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Kommentar Deutschland versagt bei der digitalen Pandemiebekämpfung

Die Ämter sind mit steigenden Infektionszahlen und Teil-Lockdown überfordert. Schuld an ihrer schleppenden Digitalisierung ist nicht nur der Datenschutz.
02.11.2020 - 12:59 Uhr Kommentieren
Die Anwendung wurde bereits millionenfach heruntergeladen. Quelle: dpa
Corona-App

Die Anwendung wurde bereits millionenfach heruntergeladen.

(Foto: dpa)

Die Coronakrise beschleunigt die Digitalisierung. Die digitale Pandemiebekämpfung aber läuft schleppend. Dafür gibt es mehrere Beispiele.

Die digitale Einreiseanmeldung: Darüber können sich Rückkehrer aus Risikogebieten mit einem Internetformular statt eines Zettels bei Behörden melden. Sie kommt viel zu spät, man hätte sie schon in den Sommer- und Herbstferien gebraucht.

Die Corona-Warn-App: Sie verfügt über weltbesten Datenschutz und viele Nutzer, dennoch bietet sie wenig Nutzen im Kampf gegen die Pandemie. Die Gesundheitsämter: Sie sind kaum digitalisierter als vor der Coronakrise. Auch von der Corona-Warn-App haben die Behörden wenig, dabei sollten sie davon am meisten profitieren.

Stattdessen müssen Ämter etwa in Berlin und Frankfurt die Kontaktnachverfolgung wegen Überforderung aufgeben. Bei 75 Prozent der Corona-Infektionen wisse man nicht, woher sie kommen, begründete Bundeskanzlerin Angela Merkel die strengen Corona-Maßnahmen.

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    Keiner hat erwartet, dass die digitale Pandemiebekämpfung von heute auf morgen funktioniert. Dass aber nach mehr als einem halben Jahr so gut wie nichts funktioniert, ist ein Albtraum. Die Quittung kommt jeden Morgen mit den steigenden Infektions- und Todeszahlen und einem zweiten Teil-Lockdown, der die Freiheit aller einschränkt und Existenzen vernichtet.

    Es liegt nicht nur am Datenschutz

    Länder wie Südkorea, Taiwan und Japan zeigen, dass man nicht in einer Diktatur wie China leben muss, um das Virus mit digitalen Hilfsmitteln in den Griff zu bekommen. Dort arbeiten die Behörden so effizient und ohne Rücksicht auf die Privatsphäre, wie man es sich hier kaum vorstellen kann.

    Sie können GPS-Daten auslesen, Kreditkartenzahlungen nachverfolgen und Überwachungskameras auswerten, um jeden Kontakt eines Corona-Infizierten mit den Methoden einer Verbrecherjagd aufzuspüren. Jetzt rufen wieder einige – durchaus zu Recht – Datenschutz! Aber daran liegt es nicht immer.

    Das digitale Einreiseportal verzögerte sich aus technischen Gründen wegen fehlender Schnittstellen, heißt es. Und selbst bei der Corona-App lässt sich mit den hiesigen Datenschutz-Standards noch viel mehr erreichen.

    Ein Anfang wäre es, endlich alle Labore an die App anzuschließen. Außerdem könnte die Anwendung das Risiko einer Infektion besser berechnen, wenn sie wüsste, ob sich der Nutzer in einer Menschengruppe mit später positiv Getesteten aufgehalten hat. Eine solche Cluster-Auswertung brachte kürzlich der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach ins Spiel.

    Noch weitreichender wäre es, den Datenschutz der App zu lockern, indem Gesundheitsämter auf die Daten der App zugreifen könnten. Dann würden positive Befunde und die Risikobegegnungen automatisch an die Behörden weitergegeben – es sei denn, der Nutzer widerspricht. Ein Versuch ist es wert. Aber nicht erst zu Weihnachten, bitte.

    Mehr: Politiker stellen strengen Datenschutz der Corona-Warn-App infrage.

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