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Kommentar Deutschland spielt bei Börsengängen nur in der dritten Liga

Der Freizeitmobil-Hersteller Kanus Tabbert schleppt sich mit Mühe an die Börse. Die Emission legt auch ein gravierendes Strukturproblem des Frankfurter Aktienmarktes offen.
23.09.2020 - 11:21 Uhr Kommentieren
Deutsche Unternehmen wie der Wohnmobilhersteller Knaus Tabbert haben beim Börsengang oft Probleme. Quelle: dpa
Bulle und Bär an der Frankfurter Börse

Deutsche Unternehmen wie der Wohnmobilhersteller Knaus Tabbert haben beim Börsengang oft Probleme.

(Foto: dpa)

Alles sah nach einem Selbstläufer aus. Halb Deutschland fährt von Flensburg bis zum Bodensee mit Wohn- und Freizeitmobilen durch die Gegend, die Coronakrise hat der Branche eine Sonderkonjunktur beschert. Ein erfolgreicher Börsengang des Herstellers Knaus Tabbert war damit programmiert, dachte man.

Aber es kam anders. Der Spezialist für Freizeitmobile musste bei seinen Preisvorstellungen spürbare Abschläge hinnehmen und ein deutlich niedrigeres Emissionsvolumen akzeptieren. Die Aktie startete dann auf Ausgabepreis-Niveau.

Der Fehlstart an der Frankfurter Börse nach den Sommerferien dürfte einerseits am Geschäftsmodell liegen. Die professionellen Investoren blicken bereits auf die Zeit nach der Coronakrise und fürchten, dass sich der Boom bei den rollenden Ferienbehausungen langfristig wieder abschwächen könnte.

Außerdem stößt die Branche auch an andere Hürden, denn die große Zahl an Wohnmobilen stellt die Kommunen und die Verkehrsinfrastruktur in den Urlaubsgebieten mittlerweile vor große Probleme. Die Diskrepanz zwischen der Werbung mit einem freistehenden Camper am See und den engen Wohnmobilreihen in der Realität wird immer größer.

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    Der holprige Börsenstart offenbart auch ein strukturelles Problem des Frankfurter Aktienmarkts. Es mangelt schon seit Jahren an zugkräftigen IPOs aus den Bereichen Biotech, Social Media, E-Commerce und Software.

    Deutschland muss die Börse endlich als Wettbewerbsfaktor erster Güte begreifen

    Seltene Ausnahmen waren der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers und Teamviewer aus dem Segment der Fernwartung und -steuerung von PCs. Mittlerweile funktioniert die Finanzierung der Start-ups in Deutschland zwar ganz gut, aber es fehlt der Exit-Kanal über die Börse.

    Curevac zog es zuletzt an die Nasdaq, und andere innovative Firmen liebäugeln ebenfalls mit der US-Technologiebörse oder mit der Notierung an der Mehrländerbörse Euronext. Die beiden einzigen großen europäischen E-Commerce-Börsengänge Allegro und The Hut Group finden in Warschau und London statt. Hierzulande tritt Rocket Internet sogar den Rückzug von der Börse an.

    Deutschland muss die Börse und die IPOs endlich als Wettbewerbsfaktor erster Güte begreifen, wenn man am Kapitalmarkt nicht ins Abseits geraten will. Das chinesische Fintech-Unternehmen Ant von Jack Ma hatte jüngst angekündigt, dass man beim Börsengang mindestens 35 Milliarden Dollar erlösen will.

    Und der amerikanische Cloud-Data-Spezialist Snowflake hat bei seinem Börsengang vor Kurzem 3,36 Milliarden Dollar eingesammelt. Mit viel Glück werden alle IPOs in Deutschland 2020 an diesen Wert heranreichen – die Deutsche Börse spielt bei Neuemissionen mittlerweile in der dritten Liga.

    Mehr: Alibaba-Fintech Ant nimmt wichtige Hürde für Börsengang.

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