Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Deutschland vor der Lockdown-Verlängerung: Jetzt bleibt nur der Holzhammer

Alles läuft darauf hinaus, dass die Lockerungen zurückgenommen werden müssen. Damit rächen sich die Versäumnisse der vergangenen Monate.
22.03.2021 - 04:00 Uhr 7 Kommentare
Der Lockdown lässt die Innenstädte veröden. Quelle: dpa
Fußgängerzone in Wiesbaden

Der Lockdown lässt die Innenstädte veröden.

(Foto: dpa)

Wenn irgendwann einmal wissenschaftlich aufgearbeitet wird, welcher Staat im Kampf gegen Corona erfolgreich war und welcher nicht, wird Deutschland sicher nicht auf einem der vorderen Plätze auftauchen. Bund und Länder haben inkonsequent und bisweilen auch falsch entschieden.

Eine Folge dieser Entscheidungen wird voraussichtlich sein, dass der Lockdown in den April hinein verlängert wird. Leider ist der Handlungsspielraum mittlerweile so verengt, dass weniger radikale Maßnahmen nicht zur Auswahl stehen. Man hat die entsprechenden Instrumente nicht zur Hand. Das gehört zu den unentschuldbaren Versäumnissen der Politik.

Die Liste dieser Versäumnisse beginnt beim Impfen und Testen, sie führt über die Probleme mit der Corona-Warn-App und endet bei so banalen Themen wie der Frage, warum und in welchem Bundesland Gartenmärkte geöffnet haben dürfen oder nicht.

Es hat Wochen gedauert und bedurfte erst eines sogenannten „Impfgipfels“ am vergangenen Freitag, ehe der Startschuss für den Einsatz der Hausärzte erfolgte. Es hätte allen Beteiligten genutzt, die Weichen viel früher zu stellen. Denn auch das Impfen bei den Hausärzten muss logistisch vorbereitet werden. Je früher sich die Ärzte darauf einstellen können, desto besser.

Die Fehler bei der Impfstoffbeschaffung, die zum Teil auch der EU-Kommission anzulasten sind, muss man hier gar nicht auswalzen. Es soll der Hinweis genügen, dass der Knappheit bei der Verfügbarkeit von Impfstoffen irgendwann ein Überschuss folgen wird. Die Vorstellung, dass der Impfstoff dann auf Halde liegt, weil er nicht rasch genug verimpft werden kann, ist gruselig, aber realitätsnah.

Desaströse Lage an den Schulen

In diesem Kontext fragt man sich auch, warum in den Impfzentren an Wochenenden weniger geimpft wird als an Wochentagen. Am fehlenden Impfstoff scheint es nicht immer zu liegen. So reiht sich Unzulänglichkeit an Unzulänglichkeit.

Desaströs ist die Lage an den Schulen. Man hört zwar von Schulen, denen es gelungen ist, einigermaßen verlässliche Konzepte umzusetzen. Sie ermöglichen es, dass Schülerinnen und Schüler nicht komplett ohne Lernfortschritte daheim versauern.

Flächendeckend sind solche Erfolge aber nicht. Die Debatten über den Einsatz von Luftreinigern in Klassenräumen und über die Frage, welches Videoprogramm für den Distanzunterricht datenschutzrechtlich unbedenklich ist, sind abschreckende Beispiele. Sie stehen für Bürokratie, fehlenden Pragmatismus und vertane Chancen. Sie verdeutlichen überdies, dass der Föderalismus in Krisenzeiten an seine Grenzen stößt.

Gut ein Jahr nach dem Ausbruch der Pandemie scheint Deutschland nicht viel gelernt zu haben. Die mangelnde Erneuerungsfähigkeit erweist sich als schwere Bürde. Das führt dazu, dass man jetzt wieder zum Holzhammer greifen muss, um das Schlimmste zu verhindern. Das ist eines hochentwickelten Industrielandes unwürdig.

Mehr: Diese Tücken hat der Fokus auf die Inzidenzzahlen

Startseite
Mehr zu: Kommentar - Deutschland vor der Lockdown-Verlängerung: Jetzt bleibt nur der Holzhammer
7 Kommentare zu "Kommentar: Deutschland vor der Lockdown-Verlängerung: Jetzt bleibt nur der Holzhammer"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Dieser Kommentar trifft es gut. Leider läuft es in einigen anderen EU-Ländern aber auch nicht besser, siehe Tschechien, Ungarn, Polen, Italien, Frankreich, Niederlande...
    Erstaunlich positiv läuft es hingegen zu Zeit in Portugal.

  • Hallo Herr Stratmann, bitte nennen Sie doch die Quelle aus der Sie Ihr Wissen zu den Infektionen in Gartenmärkten beziehen.
    Meines Wissens gibt es keinen Nachweis dafür, dass Geschäfte, Restaurants oder Baumärkte Infektionstreiber sind. Die Ansteckung findet zu hause statt, weil der Staat die Bürger genau dort einsperrt. Geschäfte etc. öffnen und Altenheime schützen wäre die richtige Strategie gewesen und das war schon Mitte letzten Jahre bekannt. Alle anderen Lockdownmaßnahmen waren Nebelbomben, die das Versagen beim Testen und Impfen überdecken sollten.
    Es geht nicht um Inzidenzwerte, die ohnehin keine Aussakraft mehr besitzen, sondern um die Auslastung der Krankenhäuser und die Sterbefälle.

