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RWE-Kraftwerk

Vor einem Jahrzehnt zählten deutsche Konzerne noch zur Spitzengruppe der europäischen Energiebranche.

(Foto: dpa)

Kommentar Deutschlands Energiekonzerne sind Zwerge, keine Champions

Für die Branche kommt die Diskussion um die Industriepolitik zu spät. Eon, RWE und Co. sind längst nicht mehr Spitze – die Politik hat es befördert.
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Deutschland sucht nach Champions: Unternehmen, die in ihrer Branche an der Spitze stehen. Die Champions sollen stark genug sein, um sich im internationalen Wettbewerb gegen aggressive Konkurrenten behaupten zu können – und sie sollen immun gegen Übernahmeversuche aus dem Ausland sein.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier will solche Champions, Siemens-Chef Joe Kaeser hätte gerne in der Bahntechnik einen Champion geformt – und jetzt hat sich sogar Kartellamtspräsident Andreas Mundt offen für die Debatte gezeigt.

Für eine Branche kommt die Diskussion aber zu spät: die deutsche Energiewirtschaft. Wahrscheinlich sind viele aktuelle und ehemalige Manager von Eon und RWE sogar verärgert über die plötzliche Bereitschaft von Politikern und Wettbewerbshütern, bei einer marktbeherrschenden Stellung auch einmal ein Auge zuzudrücken.

Denn Eon und RWE waren einst Champions. Vor einem Jahrzehnt zählten sie noch zur Spitzengruppe der europäischen Energiebranche. Inzwischen sind sie zu Zwergen geschrumpft, die nur noch eine Nebenrolle spielen. Daran wird auch das aktuell von Eon und RWE geplante Tauschgeschäft nichts ändern.

Natürlich haben die Konzerne selbst viele Fehler gemacht. Sie haben sich viel zu spät der Energiewende verschrieben und viele Milliarden durch riskante Beteiligungen versenkt. In keinem anderen Land Europas mussten die Versorger aber auch mit so drastischen Eingriffen des Staates zurechtkommen.

Am rasantesten war der Absturz von Eon. Anfang 2008 war der Konzern noch mehr als hundert Milliarden Euro an der Börse wert. Eon war sogar kurzzeitig der wertvollste Konzern im Dax, hatte Siemens und SAP hinter sich gelassen.

Aktuell dümpelt Eon um die 21 Milliarden Euro. Siemens ist fast viermal so teuer, SAP sechsmal. Abgeschlagen ist der Versorger auch im Vergleich mit europäischen Wettbewerbern. Enel aus Italien kommt auf einen Börsenwert von 55 Milliarden, Iberdrola aus Spanien auf 48 Milliarden und Electricité de France auf 38 Milliarden Euro.

Einst war Eon auf allen Stufen des Energiemarkts eine Macht. Der Energiekonzern gehörte nicht nur in Deutschland und vielen Märkten Europas zu den größten Strom- und Gaslieferanten. Eon war auch ein mächtiger Stromproduzent mit gewinnbringenden Atom-, Kohle- und Gaskraftwerken.

Neben den Verteilnetzen gehörte Eon in Deutschland auch eines der großen Übertragungsnetze. Und im Gasmarkt war Eon durch die Übernahme von Ruhrgas zum wichtigsten Großhändler Europas aufgestiegen.

Eon wird zum Übernahmekandidaten

Die neue Eon, die Konzernchef Johannes Teyssen jetzt durch das Tauschgeschäft mit RWE aufbaut, soll zwar wieder zu einem führenden europäischen Versorger werden. Eon wird 50 Millionen Kunden beliefern und gut 1,5 Millionen Kilometer an lokalen Strom- und Gasleitungen betreiben. Eon wird eine mächtige Vertriebs- und Netzgesellschaft.

Mehr aber auch nicht. Der Konzern wird bald keinen Strom mehr selbst produzieren. Die Kohle- und Gaskraftwerke hat das Unternehmen in die Neugründung Uniper abgespalten. Die Atomkraftwerke muss Eon abwickeln. Die erneuerbaren Energien, in die Eon dann doch noch entschlossen investierte, wird RWE bekommen.

Das Stromtransportnetz und das Ferngasnetz hat Eon längst verkauft. Den Großhandel mit Energie – also auch das Erbe der Ruhrgas – hat ebenfalls Uniper bekommen. Andere europäische Energiekonzerne wie Engie aus Frankreich oder wie Enel und Iberdrola sind viel breiter aufgestellt. Alles in allem ist Eon ein attraktives Ziel für einen Übernahmeversuch.

Bei RWE war der Absturz nicht minder dramatisch. Dieselben Eingriffe trafen auch Eons Rivalen – und RWE wurde ebenfalls auf einen einzigen Bereich der Wertschöpfung gestutzt: Hier ist es die Stromproduktion. Die Macht der Energiekonzerne Eon und RWE wurde gezielt beschnitten.

Nach Vorgabe der EU-Kommission wurden Netz und Vertrieb getrennt – der Verkauf der Transportnetze für Strom und Gas wurde vorangetrieben. Die Bundesnetzagentur drückte die Renditen im Verteilnetz, das Bundeskartellamt erwirkte den Verkauf von Stadtwerken. Der von der Politik gewünschte Boom der erneuerbaren Energien machte Kohle- und Gasanlagen unrentabel. Dem Atomausstieg musste sich Eon fügen. Jetzt wird RWE der politischen Vorgabe zum Kohleausstieg folgen müssen.

Alle Maßnahmen waren wohlbegründet. Atom- und Kohleausstieg und Energiewende werden von der Mehrheit der Bevölkerung mitgetragen. Die Deregulierungsarbeiten von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt brachten den Wettbewerb auf dem Energiemarkt erst in Schwung.

Aber es wurden starke Unternehmen in einer strategisch wichtigen Branche zerschlagen. Gerade im Energiemarkt werden milliardenschwere Investitionen benötigt, besonders, um die Energiewende zu stemmen. Champions mit Finanzkraft könnte Deutschland hier gut gebrauchen. Die gibt es aber nicht mehr.

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