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Kommentar Deutschlands Rechnung zur Energiewende geht nicht auf

Eine Vollversorgung mit erneuerbaren Energien ist derzeit unrealistisch. Ein Erdgas-Ausstieg wäre daher unverantwortlich – zumal die CO2-Bilanz gering ist.
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Allein aus erneuerbaren Quellen lässt sich noch keine gesicherte Versorgung herstellen. Quelle: dpa
Windpark

Allein aus erneuerbaren Quellen lässt sich noch keine gesicherte Versorgung herstellen.

(Foto: dpa)

Deutschland hat ein gravierendes Problem, das sich in zwei Zahlen fassen lässt: Der gesamte Endenergieverbrauch beläuft sich auf 2500 Terawattstunden jährlich. Dem stehen nur 180 Terawattstunden gegenüber, die mittels Wind und Sonne produziert werden. Zwischen diesen beiden Zahlen klafft eine riesige Lücke.

Sie wurde bislang im Wesentlichen mithilfe fossiler Brennstoffe und von Atomkraftwerken geschlossen. Die Nutzung der Kernenergie wird in Deutschland – aus guten Gründen – schon Ende 2022 Geschichte sein. Der Ausstieg aus der Kohle ist beschlossene Sache. Zugleich wird der Ausstieg aus der Nutzung von Öl im Verkehrs- und im Gebäudesektor mit hohem finanziellem Aufwand eingeleitet.

Was bleibt also, um die Lücke zwischen 2500 und 180 Terawattstunden zu schließen? Die Potenziale von Biomasse und Wasser gelten als ausgereizt – auch aus politischen Gründen. Der Anteil von Wind und Sonne wird also weiter wachsen müssen. Und zusätzlich wird Erdgas als letzter fossiler Energieträger noch über viele Jahre eine wichtige Rolle spielen.

Es ist daher schwer nachvollziehbar, dass mittlerweile Forderungen laut werden, auch aus der Erdgasnutzung auszusteigen. Umso wichtiger ist es daher, dass Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier eine Gasstrategie entwickelt hat, die er am Mittwoch vorstellt. Die Branche hat lange darauf gewartet und schöpft Hoffnung für die Zukunft.

Der steigende Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung hat vielen Menschen den Blick auf die Realität verstellt. Tatsächlich kamen zwar im ersten Halbjahr 2019 bereits deutlich mehr als 40 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen. Das ist ein Riesenerfolg. Doch während es im Stromsektor gut aussieht, hinken alle anderen Sektoren – Verkehr, Gebäude, Industrie und Landwirtschaft – beim Einsatz erneuerbarer Energien hinterher.

Selbst der Stromsektor wird sich auf absehbare Zeit nicht ausschließlich aus erneuerbaren Quellen speisen lassen. Auch wenn man die installierte Leistung von Windrädern und Photovoltaikanlagen bis an die äußersten Akzeptanzgrenzen erhöht, bleiben Phasen, in denen weder der Wind weht noch die Sonne scheint. Diese Dunkelflauten, die gerne auch mal zwei Wochen dauern und sich mit schöner Regelmäßigkeit in jedem Jahr ereignen, lassen sich mittels gespeicherten Stroms aus wind- und sonnenreichen Tagen nicht überbrücken.

Saisonale Speicher reichen nicht aus

Die Vorstellung, man könne in solchen Phasen ja die vorhandenen Pumpspeicher nutzen – also jene hoch gelegenen Reservoirs, aus denen Wasser in die Tiefe stürzt, um eine Turbine anzutreiben –, führt in die Irre.

Setzt man den verfügbaren Energieinhalt in allen Pumpspeichern, die deutschen Übertragungsnetzbetreibern zur Verfügung stehen, ins Verhältnis zum elektrischen Energiebedarf eines durchschnittlichen Wintertags, dann reicht dieses Speichervermögen nicht annähernd aus, um auch nur eine Stunde Dunkelflaute zu überbrücken. Fazit: Pumpspeicher sind zwar unerlässlich, um kurzfristige Schwankungen auszugleichen, als saisonale Speicher zur Überbrückung für mehrere Tage reichen sie nicht aus.

