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Kommentar Deutschen Gründern fehlt der Mut

Geld für junge Unternehmen ist inzwischen genug vorhanden. Doch es braucht in Deutschland weniger Bescheidenheit und mehr global denkende Visionäre.
02.03.2020 - 17:00 Uhr Kommentieren
Auch kleine Unternehmen sollten große Pläne haben. Quelle: dpa
Start-ups

Auch kleine Unternehmen sollten große Pläne haben.

(Foto: dpa)

Der Widerspruch könnte kaum größer sein. Alle großen Konzerne beschäftigen sich mit Künstlicher Intelligenz (KI), wollen die marktreife Technologie für sich nutzbar machen der gar schon Produkte daraus entwickeln. Doch auf Seiten der Gründer herrscht Flaute. Die Zahl der neu gegründeten KI-Start-ups in Deutschland sinkt. Und das Kapital, das in diese jungen Unternehmen fließt, ist verglichen mit den USA oder China bescheiden.

Diese Entwicklung lenkt den Blick auf ein generelles Problem. Deutsche Gründer denken häufig nicht groß genug. Eine zu frühe Orientierung am leicht Erreichbaren führt zu Nischen-Geschäftsmodellen. Doch diese Bescheidenheit ist nicht mehr angebracht. Es ist mehr Orientierung an den globalen Chancen nötig.

Die Grundlagen für eine ausgeprägtere Start-up-Dynamik in Deutschland sind da. Geld zu bekommen ist kein Problem mehr, wenn Team und Geschäftsidee stimmen. Beim internationalem Investoren-Kongress Super Venture in Berlin war dies offensichtlich. Risikokapitalgeber aus Übersee würden liebend gern noch mehr Geld in Europa ausgeben. In Nordamerika ist nämlich die Konkurrenz um Gründer inzwischen so stark, dass sie auf die Rendite der Risikokapitalgeber schlägt. In Europa erwarten die Investoren weniger Wettbewerb - und erwirtschaften bereits oft die besseren Renditen für ihre Anleger.

Für die Gründer ist es zudem leichter geworden, das Geld anzunehmen: Inzwischen verzichten die Amerikaner drauf, europäische Gründer nach einem Investment den Umzug des rechtlichen Sitzes nach Amerika nahezulegen. Solche Holding-Konstruktionen haben sich als kompliziert und unnötig erwiesen. Erfolge wie die Bewertung von 2,5 Milliarden Dollar für das KI-Startup Celonis belegen, dass hiesige Gründer attraktiv sein können, wenn sie nur mutig genug sind.

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Standort erkennen

    Allerdings wollen die Großinvestoren auch potenziell große Geschäftsideen sehen - und daran hapert es gerade bei deutschen Gründern. Das hat mehrere Ursachen. Zum einen ist die Gründerkultur an deutschen Hochschule noch jung. Schon der Schritt in die Selbstständigkeit gilt daher als besonders mutig, selbst wenn die große Vision fehlt.

    Internationales Geld ist ein Zeichen der Stärke

    Viele Ausgründungen entstehen aus Fachprojekten an den Lehrstühlen, die oft eng gesteckte Spezial-Probleme behandeln. Deutsche Gründer sehen zwar zu Recht Chancen in der Anbindung ihrer Ideen an die gewachsene produzierende Industrie in Deutschland. Doch eine zu enge Orientierung an den Problemen einzelner Erst-Unternehmenskunden kann dazu führen, dass die Lösungen nur für Nischenmärkte taugen.

    Dazu kommt eine gewisse Provinzialität der Start-up-Szene, die selbst in Berlin zu beobachten ist. Es sind oft immer wieder dieselben Köpfe, die hinter Gründungen stecken. Branchentreffen sind ziemlich deutsch geprägt. Auch die deutschen Wagniskapitalgeber, die Geld bei den hiesigen Family-Offices eingesammelt haben, verknüpfen die Gründer mit deutschen Mittelständlern.

    Die lokalen Kapitalgeber haben ein Interesse daran, im Wettstreit um die besten Gründer außereuropäische Investoren außen vor zu halten. Prominente Investoren wie Klaus Hommels argumentieren daher gern mit dem vermeintlichen Ausverkauf der Start-up-Szene nach Übersee. Dabei fehlt das Bewusstsein: Wenn deutsche Gründungen internationales Geld anziehen, ist das ein Zeichen für ihre Stärke. Denn große Geschäftsideen sind von Anfang an global gedacht.

    Sicher gibt es einige echte Standortnachteile. Deutschland ist für Fachkräfte wegen der Sprachbarriere und der neuen Diskussion um Fremdenfeindlichkeit ein weniger attraktiver Standort als andere, insbesondere englischsprachige Länder. Zudem ist Deutschlands Hochschul-Szene zwar in der Breite stark, nicht aber in der Spitze.

    Größere Wetten sind nötig

    Dennoch hat Deutschland als Teil Europas beste Chancen, von der Flut von Risikokapital zu profitieren. Dazu brauchte es weniger Selbstzufriedenheit im risikoscheuen Mittelstand, bei den Landes- und Bundespolitikern und auch bei den Gründern selbst. Sie müssen erkennen, dass im internationalen Spiel mehr Mut zu größeren Wetten nötig ist. Internationale Investoren mit weltweiter Perspektive brauchen einen leichteren Zugang in die deutsche Start-up-Szene, da sie den Gründern bei der interkontinentalen Expansion besser helfen können.

    An einigen Stellen tut sich etwas: Der neu formierte Start-up-Verband dringt bei der Bundesregierung mit seiner Forderung nach besseren steuerlichen Regeln für Mitarbeiterbeteiligung durch. EU, Bund und Länder statten ihre Förderbanken besser aus. Andere Dinge gehen zu langsam, etwa die Stärkung der Hochschulen bei IT-Professuren und die Verknüpfung mit internationalen Gründern und Konzernen.

    Die deutsche Gründer-Szene braucht einen stärkeren internationalen Blick, um die wirklich großen Chancen zu ergreifen. Sie muss den Zufluss internationalen Geldes und Know-hows nutzen.

    Mehr: Das vergangene Jahr brachte neue Höchststände in der deutschen Beteiligungsbranche. Was die Finanzinvestoren umtreibt.

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