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Kommentar Deutschland braucht einen strukturierten Glasfaserausbau

Es kann und darf nicht sein, dass der deutsche Netzausbau technologisches Brachland bleibt. Die halbgaren Zwischenlösungen müssen ein Ende finden.
23.07.2020 - 09:10 Uhr 2 Kommentare
In Deutschland haben so wenig Haushalte einen Glasfaseranschluss, wie in kaum einem anderen OECD-Land. Quelle: dpa
Glasfaserkabel

In Deutschland haben so wenig Haushalte einen Glasfaseranschluss, wie in kaum einem anderen OECD-Land.

(Foto: dpa)

Es ist paradox. Deutschland will Leitmarkt für digitale Zukunftstechnologien sein. Die Basis dafür ist eine starke Infrastruktur, Glasfaseranschlüsse sind deren wichtigstes Element. Genau dort zählt die Bundesrepublik im europäischen Vergleich zu den Schlusslichtern. Das Problem ist seit Jahren bekannt. Doch es ändert sich nicht viel. Das kann und darf nicht sein.

Das Versagen liegt sowohl bei Unternehmen als auch der Politik. Während der Glasfaserausbau in anderen EU-Ländern vor allem von ambitionierten Netzbetreibern vorangetrieben wurde, konzentrierte sich die Deutsche Telekom darauf, alte Kupferleitungen mit DSL-Vectoring zu verbessern. Es ist verständlich, dass der Dax-Konzern mehr aus seinem Netz herausholen wollte. Unverständlich ist, dass er dafür das einst mit großen Zielen angekündigte Glasfaserprogramm aussetzte. Die Telekom bewarb die aufgewerteten Kupferleitungen dafür vollmundig als „glasfaserbasierte Anschlüsse“. Das war nicht mehr als irreführende Werbung.

Vodafone verfolgt heute die gleiche Strategie. Das Unternehmen bewirbt mit den gleichen Slogans auf dem TV-Kabel aufbauende Anschlüsse. Doch allen Beteiligten ist klar: Sowohl DSL als auch Kabel sind nur Übergangstechnologien. Langfristig brauchen die Kunden Glasfaser.

Der Weg dahin ist jedoch weit. Die Telekom hat zwar mit mehr als 500.000 Kilometer Glasfaser das größte Netz. Es endet jedoch meist an den grauen Kästen an der Straße. Entscheidend sind aber die letzten Meter. Doch die sind am teuersten und aufwendigsten zu verlegen.

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    Union wie SPD hatten noch vor einigen Jahren ein flächendeckendes Glasfasernetz für Deutschlands Haushalte bis zum Jahr 2025 angekündigt. Zwölf Milliarden Euro hatte die Bundesregierung reserviert. Heute ist allen Beteiligten klar, dass diese Zahl illusorisch ist. Es gibt gar nicht genug Baukapazitäten, um die Anschlüsse schnell genug zu verlegen. Die Bundesregierung spricht heute lieber von „Gigabit-Anschlüssen“. Das klingt gut, hat jedoch nicht mehr unbedingt etwas mit zukunftsweisender Glasfaser zu tun. Berlin greift also zu den gleichen semantischen Tricks wie die Netzbetreiber.

    Grafik

    Dass es besser geht, zeigt Schleswig-Holstein. Es fördert seit dem Jahr 2013 konsequent den Glasfaserausbau und erreicht rund jeden dritten Haushalt – bundesweiter Rekord für ein Flächenland. Die Konsequenzen, was passiert, wenn die Politik an den Firmen verzweifelt, könnte bald Italien zeigen. Der Staat will zwei Netzbetreiber zwingen, ein einheitliches, landesweites Glasfasernetz zu bauen – ein Anschluss pro Wohnung. Wettbewerb ist nicht so wichtig, hat Rom beschlossen. Berlin sollte die Entwicklungen genau verfolgen.

    Mehr: Italien macht Glasfaser-Ausbau zur Staatsangelegenheit.

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    2 Kommentare zu "Kommentar: Deutschland braucht einen strukturierten Glasfaserausbau"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • wofür brauchen wir ein großflächiges Glasfasernetz? Mit fällt nur eine Killeraplikation ein - Netflix für alle Kinderzimmer! So geht digitaler Fortschritt.
      Betriebswirtschaftliche Anwendungen wie SAP brauchen so etwas zum Glück nicht.

    • In Deutschland wird großflächig gefördert. Nichtmal eine Aufgreifschwelle soll Voraussetzung dafür sein, dass der Staat viele Milliarden in Aussicht stellt. Es ist doch kein Wunder, dass dann eigenwirtschaftlich wenig bis nichts läuft. Man muss ja nur warten, dann bezahlt der Steuerzahler das Netz. Muss man diesen Zusammenhang in einem Umfeld wie dem Handelsblatt wirklich erklären? Dass der Staat damit hauptsächlich sein eigenes Unternehmen* subventioniert, ist nur das Tüpfelchen auf dem i. Diese Politik ist schlimmer als Nichtstun.

      *) der mit Abstand größte Aktionär der Telekom ist der Staat.

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