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Kommentar Deutschland könnte bei 5G eine riesige Chance vergeben

Politik und Netzbetreiber müssen den Ausbau des Mobilfunkstandards 5G vorantreiben. Investitionen sind dringend notwendig – sonst wird Deutschland abgehängt.
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Der Ausbau des Netzes wird viele Jahre dauern und sehr viel Geld kosten. Doch diese Investitionen sind dringend nötig. Quelle: Bloomberg
Mobilfunkstandard 5G

Der Ausbau des Netzes wird viele Jahre dauern und sehr viel Geld kosten. Doch diese Investitionen sind dringend nötig.

(Foto: Bloomberg)

Es klingt paradox. Politik, Netzbetreiber und Industrie sind sich einig, dass der nächste Mobilfunkstandard 5G die Basis der vernetzten Wirtschaft sein wird. Und doch verliert sich die Debatte darüber im Klein-Klein. Für eine Reform, die unsere Wirtschaft auf Jahrzehnte prägt, sehen wir noch zu wenig.

Sowohl die Politik als auch die Netzbetreiber müssen mehr liefern. China und Japan sind schon viel weiter, und die USA preschen mit neuen Programmen vor. Das muss eine Warnung sein.

5G könnte ein neues Zeitalter der digitalen Wirtschaft einläuten. Deutschland wird dabei nur eine wichtige Rolle spielen, wenn wir jetzt die richtigen Entscheidungen treffen. Die Bundesregierung hat die Chance, die Technik als Leuchtturmprojekt zu prägen. Im kommenden Jahr werden die Frequenzen versteigert. Die letzten Details sollen am Montag festgezurrt werden. Aber anstatt eines großes Wurfes verlieren sich die Beteiligten in Details. Echter Weitblick sieht anders aus.

Telekom, Vodafone und Telefónica könnten und sollten sagen, wie ihr konkreter Plan für den 5G-Ausbau in der Bundesrepublik aussieht. Doch sie halten sich zurück. Dabei ist die Bundesnetzagentur in ihrem Planentwurf den Interessen der Mobilfunkfirmen bereits weit entgegengekommen. Die Politik hatte harte Ausbauverpflichtungen gefordert.

Ein Beispiel: Nahezu alle Straßen sollten versorgt werden. Der Forderung hatte sich die Netzagentur jedoch nicht angeschlossen und argumentiert, die Mobilfunkunternehmen würden so überlastet.

Damit droht der Staat leichtfertig eine gigantische Chance zu vergeben. Besonders in der Union formt sich Widerstand. CDU-Politiker bringen eine harte Idee ins Spiel. Zur Not könnte es „negative Auktionserlöse“ als Ergebnis besonders harter Ausbauverpflichtungen geben. Anders gesagt: Ein flächendeckendes 5G-Netz ist so wichtig für Deutschland, dass letztlich der Staat und damit der Steuerzahler einspringt, um den Echtzeitmobilfunk auch auf dem Land zu etablieren.

Schließlich bedeutet 5G eine gewaltige Chance, aber auch ein gewaltiges Risiko. Besonders die Automobilbranche ist besorgt. Sie will vernetzte Fahrzeuge auf die Straßen bringen, langfristig sollen die Autos‧ ganz allein fahren. Das funktioniert nur zuverlässig, wenn auch überall schnelles Internet verfügbar ist, argumentieren Volkswagen, BMW und Daimler. Mit Recht verweisen die deutschen Autobauer auf China und warnen, dass Peking längst die Voraussetzungen für flächendeckend schnelles Internet schafft, während in Deutschland noch über die Details des Netzausbaus gestritten wird.

Die Netzbetreiber geben ein schlechtes Bild ab

Natürlich versuchen Telekom, Vodafone und Telefónica, die für sie besten Konditionen bei der Frequenzvergabe herauszuholen. Es ist richtig, dass die Bundesnetzagentur bei der Vergabe nicht auf eine Einnahmenmaximierung setzt. Doch in manchen Industriefirmen ist der Eindruck entstanden, die Behörde habe sich mehr an den Interessen der Netzbetreiber als an den übergeordneten Interessen des Standorts Deutschland orientiert.

So ein Eindruck – egal ob richtig oder falsch – ist fatal. Die Netzbetreiber sollten alles unternehmen, um sich als die richtigen Partner für den Ausbau des 5G-Netzes zu profilieren. Telekom, Vodafone und Telefónica geben ein schlechtes Bild ab, wenn der Eindruck entsteht, sie bewegen sich nur auf Drängen der Politik. Ein gutes Netz ist mehr als das Ergebnis politischen Drucks. Ein Mobilfunker kann sich darüber profilieren.

