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Kommentar Deutschland versagt beim Schutz seiner Kinder

Die Zahl vernachlässigter Kinder hat im Coronajahr noch einmal zugenommen und die Schulen sind für steigende Fallzahlen nicht gerüstet. Das muss ein Weckruf sein.
21.07.2021 - 15:48 Uhr Kommentieren
Den Schulden droht nach den Sommerferien erneut ein Stolperstart. Quelle: dpa
Schule

Den Schulden droht nach den Sommerferien erneut ein Stolperstart.

(Foto: dpa)

Berlin Als Deutschland sich Ende vergangenen Jahres in den zweiten Corona-Lockdown fügte, waren sich alle einig: Schulen und Kitas zuletzt! Die Bildungs- und Erziehungseinrichtungen sollten von Schließungen möglichst verschont bleiben. Es kam bekanntlich anders.

Die Quittung dafür hat nun gerade das Statistische Bundesamt geliefert – mit einer erschreckenden Zahl: Im Corona-Jahr 2020 sahen die Jugendämter das Wohl von rund 60.000 Kindern innerhalb ihrer Familien in Gefahr. Das sind neun Prozent mehr als im Vorjahr und stellt einen neuen Höchststand dar.

Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen, weil nicht nur die Fachkräfte in Schulen und Kitas die Kinder seltener oder gar nicht zu Gesicht bekamen, sondern auch die Jugendämter die Familien wegen des Lockdowns schwerer erreichten.

Im Vergleich zum Vorjahr kamen deutlich mehr Hinweise von besorgten Nachbarn oder Bekannten und weniger aus den Schulen. Mehr als jedes zweite der betroffenen Kinder wies Zeichen von Vernachlässigung auf.

Auch wenn es für die Corona-Pandemie noch kein erprobtes Krisenkonzept gab, so unterstreichen die Zahlen einmal mehr: Ausgerechnet die Schwächsten der Gesellschaft wurden am wenigsten geschützt. Zuerst starben die Senioren in den Altenheimen. Dann wurden die Kinder – und mit ihnen auch viele Eltern – im Stich gelassen.

Schulen stehen erneut vor einem Stolperstart

Gelernt haben die Verantwortlichen aus den Fehlern der Vergangenheit nichts. Ende Juli, Anfang August enden in den ersten Bundesländern die Schulferien. Doch erst vor einer Woche hat das Bundeskabinett beschlossen, den Einbau von Luftfiltern in Schulen mit 200 Millionen Euro zu fördern. Sollte die Delta-Variante die Infektionszahlen bis zum Ende der Ferien, die in einigen Ländern noch bis September dauern, weiter in die Höhe treiben, droht den Schulen erneut ein Stolperstart.

Dabei hat die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina gerade noch einmal darauf hingewiesen, dass nicht nur Vernachlässigung ein Problem sein kann, wenn Kinder über Monate weitgehend auf sich und ihre Eltern gestellt sind.

Die während der Krise erlittenen Bildungsverluste drohen lange nachzuwirken und mindern das Einkommenspotenzial der betroffenen Generation. Und das gerade bei leistungsschwächeren Schülern aus bildungsfernen Familien. In einem Land, das so viel auf seine Soziale Marktwirtschaft hält, muss das ein Weckruf sein. Noch mehr vernachlässigte Kinder darf es nicht geben – weder in kritischen Elternhäusern noch in den Schulen.

Mehr: Der Bund hat beim Thema Luftfilter für Schulen viel zu zögerlich agiert

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