Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Deutschland muss sich im Streit um Nord Stream 2 gegen die Drohungen aus den USA wehren

Die Europäer müssen den Provokationen der Amerikaner mehr als nur kritische Worte entgegensetzen. Das aber könnte eine Sanktionsspirale in Gang setzen.
09.08.2020 - 15:27 Uhr 4 Kommentare
Immer wieder werden Unternehmen, die an dem Bau der Gaspipeline beteiligt sind, mit Sanktionen bedroht. Quelle: dpa
Nord Stream 2

Immer wieder werden Unternehmen, die an dem Bau der Gaspipeline beteiligt sind, mit Sanktionen bedroht.

(Foto: dpa)

Die Sanktionsdrohungen von drei US-Senatoren um den Texaner Ted Cruz gegen den Fährhafen Sassnitz sind ein Schlag ins Gesicht der Europäer. Die Reaktionen aus Brüssel und Berlin auf die jüngste Provokation aus den USA fallen erstaunlich milde aus. Sollten EU-Kommission und Bundesregierung die Drohungen etwa nicht ernst nehmen? Das wäre fahrlässig.

Dass die Amerikaner grundsätzlich keine Hemmungen haben, vom Instrument extraterritorialer Sanktionen rücksichtslos Gebrauch zu machen, belegt ein Blick auf das Beispiel Iran. Die Bemühungen der Europäer, europäische Unternehmen vor den Folgen dieser Politik zu schützen, erweisen sich als wirkungslos.

Hinzu kommt: Das Thema Nord Stream 2 ist zwischen Republikanern und Demokraten nicht umstritten. Im Gegenteil, beide Seiten ziehen hier an einem Strang. Niemand darf daher die Hoffnung hegen, im Falle eines Machtwechsels nach den US-Wahlen im November werde sich die Lage normalisieren.

Wer nun glaubt, die Amerikaner wollten mit ihren Maßnahmen Deutschland und den Rest Europas aus den Klauen Russlands befreien, der täuscht sich. Die Amerikaner lassen sich selbst gern von Russland beliefern: Weil den USA das venezolanische Öl wegen der Sanktionen gegen das Maduro-Regime fehlt, greifen sie freudig auf russisches Öl zurück, das die US-Raffinerien bestens verarbeiten können. Es ähnelt in seiner Beschaffenheit dem Öl aus Venezuela.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Seit 2018 hat sich die Menge des aus Russland in die USA importierten Öls verdoppelt. Washington poltert, die Europäer dürften den Russen kein Geld in den Rachen werfen („Don’t feed the beast“). Sie selbst tun dies aber in erheblichem, steigendem Maße. Diese Verlogenheit ist schwer zu überbieten.

    Darf man die Amerikaner gewähren lassen? Die USA bauen seit Jahren massiven Druck auf. An ihrer Entschlossenheit, Nord Stream 2 zu verhindern, gibt es nicht den geringsten Zweifel. Es droht die Gefahr, dass Milliardeninvestitionen europäischer Unternehmen, die die Pipeline ja zur Hälfte finanzieren, auf dem Grund der Ostsee verrotten.

    Einzelne Politiker in Deutschland bringen Gegenmaßnahmen ins Gespräch, etwa einen Importzoll auf US-Gaslieferungen nach Europa. Zugleich will aber niemand eine Sanktionsspirale in Gang setzen.

    Europa steckt in einem Dilemma, für das es keine elegante Auflösung gibt. Alle Handlungsalternativen sind problembehaftet. Am wenigsten erfolgversprechend dürfte es allerdings sein, tatenlos zu bleiben und auf die nächste Provokation aus den USA zu warten.

    Mehr: US-Sanktionsdrohungen wegen Nord Stream 2 schlagen hohe Wellen

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Deutschland muss sich im Streit um Nord Stream 2 gegen die Drohungen aus den USA wehren
    4 Kommentare zu "Kommentar: Deutschland muss sich im Streit um Nord Stream 2 gegen die Drohungen aus den USA wehren"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Tja, wenn wir nur EIN Europa hätten ....

    • Es ist an der Zeit, Ted Cruz, Tom Cotton und Ron Johnson und Unterstützer ihrer Politik den Deutschen Unmit nicht mehr nur verbal, sondern auch materiell spüren zu lassen. Ihr Verhalten muss einen Preis haben. Zu diesem Zweck könnte man z.B. die finanziellen Unterstützer, die teilweise auch nennenswerte Geschäfte in Deutschland unterhalten, mit negativen Folgen für diese Geschäfte konfrontieren. Wenn z.B. Lockheed Martin Tom Cotton und Ted Cruz unterstützt, was dokumentiert ist (www.opensecrets.org), wäre es nur folgerichtig, Lockheed Martin keine weiteren Aufträge des Bundes zu geben, solange diese Politik verfolgt wird oder diese Politker weiter unterstützt werden. Goldman Sachs finanziert Tom Cotton. Ron Johnson erhält Geld direkt von Koch industries. Warum sollte das Unternehmen in Deutschland also Auftrräge der öffentlichen Hand erhalten ? Auch ohne Gesetz könnten private Unternehmen Geschäfte mit derartigen Handelspartnern mit Verweis auf diese Politk reduzieren. Dies könnte man auf die individuellen Spender an die diversen PACs ausdehnen. Auch deutsche Unternehmen in den USA sollten kein Geschäft an diese Unterstützer vergeben. Hierzu müsste jedoch der poltiische Wille erst einmal formuliert werden.

    • @Christian Weise
      Ein guter Vorschlag. Im Rahmen der Corona-Krise alle Sanktionen aufheben, weltweit. Geht es Menschen wirtschaftlich gut, fordern sie mehr Freiheiten, d.h. sie können sich sogar mehr Freiheiten leisten.

    • Man wehrt sich gegen Sanktionen am besten nicht mit Gegensanktionen, sondern mit der Aufhebung von Sanktionen und Handelshemmnissen. Wenn die USA weiter Ärger wegen der Gaspipeline machen, kann Deutschland einfach die Sanktionen gegen Russland aufheben. Die Krim wird sowieso nicht mehr an die Ukraine zurückgegeben.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%