Nicht umsonst wirbt die Telekom damit, eine so gute Netzabdeckung bei 4G wie keiner der Konkurrenten anzubieten. Wieso nicht auch bei 5G? Die Technik ist eine Chance für die Mobilfunker, sich als verlässliche Partner für die digitale Zukunft Deutschlands zu positionieren – und nicht als Branche, die vor allem für möglichst geringe Auflagen der Politik kämpft.

In Deutschland sollen im kommenden Jahr auch regionale Frequenzen vergeben werden. Damit sollen etwa auch Industrieunternehmen lokale Netze aufbauen können. Das Zögern der Netzbetreiber hatte viele Industrievertreter so verunsichert, dass sie allein 5G-Netze aufbauen wollen, anstatt auf die Mobilfunker zu warten.

„Jetzt entscheidet sich, welchen Platz wir in 5, 10 oder 20 Jahren in der Weltwirtschaft einnehmen“
Christian Sewing
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„Jetzt entscheidet sich, welchen Platz wir in fünf, zehn oder auch in zwanzig Jahren in der Weltwirtschaft einnehmen. Dafür müssen wir heute in die neuesten, besten Technologien investieren. Und 5G ist eine der Schlüsselinfrastrukturen, quasi eine Basis für die Wirtschaft. Es geht um Geschwindigkeiten, die beim Vielfachen dessen liegen, was wir heute kennen.“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank.

(Foto: Reuters)
Nicola Leibinger-Kammüller
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„Ich habe das Gefühl, dass es viel zu langsam geht. Ich fürchte, dass Deutschland hier wieder den Anschluss verliert“, sagt die Vorsitzende der Geschäftsführung des Werkzeugmaschinenbauers Trumpf.

(Foto: Reuters)
Herbert Diess
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„Automobile werden voll vernetzt und damit schon bald echte Internet-Devices. Dafür ist ein schnelles und flächendeckendes 5G-Netz Voraussetzung. Dieser Entwicklungsschub muss uns auch in Deutschland gelingen“, sagt der VW-Chef.

(Foto: AFP)
Klaus Fröhlich
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„Der zügige Ausbau der nächsten 5G-Mobilfunk‧generation ist entscheidend für das autonome Fahren. Andere Weltregionen – zum Beispiel einige asiatische Märkte – sind da aktuell schneller unterwegs“, sagt der BMW-Entwicklungsvorstand.

(Foto: Reuters)
Sabina Jeschke
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„Unsere ICE-Flotte hat die notwendige Technik für einen stabilen Empfang bereits an Bord, um unseren Kunden neue und komfortable Services zu bieten. 100 Millionen Euro wurden hierfür investiert. Aber was nützt die beste Technik in den Zügen, wenn wir anschließend in Funklöcher fahren“, fragt sich die Deutsche-Bahn-Technikvorständin.

(Foto: dpa)
Martin Zielke
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„Andere Länder gehen entschlossen voran, Deutschland droht zurückzufallen. Das gilt nicht zuletzt für den Netzausbau. Wenn wir bei Zukunftstechnologien wettbewerbsfähig bleiben wollen, müssen wir hier schneller vorankommen“, sagt der Commerzbank-Vorstand.

(Foto: dpa)
Stefan Dohler
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„Das derzeit bestehende marktbeherrschende Oligopol im Mobilfunkbereich ist schädigend für die Verbraucher und für den Wirtschaftsstandort“, sagt der EWE-Chef.

(Foto: dpa)

Das sollte ein Warnsignal sein. Die Politik ist dafür zuständig, den richtigen Rahmen zu schaffen, damit die Zukunft des Standorts Deutschland gesichert ist. Das ist Chance und Verantwortung. Nur ein großer Wurf, ein klarer Plan, wird die Bundesrepublik die Chancen von 5G wirklich nutzen lassen. Das muss das Auktionsdesign widerspiegeln.

Deutschland braucht 5G so schnell wie möglich und so gut wie möglich. Die Politik muss einen wirklich guten Rahmen schaffen, damit die Technik zum Erfolg werden kann – notfalls muss sie nachjustieren, auch wenn das die Vergabe verzögern könnte. Und Telekom, Vodafone und Telefónica müssen die Chance wahrnehmen, sich als gute Partner der Wirtschaft der Zukunft zu profilieren, und dürfen nicht auf möglichst wenig Auflagen durch die Politik drängen.

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