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Kommentar Deutschland ist ein Paradies für Krankenhäuser – aber nicht immer für Patienten

Die Bundesrepublik leistet sich zu viele Kliniken. Das kostet, ist ineffizient und gefährdet die Qualität. Die Länder müssen das Netz ausdünnen.
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Die Schlussfolgerung aus der Bertelsmann-Studie ist umstritten, denn vor allem für kleinere Städte bedeuten Krankenhäuser einen Image-Gewinn. Quelle: dpa
Bessere Versorgung durch weniger Krankenhäuser?

Die Schlussfolgerung aus der Bertelsmann-Studie ist umstritten, denn vor allem für kleinere Städte bedeuten Krankenhäuser einen Image-Gewinn.

(Foto: dpa)

Deutschland ist ein Krankenhaus-Paradies. Zumindest, was die Klinikdichte angeht. Allein in Nordrhein-Westfalen gibt es etwa 400 Krankenhäuser. Die Niederlande, die bei Fläche und Einwohnerzahl mit dem Bundesland vergleichbar sind, kommen mit etwa 130 Kliniken aus. Fachleute im Gesundheitswesen weisen schon lange darauf hin, dass das üppige Angebot nicht mit einer besseren Versorgung der Patienten einhergeht. Überflüssige Standorte müssen endlich schließen.

Neue Nahrung hat die Debatte über die deutsche Krankenhauslandschaft durch eine Studie der Bertelsmann Stiftung erhalten. Die Untersuchung schafft es mit einer besonders radikalen Forderung in die Schlagzeilen: Mehr als jedes zweite Krankenhaus müsse dichtgemacht werden, schreiben die Autoren.

Die Problemanalyse ist aber keineswegs neu: Deutschland leistet sich ein dichtes, aber wenig spezialisiertes Netz von Krankenhäusern. Das ist teuer, ineffizient – und für die Patienten mitunter lebensgefährlich. Studien zeigen: Wer mit Herzinfarkt oder Schlaganfall in kleine Kliniken ohne die nötige Ausstattung oder Fachkompetenz eingeliefert wird, hat ein höheres Sterberisiko.

Entscheidend ist nicht die Entfernung zur Klinik, sondern die Qualität der Behandlung. Außerdem muss ein Kahlschlag im Krankenhausbereich nicht unbedingt zulasten von ländlichen Regionen gehen, die sich ohnehin schon abgehängt fühlen. Gerade das Beispiel NRW zeigt: In Ballungsräumen ist das Potenzial für eine Strukturbereinigung besonders hoch. Würde im Ruhrgebiet eine Reihe von Kliniken geschlossen, hätte das für die meisten Menschen wohl kaum größere Auswirkungen auf den Anfahrtsweg zur nächsten Klinik.

Zuständig für die Krankenhausplanung sind die Bundesländer. Die scheuen aus Angst vor Protesten davor zurück, Bürgern ihr Krankenhaus vor Ort wegzunehmen. Die Landespolitik sollte an dieser Stelle mehr Mut beweisen. Denn weniger Kliniken bedeuten eine bessere und wirtschaftlichere Versorgung.

Mehr: Viele Finanzprobleme von Krankenhäusern sind selbstgemacht, sagt Experte Rainer Eckert. Im Handelsblatt-Interview erklärt er, was in den Kliniken aus seiner Sicht falsch läuft.

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