teil aus China.

    Heißt das aber, dass Produkte weiter an Wert verlieren? Und dass Deutschland das Spiel nicht begriffen hat? Nicht unbedingt. Wir stehen erst am Anfang des Informationszeitalters. Nach dem Konsummarkt steht die Industrie vor einer tief greifenden digitalen Umwälzung. Maschinen werden nicht nur intelligenter, sondern werfen mehr Daten ab.

    Eine Software für die Batteriesteuerung eines Elektroautos ist eine völlig andere Sache als Software für die Platzierung von Werbung in einem sozialen Netzwerk. Deutschland kann hier seine Stärken ausspielen, das Silicon Valley hat keineswegs einen natürlichen Vorteil.

    Pessimismus lähmt

    Zukunft lässt sich nicht durch den Blick in den Rückspiegel gestalten. Von dem aber lassen sich viele Kritiker leiten. Die Corona-Pandemie zeigt in aller Deutlichkeit, wie wichtig Know-how und technologisch ausgefeilte Produkte sind und in Zukunft bleiben. Drängende Probleme wie Klimawandel, Urbanisierung oder Fehlernährung können nur mit Innovationen und Hightech-Erfindungen angegangen und überwunden werden.

    Deutschland ist mit seinem hohen Bildungsstand, seiner kostenfreien Hochschulausbildung und seinen Forschungsinstituten, um die uns die Welt beneidet, auf zahlreichen Zukunftsfeldern ganz vorn mit dabei. Dazu entwickelt sich eine Start-up-Szene, vor deren Einfallsreichtum und Tatkraft man nur den Hut ziehen kann.

    Was wir nicht mehr brauchen, ist Pessimismus. Deutsche kritisieren gerne, und das ist nicht immer schlecht. Doch zu viel davon lähmt den Forschergeist und die Abenteuerlust. Es schreckt Ingenieure, Studenten oder Professoren ab, ein Start-up oder eine Firma zu gründen und ihre Ideen und Ergebnisse in der Realität auszuprobieren. Die allzu kritische Gesellschaft bekommt die Konsequenz direkt zu spüren, in Form nicht gegründeter Firmen und nicht geschaffener Arbeitsplätze.

    Denen, die sich vom Pessimismus nicht unterkriegen lassen, droht im Falle eines Scheiterns Häme. Dass aber Scheitern ein entscheidender Punkt beim Gründen ist, dass man das Recht auf eine zweite Chance haben muss, ist eine Kultur, die wir unbedingt von Amerika lernen müssen.

    Viel Kritik an Deutschlands Technologie verallgemeinert oft kleine oder spezielle Missstände, verwechselt die Vergangenheit mit der Zukunft und überträgt die Probleme einzelner Branchen auf eine ganze Volkswirtschaft. Sicherlich gibt es vieles zu verbessern, aber eines sollte an erster Stelle jeder Reform stehen: Wir dürfen uns selbst nicht länger schlechtreden.

    Mehr: Raketen „made in Germany“: Deutschland strebt ins All.

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Deutsche Technologie ist besser, als wir oft denken – und uns einreden
    0 Kommentare zu "Kommentar: Deutsche Technologie ist besser, als wir oft denken – und uns einreden"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%