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Kommentar Deutschland braucht dringend Veränderung statt Stillstand

Die Bundesrepublik hat die besten Chancen, nach Überwindung der Pandemie wirtschaftlich durchzustarten – dafür muss es jetzt unbequeme Debatten führen. 
11.11.2020 - 20:14 Uhr Kommentieren
Die Welt der Wirtschaft wird nach der Pandemie anders aussehen. Quelle: dpa
Kräne im Hamburger Hafen

Die Welt der Wirtschaft wird nach der Pandemie anders aussehen.

(Foto: dpa)

Die Wirtschaftsweisen malen in ihrem Jahresgutachten konjunkturell ein Bild, das wir aus der Finanzkrise kennen. Nach dem Lehman-Schock 2008 brach das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zuerst um fünf Prozent ein und erholte sich dann innerhalb von sechs Quartalen wieder. Dieses Muster unterstellen die Ökonomen nun auch in der Coronakrise. Damit sind die Wissenschaftler von Horrorszenarien aus dem Frühjahr, als man eine Depression von historischem Ausmaß fürchten musste, ein Stück weit entfernt.

Die Ökonomen loben das Corona-Krisenmanagement, insbesondere das Konjunkturprogramm,  das einen Beitrag von einem Prozent des BIP leistet. Doch die im internationalen Vergleich  gute Lage Deutschlands ist auch teuer erkauft. Bundesfinanzminister Olaf Scholz macht rekordverdächtige Schulden, und es steht noch in den Sternen, wann die Schuldenbremse wieder eingehalten wird.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hat mit der großzügigsten Kurzarbeitergeldregelung in der ganzen Welt eine Industriesubvention ungeheuren Ausmaßes aufgelegt. Spötter sprechen bereits von einem bedingungslosen Grundeinkommen. Das wird natürlich den Facharbeitern, die  um ihren Job bangen, nicht gerecht. Es ist aber auch immer eine Quersubventionierung vom Mittelstand zu den Großkonzernen. Zwar haben diesmal viele Firmen auch aus dem Mittelstand Kurzarbeit beantragt. Die Kostenentlastung ist jedoch bei den Dax-Unternehmen größer.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier versucht gerade, die Novemberhilfe auf den Weg zu bringen. Da ballert der Bund in einem Monat zehn Milliarden Euro raus, um die wegbrechenden Umsätze im „Lockdown light“ auszugleichen.  All diese Maßnahmen haben Folgen. In vielen Branchen werden Strukturen geschaffen, die entweder zu größerer Marktmacht führen oder kein tragbares Geschäftsmodell haben.

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    Die Novemberhilfen stärken tendenziell die Systemgastronomie. McDonald‘s und Co. können sich die Hände reiben. Das Restaurant um die Ecke macht Klimmzüge. In der Industrie läuft die Politik Gefahr, Strukturen aufrechtzuerhalten, die schon vor der Krise nicht mehr wettbewerbsfähig waren. Bestes Beispiel ist der Stahlriese Thyssen-Krupp. Da mag man argumentieren, dass chinesische Dumpingpreise existieren, doch vieles ist auch Managementfehlern und gescheiterten Investitionsabenteuern  in Brasilien geschuldet. Das Tafelsilber wurde längst verkauft. Jetzt ist von Teilverstaatlichung die Rede. 

    Gewaltige Subventionen 

    Andere Fälle sind etwa Lufthansa oder der Reiseveranstalter Tui. Hier haben die Corona-Maßnahmen dazu geführt, dass die Geschäftsmodelle quasi eingefroren sind. Insofern war es auch ordnungspolitisch vertretbar, dass der Staat geholfen hat.

    Aber die Welt nach Corona wird anders aussehen. Das Reise- und Freizeitverhalten wird sich ändern, auch weil die jungen Menschen Druck in Sachen Klimaschutz machen.

    Manchmal wird einem auch bei den Dimensionen schwindlig. Die Lufthansa bekommt Staatshilfen in einer Größe, mit der man Hunderte Schulen digitalisieren könnte und die Universitäten wahrscheinlich gleich mit. Deshalb wäre es auch wichtig, dass die Bundesregierung endlich eine Einstiegsstrategie für die Digitalisierung und eine Ausstiegsstrategie aus der Staatswirtschaft entwickelt. 

    Hinzu kommt die Kernindustrie Deutschlands, die Automobilunternehmen und ihre Zulieferer. Sie stehen vor einer dreifachen Herausforderung:  Digitalisierung und autonomes Fahren, Elektromobilität und damit der langsame Abschied vom Verbrenner, und dann kommt noch die Herausforderung durch Corona obendrauf. Heilen will man dies schon wieder durch einen Fonds für die Zulieferer. Das ist gut gemeint, ob er gut gemacht wird, ist etwas anderes. 

    Familienunternehmen als Anker 

    Die Bilanzen der Autoindustrie wurden durch das Chinageschäft gerettet. Man sieht daran mal wieder, wie wichtig Freihandel und Globalisierung für uns sind. Gerade Anfang der Woche wurde das deutlich, als Kinder türkischer Zuwanderer den hoffentlich wirksamen Impfstoff gegen Corona entwickelten und gleichzeitig ein amerikanisches Unternehmen als Partner dabei haben.

    Mainz und New York City rücken da ganz eng zusammen. Eigentlich ist das eine der typischen Erfolgsgeschichten, die Deutschland schon immer stark gemacht haben. Es sind mutige Gründer, die zu großen, starken Unternehmen heranwachsen.  Im Zentrum steht nicht selten eine Familie. Jetzt ist Biontech börsennotiert. Doch die typisch deutschen Familienunternehmen  sind der Anker im Pandemiesturm. Sie denken nicht in Quartalszahlen, sondern in Generationen. Das macht sie stark, und deshalb werden sie auch international bewundert. Deutschland muss sich schon allein wegen seiner guten Mischung  aus kleinen, mittleren und großen Unternehmen  keine Sorge wegen einer wirtschaftlichen Apokalypse machen.

    Aber die Politik,  die im Großen und Ganzen ein ordentliches Krisenmanagement gemacht hat, muss nach vorn blicken. Das ist in einem anstehenden Superwahljahr schwer, da hier  oftmals das kurzfristige Denken überwiegt. Doch Deutschland hat die besten Chancen, nach der Überwindung der Corona-Pandemie durchzustarten. Dafür müssen nun aber auch unbequeme Debatten geführt werden.

    Mehr: Die Schulden-Pandemie: Wie Corona die Staatsfinanzen ruiniert.

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