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Kommentar Deutschlands Banken dürfen die Coronakrise nicht verschwenden

Für die Geldhäuser bietet die Pandemie die Chance, radikale und schmerzhafte, aber dringend notwendige Reformen durchzusetzen.
01.09.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Viele deutsche Banken ringen auch zwölf Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise um ein tragfähiges Geschäftsmodell. Quelle: dpa
Frankfurts Bankenskyline im Dunst

Viele deutsche Banken ringen auch zwölf Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise um ein tragfähiges Geschäftsmodell.

(Foto: dpa)

„Jede Krise bietet auch eine Chance“: Solche Sprüche hinterlassen meist einen schalen Nachgeschmack, weil sie nach billiger, wohlfeiler Lebenshilfe klingen. Aber etwas Wahres ist trotzdem dran, und im Englischen wirkt das Ganze auch gleich sehr viel pragmatischer: „Never waste a good crisis“ – verschwende niemals eine gute Krise. Will heißen, in Krisenzeiten lassen sich grundlegende Reformen und Umbauten durchsetzen, die zwar schmerzhaft sind, an denen auf längere Sicht aber ohnehin kein Weg vorbeiführt.

Die Finanzkrise vor mittlerweile zwölf Jahren haben viele deutsche Banken vielleicht nicht unbedingt verschwendet, aber sie haben sie auch nicht so radikal genutzt, wie es nötig gewesen wäre. Deshalb sind Institute wie die Deutsche Bank und die Commerzbank noch immer in einem kräftezehrenden Umbauprozess gefangen, den viele Wettbewerber in den USA und Europa bereits seit geraumer Zeit hinter sich haben.

Umso wichtiger ist es, dass die heimischen Geldhäuser die Chance, die ihnen die Coronakrise bietet, nicht verpassen. Die Pandemie wirkt wie ein Katalysator für die Digitalisierung, jenen Megatrend also, der Gewinner und Verlierer in der Finanzbranche völlig neu ordnen wird. Außerdem wird durch die Pandemie endgültig klar, dass abwarten und auf bessere Zeiten hoffen keine Alternative ist.

Die lebenserhaltenden Maßnahmen, die die Notenbanken nach Ausbruch der Pandemie für die globale Wirtschaft eingeleitet haben, schreiben die Ära der Mini- und Minuszinsen auf unabsehbare Zeit fort. Für die Banken ist das mehr als eine unangenehme Nebenwirkung. Für viele könnten die unendlichen Niedrigstzinsen auf Dauer gefährlicher werden als die unmittelbaren Folgeschäden der Coronakrise.

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    Jahrelang haben große heimische Banken vorgerechnet, wie schön ihre Renditen aussehen würden, wenn sich die Geldpolitik nur endlich normalisieren würde. Spätestens jetzt ist klar, dass das illusionäre Zahlenspielereien waren. Die Banken brauchen robuste Geschäftsmodelle, die auch bei Dauer-Minizinsen tragen.

    In der Praxis wird das voraussichtlich auf der einen Seite zu sehr schlank aufgestellten, hochdigitalisierten Universalbanken führen und auf der anderen Seite zu Instituten mit spezialisiertem Geschäftsmodell, die lukrative Nischen besetzen oder große Spieler aus der Hightech-Welt wie Apple, Google oder Amazon mit Finanzprodukten beliefern.

    Der Anpassungsprozess wird in jedem Fall schmerzhaft. Viele Banken werden auf die ein oder andere Weise vom Markt verschwinden, Zehntausende Banker werden ihre Jobs verlieren.

    Es reicht nicht, die richtige Strategie im Kopf zu haben

    Das ist bitter, aber kaum vermeidbar. Um den Wandel in Gang zu setzen, sind nicht nur mutige unternehmerische Entscheidungen notwendig, sondern auch die Kraft und Entschlossenheit, diese Entscheidungen durchzusetzen.

    Der zweite Teil ist dabei genauso wichtig wie der erste. Es reicht nicht, die richtige Strategie im Kopf zu haben – man muss sie auch bis in die Filialen und in den Alltag von Kundenbetreuern, Sachbearbeitern und Investmentbankern tragen. Der ehemalige Deutsche-Bank-Chef John Cryan und der scheidende Commerzbank-Chef Martin Zielke haben schmerzhaft erfahren, welche Beharrungskräfte große Organisationen entfalten können.

    Nach Jahren der Irrungen und Wirrungen scheint sich unter Christian Sewing bei der Deutschen Bank tatsächlich die Erkenntnis durchgesetzt zu haben, dass ein verkapptes „Weiter-so“ die Krise nur verschleppt und damit verschlimmert. Für die Commerzbank heißt es nach dem Rücktritt von Vorstands- und Aufsichtsratschef dagegen erst einmal: „Zurück auf Los“.

    Das ist eine gefährliche Sache. Denn die Coronakrise ist für die Banken natürlich nicht nur eine Chance, sich neu zu erfinden, sondern erst einmal ein Risiko.

    Früher oder später wird die befürchtete Pleitewelle durch die deutsche Wirtschaft rollen und zuerst die Unternehmen und dann die Banken treffen. Doch es gibt ein paar Argumente, die den Instituten Mut machen sollten: Zum einen ist Deutschland noch immer die robusteste Wirtschaft in der Euro-Zone.

    Zum anderen gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen der Finanzkrise und der Corona-Pandemie. Vor zwölf Jahren lag das Epizentrum des Bebens bei den Banken. Als die Schockwellen von dort die Realwirtschaft erreichten, trafen sie quasi alle Branchen.

    Dieses Mal konzentrieren sich die Schäden (zumindest vorläufig) auf einige Sektoren wie Luftfahrt, Tourismus und Gastronomie. Wer als Bank keine Klumpenrisiken in der Bilanz hat, könnte also noch einmal mit einem blauen Auge davonkommen, vorausgesetzt, es gibt keinen zweiten Lockdown.

    Der Spruch, dass man Krisen nicht verschwenden soll, hat sich schon lange in der Praxis bewährt. Allerdings handelt es sich nicht um eine absolute Wahrheit. Die Krise darf nicht so heftig wüten, dass sie das gesamte System zerstört.

    Dieses Schreckensszenario lässt sich nicht ausschließen – aber Stand jetzt stehen die Chancen nicht schlecht, dass die Coronakrise als Katalysator wirkt und nicht der Auslöser für die nächste Bankenkrise ist.

    Mehr: Sparkassen in der Coronakrise: „Wir müssen an jedem Schräubchen drehen“

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