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Kommentar Deutschland muss als Industrienation Vorreiter beim Klimaschutz sein

Die Erfolge bei der Umstellung auf erneuerbare Energien hat sich Deutschland teuer erkauft. Der Nutzen für das Weltklima aber ist unbezahlbar.
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Beim Ausbau der Solarenergie ist Deutschland Europameister. Quelle: dpa
Nachhaltige Energien

Beim Ausbau der Solarenergie ist Deutschland Europameister.

(Foto: dpa)

Das hohe Engagement Deutschlands bei der Energiewende zeigt sich besonders beim fulminanten Ausbau der Solarenergie. An diesem Beispiel lässt sich aber auch trefflich darüber streiten, ob der Aufwand, der hierzulande betrieben wird, wirklich angemessen ist.

Seit die Energiewende im Jahr 2000 ausgerufen wurde, installierten die Deutschen stolze 1,7 Millionen Solaranlagen – auf Feldern, auf Fabrikanlagen, aber auch auf Hunderttausenden privaten Häusern. Die Anlagen kommen auf eine Bruttoleistung von 46 Gigawatt, das ist so viel, wie 50 große Kohlekraftwerke liefern – und das macht Deutschland zum Europameister. Weltweit sind wir die Nummer vier.

Das ist die eine Seite. Andererseits steht der Strom aus den Solaranlagen nur unregelmäßig zur Verfügung – eben nur dann, wenn die Sonne scheint. Und Deutschland ist nun mal nicht gerade mit gutem Wetter gesegnet. Vor allem aber wurde der Erfolg äußerst teuer erkauft. Den Boom der Technologie haben die Stromverbraucher mit inzwischen 70 Milliarden Euro finanziert. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantierte den Betreibern der Solaranlagen stets eine üppige Vergütung, die viel höher als der Marktpreis war – und die Differenz wurde auf den Strompreis umgelegt.

War die massive Förderung der Solarenergie vernünftig? Nein. Sie war aber trotzdem richtig. Hätte Deutschland nicht mit massivem Aufwand über das EEG den Bau von Wind- und Solaranlagen gefördert, wäre es nicht so schnell bei der Energiewende vorangekommen. Im vergangenen Jahr steuerten die erneuerbaren Energien 40 Prozent zur Stromerzeugung bei – gut acht Prozent die Photovoltaik. Der Erfolg für Umwelt und Klima ist unbestritten.

Der finanzielle Aufwand speziell für die Solarenergie mag dabei unvernünftig gewesen sein. Er hat aber auch zwei Nebeneffekte, die unbezahlbar sind: Zum einen hat Deutschland speziell mit der Förderung der Solarenergie frühzeitig Hundertausenden Bürgern die Chance gegeben, sich aktiv an der Energiewende zu beteiligen, weil sie selbst Solarmodule auf den Dächern ihrer Häuser installierten. Zum anderen ist es wichtig, dass gerade ein Industrieland im Zweifel zu viel als zu wenig Aufwand bei Energiewende und Klimaschutz betreibt.

Deutschland hat in den vergangenen knapp zwei Jahrzehnten bewiesen, das vieles machbar ist, was lange Zeit undenkbar war. Allen Bedenken zum Trotz kann ein Industrieland beispielsweise doch aus der Atomenergie aussteigen, ohne dass die Lichter ausgehen. Und Deutschland hat mitgeholfen, einigen Technologien zum Durchbruch zu verhelfen, gerade der Solarenergie.

Die Energiewende in Deutschland mag teuer erkauft sein, doch eine Industrienation wie Deutschland muss aber auch eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz übernehmen. Das ist wichtig, um Schwellen- und Entwicklungsländer mitzureißen.

Inzwischen werden in Deutschland die ersten Offshore-Windparks geplant, die ohne EEG-Vergütung auskommen. Und in dieser Woche wurde bekannt, dass in Brandenburg nicht nur der größte deutsche Solarpark entstehen soll. Er wird sich auf einer Fläche von 225 Fußballfeldern erstrecken, und genug Strom erzeugen, um rechnerisch 50.000 Haushalte zu versorgen. Der Solarpark wird noch dazu ohne EEG-Förderung auskommen. Die Preise für Solarmodule sind in den vergangenen zehn Jahren um mehr als Dreiviertel gefallen – und Deutschland hat dazu entscheidend beigetragen.

Augenmaß bewiesen

Das Projekt wird von dem süddeutschen Energiekonzern EnBW betrieben, der seine eigene Energiewende vollzogen hat. Noch vor zehn Jahren hatte die EnBW mehr als die Hälfte des Stroms mit Kernenergie erzeugt und den Rest mit Kohle und Gas. Jetzt sieht das Unternehmen die Zukunft in Wind- und Solarenergie – und zwar nicht, weil es Förderung gibt, sondern weil es sich lohnt.

Das Tempo, das Deutschland bei der Energiewende vorgelegt hat, war ambitioniert und hat Unternehmen und Verbraucher belastet. Es hat sich aber gelohnt. Jetzt muss das Tempo hochgehalten werden – und deshalb ist der Beschluss zum Kohleausstieg richtig. Auch dieses Vorhaben ist ambitioniert. Wieder stellt sich die Frage, ob ein Industrieland nach der Atomenergie auch noch aus der Kohleverstromung aussteigen kann. Es ist gut, dass dieses Vorhaben mit Augenmaß angegangen wird und die Versorgungssicherheit und die Folgen für Unternehmen und Wirtschaft berücksichtigt werden.

Deutschland wird beweisen, dass es auch diese Herausforderung meistern kann. Genauso wie Wind- und Solaranlagen immer günstiger geworden sind, wird auch das Problem der Speicherung von grünem Strom gelöst. Kleine und große Unternehmen forschen schon intensiv an den unterschiedlichsten Techniken. Wird das einfach? Nein. Wird es teuer? Ja. Aber auch beim Kohleausstieg muss Deutschland eine Vorreiterrolle übernehmen.

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