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Kommentar Deutschland hat die Chance, dass die 20er-Jahre golden werden

Die Bundesrepublik kann ein Ort der Glückseligkeit bleiben. Es braucht nur mehr Freiheit im Handeln und Denken – vor allem auf politischer Ebene.
01.01.2020 - 08:00 Uhr 2 Kommentare
Deutschland kann optimistisch in das neue Jahrzehnt blicken. Quelle: dpa
2020

Deutschland kann optimistisch in das neue Jahrzehnt blicken.

(Foto: dpa)

Die 20er-Jahre im vorigen Jahrhundert waren für die einen wild, für die anderen golden. Was in den jetzt anbrechenden 20er-Jahren auf die Menschen zukommt, kann noch keiner sagen. Es gibt aber unermessliche Chancen. Konjunkturell sieht es besser aus, als von den Untergangspropheten befürchtet.

Der Arbeitsmarkt ist robust. Das Wachstum könnte besser sein, vielleicht sorgt es aber noch für die eine oder andere Überraschung. Die Börsen feiern einen Höhepunkt nach dem anderen. Selbst die USA und China sind in ihrem Handelskrieg auf Versöhnungskurs. Wenn jetzt noch der Brexit ohne größere Blessuren über die Bühne geht, ist für Pessimismus kein Anlass.

Das alles klingt nach Aufbruch. Jetzt müsste nur noch die Politik den Turbo zünden. Die Große Koalition sollte eine völlig neue Freiheit im Denken entwickeln.

Doch es sieht nach Stillstand aus. Die Zukunft findet statt, nur nicht mit Vorschlägen der SPD aus der Mottenkiste wie der Forderung nach einer Vermögensteuer und neuen Schulden. Es braucht frische Ideen. Die Ansprüche der Koalition an ihre politischen Projekte können gar nicht groß genug sein.

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    Herausforderung Nummer Eins ist die Digitalisierung. Damit könnte man den Klimawandel in den Griff bekommen, das Gesundheitssystem revolutionieren und die Verkehrswende auf ganz neue Füße stellen. Dafür bräuchte es aber eine vitale Koalition, die Mut produziert.

    Der Maßstab bei der Digitalisierung sind die USA und China. Wenn Peking in den nächsten Jahren mehr als 1000 Lehrstühle für Künstliche Intelligenz einrichten will, können wir uns nicht mit Symbolbeträgen im einstelligen Milliardenbereich zufrieden geben. Die IT-Giganten sitzen in den USA und China. Wirtschaft und Politik müssen gemeinsam raus aus dem digitalen Funkloch.

    Die nächste Herausforderung liegt in der Innovationspolitik. Deutschland redet sich die Köpfe über ein Tempolimit heiß. Man kann da unterschiedlicher Meinung sein, gerade was die Verkehrssicherheit angeht. Aber symbolhaft ist, dass wir über Grenzen statt Pioniergeist sprechen, den man braucht, um für Innovationen den Weg frei zu machen.

    Partner schütteln den Kopf über Klimapolitik

    Es fast ja fast putzig, wenn in Deutschland eine Agentur für Sprunginnovationen gegründet wird, aber es immer noch keine ordentliche Forschungsförderung gibt, die ihren Namen verdient. Das Thema gibt es seit 20 Jahren. Zwei Jahrzehnte Schläfrigkeit, statt notwendigem Politikwechsel.

    Nehmen wir noch die Energiewende, die mal der deutsche Exportschlager werden sollte, aber den Bürgern zu Hause keinen Grund zur Freude bietet. Es gibt wahrlich noch Politiker, die behaupten, die Welt würde sich an Deutschland energiepolitisch orientieren.

    In Wirklichkeit schütteln viele internationale Partner den Kopf darüber. In Baden-Württemberg wird ein Kernkraftwerk abgeschaltet und die grün-schwarze Regierung in Stuttgart muss darauf hoffen, dass Frankreich im Notfall mit ihrem Atomstrom einspringt. Das zeigt die Verlogenheit der Klimadebatte. Hinter vorgehaltener Hand sagen viele, dass die Klimaziele nur mit Kernenergie zu erreichen sind. Das will aber kein Politiker mehr hören.

