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Kommentar Deutschland braucht mehr Manager vom Schlage eines Dietmar Hopp

Start-up-Geschick, unternehmerisches Know-how und Werte – dieser Hoffenheimer Dreiklang ist eine Anleitung für die dringend gesuchten Gründer.
06.09.2020 - 15:20 Uhr Kommentieren
Quelle: Kostas Koufogiorgos
Karikatur
(Foto: Kostas Koufogiorgos)

Seien wir ehrlich: Die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmern wird oft beredet, seltener wird sie gelebt. Da fällt es auf, wie sehr eine Wirtschaftsgröße aus dem Nordbadischen zum Vorbild geworden ist: Dietmar Hopp. Der SAP-Mitgründer und Großinvestor ist derzeit Tagesgespräch, weil sich seine neuerdings an der Wall Street notierte Tübinger Firma Curevac anschickt, einen Impfstoff gegen Covid-19 unter die Leute zu bringen, mit dem Bund als Gesellschafter und Elon Musk als Geschäftspartner.

Hier wird also Weltbühne bespielt, und das lenkt den Blick auf die vielen anderen Aktivitäten des 80-Jährigen, sowohl bei Biotech und Medizin als auch in Kultur und Sport. In der Rhein-Neckar-Region hat der Mäzen mit seiner Stiftung breite Spuren gezogen. Davon zeugt der Aufstieg „seiner“ Fußballer von der TSG Hoffenheim aus der Kreis- in die Bundesliga genauso wie deutsche Meisterschaften im Handball (Rhein-Neckar Löwen) und Eishockey (Adler Mannheim) oder Erfolge des von ihm geschaffenen Golfclubs St. Leon-Rot.

Ein marktwirtschaftlicher Überzeugungstäter, der Wohltäter ist, dessen Erfolg aber auch Fragen aufwirft: Warum gibt es so wenige wie ihn, die mit ihren Investitionen „Champions League“ spielen? Und: Warum fällt es schwer, jemanden zu finden, der eine ähnlich ganzheitliche, für ein Sozialwesen positive Wirkung hat wie Dietmar Hopp aus Hoffenheim? Die Antworten muss man in den Kategorien Kapital, Know-how und Einstellung suchen.

Beginnen wir also beim Geld. Da springt sofort ins Auge, dass die vor 48 Jahren von Hopp und vier anderen IBM-Arbeitskollegen gegründete Walldorfer Unternehmung SAP das letzte nachhaltige Start-up mit Geschäft in Deutschland ist, das in den Dax-30 der größten Börsenfirmen aufgestiegen ist. Wirecard erwies sich als böses Märchen, Delivery Hero ist eine Cashverbrennungsmaschine.

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    Ganz offenbar haben wir mit Neugründungen ein Problem: Es gibt noch immer zu wenige, sowohl was Masse als auch Klasse betrifft. Von Weltgeltung wie bei SAP träumt keiner. Sicher, es gibt neben Hopp Investoren wie die Gebrüder Andreas und Thomas Strüngmann, die BMW-Großaktionärin Susanne Klatten oder inzwischen auch viele Family Offices, die auf Jungunternehmen setzen.

    Vieles ist in den letzten Jahren passiert, oft im Zusammenspiel zwischen Wissenschaft, Kapital und Nachwuchs. Aber noch sind die steuerlichen Fördermöglichkeiten ausbaubar. Venture-Capital ist unterentwickelt. Es gibt zu viel Bürokratie. Und leider ist das Leitbild einer „Fehlerkultur“, die solche Start-ups prägt, nicht Common Sense. Wer scheitert, wird ausgelacht. Deutschland lebt von der Substanz. Es lebt nicht vom Pool genialer Ideen.

    Vorbildrolle ist Sache der Einstellung

    Zum Zweiten stellt sich die Frage nach dem handwerklichen Können, ein solches Investoren-Imperium aufzuziehen. Der Softwaremilliardär Hopp hat einfach die erprobten Prinzipien seiner SAP-CEO-Karriere nach dem Abgang in Walldorf auf andere Gebiete übertragen. Hier paarte sich Risikolust mit Geduld.

    Gerade seine Engagements im Sektor Medizin waren bisher unter Renditeaspekten selten erfreulich. 1,4 Milliarden Euro hat er insgesamt investiert. Erst die Bewältigung der Covid-Krise schafft neue Voraussetzungen. Auch beim Aufstieg der TSG Hoffenheim ließ er sich Zeit, 20 Jahre bis zur Erstklassigkeit. Hopp setzte auf langwierige Nachwuchsförderung und moderne Trainingsmethoden.

    Die „Hoppla, hier komm ich!“-Attitüde überließ er anderen Fußball-Financiers, die in teuren Spielereinkäufen ihr Heil suchen. Dass er von gegnerischen Fans im Stadion verhöhnt wird, ist auch als Respektlosigkeit gegenüber unternehmerischen Leistungen zu werten.

    Und schließlich ist eine solche Vorbildrolle wie bei Hopp auch eine Sache der Einstellung. Wer zu den Reichsten im Land gehört, kann seine Zeit leicht auf Jagden und Jachten verbringen. Hopp dagegen ist „geerdet“. Der Großaktionär von SAP, dessen Stiftung von den Dividenden des Dax-Konzerns lebt, hat seiner Heimat immer „etwas zurückgeben“ wollen.

    Die im Grundgesetz beschriebene Sozialbindung des Eigentums ist nichts, was ihm Politiker soufflieren müssen. Man kann spekulieren, inwieweit Wiedergutmachung eine Rolle spielt: Sein Vater war einst als SA-Truppführer an der Verfolgung von Juden und der Zerstörung der Synagoge im Ort beteiligt. Wie auch immer: Bei Hopp wird ein breiter Humanismus erkennbar. Die Impffirma Curevac ist ebenfalls eine Haltungsfrage.

    Grafik

    Unter dem Gebot der Renditemaximierung hätte es sehr wohl angelegen, dem Werben des amerikanischen Präsidenten Donald Trump zu erliegen und die Firma Chancen im größeren US-Markt suchen zu lassen. Hopp entschied sich für Deutschland und dafür, das Serum möglichst allen zur Verfügung zu stellen. Wirtschaft ist global, aber ein Unternehmer muss kein „heimatloser Gesell‘“ sein.

    Das also sind die Lehren aus dem Aufstieg des „Serial Entrepreneur“ Dietmar Hopp: Man muss erst mal die nötigen Millionen nach einer geglückten Start-up-Geschichte haben, dann darum wissen, wie man das Vermögen verbreitert und schließlich bei allem Werte leben.

    Der Hoffenheimer Dreiklang ist sozusagen eine Anleitung für händeringend gesuchte Gründer. Deutschland und Europa werden im Standort-Wettkampf mit den USA und China viele kreative und soziale Entrepreneure brauchen. Anders gesagt: allez hopp!

    Mehr: Dietmar Hopp will mit Curevac „Rennen um besten Impfstoff gewinnen“

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