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Kommentar Deutsche Unternehmen unterschätzen bei Übernahmen in den USA die Gefahren

Das Beispiel von Adidas und Reebok zeigt einmal mehr: Deutsche Konzerne greifen fast immer daneben, wenn sie in den USA zukaufen. Dafür gibt es Gründe.
15.12.2020 - 17:15 Uhr 2 Kommentare
Das Beispiel der beiden Firmen zeigt: Deutsche Unternehmen sind bei großen Übernahmen in den USA nur selten erfolgreich. Quelle: Imago
Adidas und Reebok

Das Beispiel der beiden Firmen zeigt: Deutsche Unternehmen sind bei großen Übernahmen in den USA nur selten erfolgreich.

(Foto: Imago)

Egal ob Daimler-Chrysler, Bayer-Monsanto oder Deutsche Bank und Bankers Trust: Auch das Beispiel von Adidas und Reebok zeigt, dass deutsche Unternehmen bei großen Übernahmen in den USA nur selten erfolgreich sind. Adidas erwägt derzeit, die US-Sportmarke Reebok wieder zu verkaufen, die sie vor fast 15 Jahren für drei Milliarden Dollar erworben haben.  

Zu oft lassen sich große deutsche Unternehmen von US-Firmen blenden und unterschätzen die Gefahren – und die Unterschiede in der Unternehmenskultur. Das liegt nicht nur daran, dass Amerikaner gute Verkäufer sind. Es liegt auch daran, dass die Deutschen die auf sie zukommenden Kosten unterschätzen.

Während viele kleinere Zukäufe durchaus erfolgreich laufen, sind es die großen, meist börsennotierten Namen, die sich später oft als Fehlgriffe oder zu teuer erweisen.  

Im Fall Bayer sind es die juristischen Kosten für das Glyphosatmittel Roundup von Monsanto, die den Konzern mehr als zehn Milliarden Dollar Schadensersatz und erhebliche Anwaltsgebühren kosten werden. Bayer hatte 2018 mehr als 60 Milliarden Dollar für den US-Saatgut-Konzern gezahlt – und seit dem Kauf fast den gleichen Wert an Börsenkapitalisierung verloren.

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    Im Fall Daimler-Chrysler waren es vor allem die Unternehmenskulturen, die nach dem so gefeierten Zusammenschluss nicht zusammenfinden wollten. Die Fusion wird heute als Fallbeispiel gescheiterter Zusammenschlüsse und kultureller Missverständnisse gelehrt.

    Mehr auf eigene Stärken besinnen

    Zuvor hatte bereits die Deutsche Bank mit der Übernahme des Wall-Street-Hauses Bankers Trust einen Misserfolg hingelegt. Sie wollte dadurch mit den großen Spielern wie Goldman Sachs und JP Morgan konkurrieren. Doch die Deutschen haben viel zu viel für Bankers Trust gezahlt, das sich mit Derivaten verspekuliert hatte – und konnte auch die Investmentbanker nicht in die eigene Kultur integrieren.

    Auch bei Praxair-Linde ist nicht alles so gelaufen, wie von deutscher Seite erhofft. Die Fusion war eine de-facto-Übernahme durch die Amerikaner, die dort nun das Sagen haben. Das führt zu Unmut in der deutschen Belegschaft. Im Nachhinein hätten die Deutschen wohl auch deutlich mehr verlangen können.

    Deutsche meinen oft, die amerikanische Mentalität zu kennen und verwechseln den freundlichen Umgangston mit Vertraulichkeit. Sie wollen sich mit großen US-Namen schmücken und legen dafür gerne zu viel auf den Tisch.

    Amerikaner treten oft selbstbewusster auf, die Deutschen bescheidener und auch humorloser. Aber manchmal sollten sie sich auf ihre eigenen Stärken besinnen. Wie das Beispiel von Reebok und Adidas zeigt, ist die deutsche Marke viel erfolgreicher auf dem US-Markt als die vermeintliche Kult-Marke Reebok. Hätte Adidas das Geld, das es in Reebok gesteckt hat, in die eigene Marke investiert, sähen die Zahlen in den USA noch besser aus.

    Mehr: Adidas hat beim Reebok-Verkauf zu lange gezögert

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    2 Kommentare zu "Kommentar: Deutsche Unternehmen unterschätzen bei Übernahmen in den USA die Gefahren"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • hervorragender Kommentar - da bleibt nichts zu ergänzen!

    • Als "Wanderer zwischen diesen zwei Welten" kann ich Ihre Aussage nur unterstreichen. Vor irgendeiner Übernahme sollte man das US-"Blendwerk" sorgfältig analysieren und nur Aufgrund einer Analyse uns Aussage unbeteiligter Dritter entscheiden. Eine Fusion unter Gleichen funktioiert auch bei ähnlich gelagerten Kulturen eigentlich nie. Einer der Partner ist immer der Seniorpartner, und sollte dies auch immer klar herausstellen, dabei den Juniorpartner immer mitnehmen. Bayer ist ein Paradebeispiel des Falsch-Machens, von der ersten Sekunde an.

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