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Kommentar Deutschland versenkt die Werftenindustrie

Die Vergabe des Kriegsschiff-Auftrags an die Niederlande wird Folgen haben. Die deutschen Schiffbauer müssen nun um ihre Eigenständigkeit bangen.
15.01.2020 - 11:11 Uhr 6 Kommentare
Die Niederländer gelten als liefertreu und technologisch gut. Quelle: imago/Hollandse Hoogte
Damen-Werft in Vlissingen

Die Niederländer gelten als liefertreu und technologisch gut.

(Foto: imago/Hollandse Hoogte)

Mit der Vergabe des milliardenschweren Fregattenauftrags MKS 180 hat die Bundesregierung die Weichen für die Neuordnung der deutschen Werften gestellt. Den Zuschlag erhielt die niederländische Damen-Werft, die nun vier Mehrzweckkampfschiffe (MKS 180) bauen wird.

Gefertigt werden die Einheiten zwar in den Baudocks der Bremer Lürssen-Werft, wesentliche Teile wie Design und Konstruktion werden aber von den Niederländern übernommen. Die Elektronik liefert zudem mit Thales eine französischer Rüstungsanbieter.

MKS 180 ist nicht irgendein Auftrag. Mindestens 5,3 Milliarden Euro kosten die Fregatten, die mit einer Länge von 180 Metern in weltweiten Gewässern einsetzbar sein sollen. Sie soll Rückgrat und Aushängeschild der Wasserstreitkräfte werden. Und es sollte von dem Auftrag ein Signal ausgehen: Mit den Schiffen wollte die schwarz-rote Regierungskoalition das Fundament für ein Erstarken der deutschen Werftenindustrie legen.

Doch daraus wir nun erstmal nichts. Technologisch sollten die heimischen Werften weltweit führend werden, so ist es im Kern im Koalitionsvertrag festgehalten. Von dieser Vision war die Branche zuletzt allerdings weit entfernt. Selbst einfachste Einheiten konnten die Schiffbauer nicht fristgerecht und zum vereinbarten Preis abliefern.

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    Das Problem lag dabei vor allem beim Marktführer Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS). Seinem einstigen Hauslieferanten hat der Bund nun gleich zwei Mal eine Absage erteilt. Zunächst sortierten die Ministeriellen das direkte Angebot des Ruhrkonzerns aus, dann lehnte es die neben Damen verbliebene German Naval Yards (GNY) ab, die mit Thyssen-Krupp zusammen die MKS 180-Einheiten bauen wollte.

    Die Entscheidung für Damen ist nachvollziehbar. Die Niederländer gelten als liefertreu und technologisch gut. Mit dem Zuschlag schafft das Verteidigungsministerium nun aber Fakten, die mit dem Koalitionsvertrag unvereinbar sind. Ohne eine Beteiligung an MKS 180 werden Thyssen-Krupp und GNY auf dem Weltmarkt nicht bestehen.

    Welche Marine kauft schon bei einer Werft, die nicht einmal das Vertrauen ihres Heimatlandes genießt? Ohne diese Basis werden die Werften nicht lange unabhängig bleiben. Gerade an TKMS ist das Interesse groß, gehört die Gruppe doch zu den weltweit führenden Herstellern von U-Booten.

    Da die möglichen Käufer im Ausland sitzen, dürfte die Bundesregierung mit dem MKS 180-Deal nicht das Fundament für ein Erstarken der Industrie geschaffen, sondern dieses zerbröselt haben. An das Versagen der Industrie in der Vergangenheit knüpft sich nun das Versagen der Politik an.

    Mehr: Es ist der größte Marineauftrag in der Geschichte der Bundesrepublik: Die niederländische Damen-Werft soll die Großkampfschiffe MKS 180 bauen. Das hat weitreichende Folgen.

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    6 Kommentare zu "Kommentar: Deutschland versenkt die Werftenindustrie"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • ich kann die Entscheidung verstehen, da brauche ich nur an das Drama mit der Gorch Fock denken

    • Ein bisschen reißerisch ist der Titel schon.
      Besser als der Bau von Kriegsschiffen ist sowieso der Bau von "friedlichen" Schiffen - und damit kann man auch Geld verdienen, wie es etwa die Meyer-Werft in Papenburg beweist. Der kam insbesondere der Kreuzfahrt-Boom in den letzten Jahrzehnten zugute. Waren Kreuzfahrten früher nur ein Luxus für die "oberen Zehntausend", so sind sie heute auch für Otto-Normaltourist erschwinglich. PREIS-Deflation ist also alles andere als "schlecht", wie es manche verirrte Ökonomen immer noch lehren. Künstlich unerschwinglich wollen sie heute nur wieder die verirrrten Klima-Fanatiker machen.
      Bekommen Werften weniger Aufträge, kann man das aber als Frühindikator einer aufziehenden globalen Rezession sehen.

    • Ich kann die Entscheidung nachvollziehen! Die deutschen Werften waren in den letzten 20 Jahren nicht in der Lage eine Fregatte oder Korvette abzuliefern, welche ohne Probleme funktionierte und abgenommen werden konnte. Ich erinnere an die Korvette K-130 1.Los, an die neue Fregatte F-125 und damals an die Fregatte F-124.
      Die Bundeswehr ist nicht dazu da, die deutsche Werftindustrie zu subventionieren!

    • Das ist jetzt aber echt doof, daß es außerhalb Deutschlands innerhalb der EU noch Mitbewerber gibt, die dann auch noch den Zuschlag erhalten. Marktwirtschaft kann so "ungerecht" sein.

    • Das hätte wohl kein anderes Land mit einer eigenen Werftenindustrie zugelassen.

    • Jetzt "platzt" auch mir der Kragen.
      Wie bescheuert sind eigentlich die verantwortlichen Politiker und Abgeordnete?

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