    Zur Realität der Energiewende gehört auch der größte Börsengang 2019. Der von Saudi Aramaco, dem größten Ölproduzenten der Erde. Wenn es stimmt, das an der Börse die Zukunft gehandelt wird, dann ist das dekarbonisierte Zeitalter noch lange nicht angebrochen. Das wirtschaftliche Imperium des sogenannten „Blutscheichs“ hat vom Börsenwert die amerikanischen und chinesischen Bigshots locker hinter sich gelassen.

    Letzte Herausforderung, für die es eine frische neue Denke braucht, ist die Verkehrswende. Deutschland ist abhängig davon, dass die großen Autobauer den Transformationsprozess zur Elektromobilität schaffen. Sonst wackelt das ganze Land. Noch kann keiner sagen, ob das Wasserstoff- oder das Elektroauto die bessere Alternative ist.

    Polarisierung der Gesellschaft hat zugenommen

    Vielleicht ist es am Ende der Verbrenner, der mit Leichtbaumaterialen und synthetischen Kraftstoffen attraktiver ist. Bislang hat es die Autoindustrie immer hinbekommen, sich neu zu erfinden. Der Ölpreisschock in den 70er-Jahren wurde genauso gemeistert wie die asiatische Herausforderung in den 80er- und 90er-Jahren.

    Es sind mit Tesla und Elon Musk neue Wettbewerber auf den Markt gekommen. Aber von denen sollten sich die deutschen Autobauer den Schneid nicht abkaufen lassen. Die Tesla-Gigafactory in Brandenburg wird zur Nagelprobe für Deutschland.

    In den ersten zwanzig Jahren des Jahrhunderts ist die Gesellschaft auseinandergedriftet. Alt gegen Jung, Stadt gegen Land und Arm gegen Reich. Das Ganze wird zugespitzt vor der Folie des Umbruchs, vor allem durch die Globalisierung und die Migration.

    Wenn man das jedoch in Relation zur Weltlage setzt, ist Deutschland für die meisten von uns ein Ort der Glückseligkeit. Soll es so bleiben, braucht es einen Neustart. Dann werden es sicher keine ruhigen 20er-Jahre. Deutschland hat aber die Chance, dass sie golden werden.

    Mehr: Die Top-100-Konzerne der Welt sind so viel wert wie nie. US-Konzerne dominieren dabei mit 56 Vertretern das Ranking. Doch der genauere Blick alarmiert die Analysten.

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    2 Kommentare zu "Kommentar: Deutschland hat die Chance, dass die 20er-Jahre golden werden"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Lieber Herr Buschbeck,
      Sie sollten die "guten" Forderungen und Leistungen der SPD nicht zu schlecht bewerten. Die SPD hat durchgesetzt:
      -Den Tatbestand, dass Kinder grundsätzlich nicht mehr für Ihre Eltern Unterhalt zahlen müssen, soweit diese pflegebedürftig sind - die Ungleichbehandlung mit Grundsicherungsempfängern war "schreiend" und der CDU/CSU zu verdanken.
      -Die Einführung eines - wenn auch geringen - Mindestlohnes, der übrigens nicht zum Untergang geführt hat!
      -u.a.
      Im übrgien wäre die Einführung einer Vermögenssteuer auch kein Untergang, sondern eine sinnvolle Ergängzung im Sozialstaat - übrigens haben dies auch schon neoliberale andere kapitalistische Staaten ohne untergegangen zu sein.
      Gleichwohl hat die SPD tendenzen, welche dem Fortschritt entgegenstehen - jedoch nur der Wettstreit ist Demokratie. Deshalb wünsche ich mir mehr Streit und die Beste Lösung und kein "Dahinmerkeln" in den Koaltionshinterzimmern mehr.

    • >>>Die Zukunft findet statt, nur nicht mit Vorschlägen der SPD aus der Mottenkiste wie der Forderung nach einer Vermögensteuer und neuen Schulden. Es braucht frische Ideen

      Die frische Idee könnte z.B. sein, gesellschaftlich nicht länger zu verdrängen, dass gesamtwirtschaftlich Schulden nur ein anderes Wort für Guthaben ist. Deutschland produziert seine Guthaben heute nur eben komplett durch Verschuldung des Auslandes. Frische Ideen sollten hinterfragen, ob dieser alte Weg wirklich in die Zukunft führt.

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