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Deutsche Exporte

Handelsüberschüssen stehen zwangsläufig Handelsdefizite anderer Länder gegenüber.

(Foto: dpa)

Kommentar Deutschlands Exportrekord ist kein Grund zum Feiern

Deutschland wird 2018 zum dritten Mal in Folge den weltweit größten Handelsüberschuss erzielen. Doch ein so exzessiver Überschuss birgt auch große Gefahren.
3 Kommentare

Wenn‘s schon mit dem Fußball nicht klappt, können wir uns wenigstens mit dem Titel Export-Weltmeister trösten. Laut Ifo-Institut wird Deutschland in diesem Jahr 300 Milliarden Dollar mehr ex- als importieren. Weltrekord.

Doch Party-Stimmung ist unangebracht. Wer feiert, stellt nur seinen Mangel an wirtschaftlichem Sachverstand zur Schau. Mit Lobpreisungen für Exportrekorde würde man im Studium der Volkswirtschaftslehre durch jede Klausur fallen. Denn der deutsche Handelsüberschuss ist nicht per se eine gute Sache, sondern birgt auch Gefahren. Für andere Länder, und Deutschland selbst. Auch, wenn viele das nicht wahrhaben wollen.

In Deutschland geht in der Diskussion um Handelsüberschüsse seit Jahren alles auf erschreckende Weise durcheinander. Für Liberale und Konservative sind hohe Handelsüberschüsse einzig und allein Ausdruck der deutschen Wettbewerbsstärke, die es eisern zu verteidigen gilt. Das ist genauso falsch wie die Überzeugung vieler Linker, die deutschen Überschüsse seien zentrale Ursache für die Schuldenkrise in Südeuropa, so, als wären Länder wie Griechenland für ihre Krise nicht maßgeblich selbst verantwortlich.

Wie also ist der Handelsüberschuss wirklich zu bewerten? Für Deutschland macht es der aktuellen wirtschaftlichen und demografischen Phase absolut Sinn, Handelsüberschüsse zu erzielen. Das Geschäftsmodell der deutschen Volkswirtschaft beruht auf einer starken Exportwirtschaft, die Maschinen für Industrie- und Schwellenländer auf der ganzen Welt herstellt. Deutschland hat sich diese Position in der Weltwirtschaft hart erarbeitet und sollte alles dafür Denkbare tun, diese Stellung zu verteidigen.

Angeheizt wird diese Exportstärke aktuell noch durch die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Der dadurch niedrige Euro-Kurs verbilligt Exporte genauso, wie es der lange Zeit niedrige Ölpreis getan hat. Außerdem hat es grundsätzlich für eine alternde Volkswirtschaft wie die deutsche Sinn, über einen Exportüberschuss jetzt Ersparnisse aufzubauen - um später, wenn mehr Menschen in Rente sind, davon zehren zu können.

Ein deutscher Leistungsbilanzüberschuss von rund vier, vielleicht auch fünf Prozent wäre daher normal. Nur ist deutsche Handelsüberschuss seit mehr als einem Jahrzehnt nicht normal, sondern exzessiv. Seit 2007 liegt er jedes Jahr über der Schwelle von sechs Prozent.

Alles ab dieser Grenze sieht die EU als eine Gefahr für das europäische Finanzsystem an. Und die EU hat diese Schwelle nicht ohne Grund aufgestellt.

Denn Handelsüberschüssen stehen zwangsläufig Handelsdefizite anderer Länder gegenüber. Dieses Defizit müssen die Staaten über Schulden finanzieren. Gehen deren Handelsdefizite immer weiter in die Höhe, nehmen sie also immer mehr Schulden auf - laufen Gefahr, irgendwann unter der Schuldenlast zusammenzubrechen. Die Wirtschaftsgeschichte ist voll mit solchen Beispielen.

Ausgerechnet Deutschland also, das andere Länder immer zur Einhaltung von Regeln und solider Finanzpolitik ermahnt, bricht selbst diese Regeln seit elf Jahren und stiftet andere indirekt dazu an, zu viele Schulden zu machen. Vorbildhaft ist das nicht für ein Land, das von sich glaubt, ein Musterschüler in Sachen solider Haushaltspolitik zu sein.

Deshalb ist es auch kein Wunder, wenn Frankreich oder der Internationale Währungsfonds Deutschland auffordern, seinen Handelsüberschuss doch bitte etwas zu reduzieren. Dahinter steckt nicht – wie hierzulande häufig geglaubt wird – ein Angriff auf das deutsche Geschäftsmodell und die Forderung, Deutschland solle sich selbst schwächen, damit die anderen relativ stärker werden. Es geht schlicht darum, das globale Finanzsystem vor einer Schieflage mit womöglich dramatischen Konsequenzen zu bewahren.

Ein Abbau des deutschen Überschusses läge zudem im ureigenen deutschen Interesse. Denn ein hoher Überschuss heißt ja auch: Viel Erspartes fließt ins Ausland. Und dort ist es längst nicht immer sinnvoll angelegt.

Ein nicht unwesentlicher Teil der deutschen Auslandsersparnisse hat sich in den vergangenen zehn Jahren jedenfalls in Luft aufgelöst. Nicht ohne Grund gibt es seit dem Boom des Finanzsektors in den 2000er Jahren international einen Begriff für das Anlageverhalten deutscher Anleger: „Stupid german money – dummes deutsches Geld.“

Dass trotz dieser Erfahrungen immer noch viel Geld in spekulative Anlagen im Ausland und wenig in handfeste Projekte im Inland angelegt wird, deckt die Schattenseite des deutschen Exportrekords schonungslos auf: Neben der Wettbewerbsstärke stehen die deutschen Handelsüberschüsse auch für die Investitionsschwäche im eigenen Land.

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3 Kommentare zu "Kommentar: Deutschlands Exportrekord ist kein Grund zum Feiern"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Mit Lobpreisungen fuer Exportrekorde wuerde man durch jede Pruefung bei VWL fallen."
    Ja, deswegen sind die Volkswirte ja auch die grossen Wirtschaftskapitaene und stehen an
    der Spitze aller erfolgreichen Regierungen. Aber im Ernst: Ich finde man sollte den Leuten,
    die international begehrte Produkte entwickelt und zu wettbewerbsfaehigen Preisen aud
    den Markt gebracht haben, ein Lob zollen. Wie man mit diesem Ueberschuss umgeht, ist
    eine andere Sache. Man muss viel mehr in die geographische und digitale Infrastruktur
    investieren, damit wir auch in der Zukunft wettbewerbsfaehig bleiben und man muss mehr
    internationalen Partnerschaften eingehen mit Laendern, die uns auch als Partner respektieren.

  • Die Target-2- Salden werden aber die Sache wohl noch spannend machen.

  • "Doch Party Stimmung ist unangebracht"

    Wie wären wohl die Nachrichten, wenn unser Export um 10% zurückgeht? Wieviele Deutsche Arbeitsplätze würde das kosten? Würden dann alle "Hurra" schreien? Nun ja, einige internationale Konkurrenten bestimmt und die Konkursverwalter natürlich auch.

    (...) Beitrag von der Redaktion editiert. Unterstellungen und Verdächtigungen ohne Bezug oder glaubwürdige Argumente, die durch keine Quellen gestützt werden, sind nicht erwünscht.

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