  • Dieser Kommentar reiht sich ein in den bunten Reigen "staatsgläubiger Kommentare". Und er erfreut sich offenbar daran, dass man in Deutschland nun mit Kanonen auf Spatzen schiesst.

    Wer ist schuld? Angeblich Deutschland.
    Stimmt das? Nein. Verantwortlich für das Desaster ist Merkel. Sie ist Kanzlerin und gibt seit langem hier den Ton an.

    1. Merkel wollte den Impfstoff möglichst umständlich über die EU einkaufen, statt direkt in Deutschland beim Hersteller. Ausserdem setzte sich Merkel dafür ein, grosse Mengen vom besten Impfstoff, Biontech, ans Ausland zu verschenken. Damit die Impfkampagne hier noch möglichst lange verzögert werden konnte, oder?

    2. Merkel sorgte dafür, dass nicht genug Tests da sind. Nun macht Merkel die Auflage, dass überall in Deutschland auf Teufel komm raus, mindestens 2-mal wöchentlich, getestet werden soll (in den Schulen, Betrieben,etc.). Ist das nicht möglich, drohen Schliessungen. Da man nicht genügend Tests hat, sind Schliessungen "vorprogrammiert". Das ist ja offenbar auch der Wunsch von Merkel: "Schliessen, schliessen, schliessen."

    3. Wer verhinderte, dass in Hausarztpraxen geimpft werden darf? Merkel. Und zwar seit Monaten.

    4. Wer beharrte stur darauf, dass die "Impf-Reihenfolge" strikt eingehalten werden muss, auch wenn dabei dann eine Menge Impfstoff weggeschmissen wird? Merkel und die SPD.
    Die SPD bestand darauf, "Impf-Vor-Drängler" mit Geldbussen bis zu 25.000 Euro bestrafen zu dürfen.

    Wozu braucht man eine staatlich festgelegte "Impf-Reihenfolge"? Warum bestraft man "Impf-Willige" äusserst "hart", die sich sofort impfen lassen wollen?

    Man hätte ja auch einfach jeden impfen können, der es will. Termin über die Hausarztpraxis vereinbaren und fertig. Das hätte aber einen Nachteil: es würde funktionieren.

    Der Autor freut sich über den verschärften Lockdown. Er freut sich darüber, dass bald bundesweit alle Friseure dauerhaft schliessen, die Schulen zu sind und eine nächtliche Ausgangssperre verhängt wird.

    Was ist daran toll?

  • Holzhammer ist das falsche Wort: das merklische nichts tun. Nichts anderes ist das, als nichts tun.
    Über Luftfilterkonzepte nachdenken, überlegen wie ein Leben mit dem Virus wieder im vollen umfang möglich ist, wäre wünschenswert. AHA-Regeln können ruhig ein Teil unseres Lebens sein, aber dieses tatenlose, dieses aussitzen macht einfach nur wütend.
    Bloss keine neuen Wege gehen, bloss nix riskieren.

  • Einzigst desaströs ist, dass ich ein ganzes Volk in die Geiselhaft nehme, obwohl belegter Weise lediglich sogar sehr eng definierbare Risikogruppen tatsächlich ein PROLBEM mit Corona haben.

    Allein die Maßnahmen-Orgie der Regierung macht Corona zum Problem für alle - unter massiver Ignoranz von nunmehr tausenden fachkompetenten Belegen.

    Eine solch willkürliche Verfahrensweise allein mit "unfähig" abzutun, ist fast schon charmant und geht am Kern vorbei.

    Hier werden erkennbar willkürlich Interessen selektiert und bedient - die aber so gar nicht mit unseres Volkes Gemeinwohlanspruch überein stimmen.

  • 16 Jahre Merkelregierung haben eine fortschrittsfeindliche, mutlose und verängstigte Bevölkerung hinterlassen, die ihr Heil in risikoloser staatlicher Bevormundung und Umverteilung sucht.
    Weltspitze ist dieses Land nur noch im Moralisieren und Überheblichkeit andere zu belehren wie sie in Zukunft zu leben, zu reden und sich zu verhalten haben. Ökonomisch und gesellschaftlich hat diese Regierung leider damit die Zukunftsperspektive vieler Mitbürger zerstört.

  • Ein kluger Kommentar. Ich möchte die schier endlose Liste der politischen Versäumnisse um ein weiteres Beispiel ergänzen. Es fehlt nach einem Jahr Pandämie weiterhin eine belastbare Datenbasis, um Verbreitung und Effekte des Virus fundiert zu analysieren. Dabei zähle ich den unaufhörlichen Redefluss von Herrn Lauterbach nicht zu den verlässlichen Datenquellen. Es fehlt weiterhin eine Kohortenstudie in einem repräsentativen Bevölkerungsquerschnitt, die zeigt, wie verbreitet das Virus tatsächlich ist und wie und wo es sich entwickelt. So haben wir - um nur ein Beispiel zu nennen - auf die simple und wichtige Frage, ob Lehrer einem besonderen Infektionsrisiko ausgesetzt sind, keine Antwort, und suchen offensichtlich auch nicht danach. Dadurch fehlen uns die Grundlagen für gezielte und verhältnismäßige Maßnahmen. Stattdessen bilden auch nach einem Jahr noch immer statistisch inhaltsleere Absolutzahlen über Inzidenzen die Richtschnur für politisches Handeln.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%