Der Verweis auf die schier unendlich erscheinenden norwegischen Wasserkraftkapazitäten hilft ebenso wenig. Die Norweger brauchen den Strom überwiegend für sich allein; die beiden Seekabel zwischen Norwegen und Deutschland, von denen eines 2020 in Betrieb gehen soll, sollen bei Spitzenbedarf eingesetzt werden, zur Überbrückung einer Dunkelflaute sind sie weder geplant noch geeignet.

Noch naiver ist die Vorstellung, man könne in der schönen neuen Energiewelt in Zeiten mauer Sonnen- und Windstromproduktion auf die Akkus der Elektroautos zurückgreifen. Dazu nur eine überschlägige Rechnung: Eine Million E-Autos, die mit halbvoller Batterie ans Stromnetz angeschlossen sind, könnten die deutsche Stromversorgung etwa 20 Minuten lang abdecken.

Natürlich werden Batteriespeicher – und nicht nur solche in Elektroautos – im Energieversorgungssystem der Zukunft eine wichtige Rolle spielen. In kleinerem Maßstab tun sie das bereits heute: Sie helfen, Schwankungen im Stromnetz abzupuffern. Aber über Stunden, Tage oder gar Wochen wird man Deutschland nicht mit Batteriestrom versorgen können.

Abkehr nicht vertretbar

Womit wir beim Erdgas wären. Erdgas ist der fossile Energieträger mit den geringsten spezifischen CO2-Emissionen. Er lässt sich dann einsetzen, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Doch während er noch vor wenigen Jahren von Grünen-Politikern als ideale Ergänzung der erneuerbaren Energien gepriesen wurde, wenden sich mittlerweile viele ab.

Eine Abkehr vom Erdgas erscheint aus aktueller Sicht nicht vertretbar, im Gegenteil: Atom- und Kohleausstieg werden es unumgänglich machen, neue Gaskraftwerke zu bauen. Das ist im Übrigen eine zentrale Erkenntnis der von der Bundesregierung eingesetzten Kohlekommission. Bei aller Euphorie im Klimaschutz – die Realität lässt sich nicht ausblenden. Ohne Gas wird es nicht gehen.

Mehr: Eine aktuelle McKinsey-Studie zeigt: Deutschland verfehlt die Ziele der Energiewende.

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6 Kommentare zu "Kommentar: Deutschlands Rechnung zur Energiewende geht nicht auf"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Also Herr Michael,
    wenn keine Speicher angesprochen werden, die saisonale Schwankungen überbrücken können, dann hat das auch einen technisch-/funktionalen Grund - sie sind dazu nicht in der Lage, wegen völlig unzureichender Kapazität. Sie können sich leicht davon überzeugen, wenn Sie nur mal nachrechnen. Hier schon mal das überschlagene Ergebnis vorab: über 2000 Punmpspeicherwerke oder über 100 Millionen e-Fahrzeuge oder Powerto-X--Anlagen mit Stromeinspeisung von ca. über 100.000 weiteren Windkraftanlagen in 10.000 Windparks, die alle im Abstand von 2,5 km das Land komplett überziehen würden. Wenn sie der Meinung sind, dass dabei die Bürger noch mitmachen werden, dann träumen Sie ruhig, zusammen mit Herrn Quaschning, weiter. Sie müssen allerdings damit auch rechnen, dass vor der Vollendung Ihrer Träume unsere Wirtschaft komplett ruiniert worden ist.

  • Lieber Herr Michael,
    Es ist leider Ihr Kommentar, nicht der Autor des Artikels, der an den Tatsachen vorbei geht. Der von Herrn Stratmann genannte Endenergieverbrauch von 2500 THW ist exakt der, der auch von der AG Energiebilanzen https://ag-energiebilanzen.de/9-0-Energieflussbilder.html angegeben wird. Ich weiß auch nicht, wie Sie darauf kommen, dass ein E-Fahrzeug nur ein sechstel der Energie eines Verbrennungsmotors verbraucht. Wenn man den Wirkungsgrad eines Elektromotors (90%) mit dem eines Verbrenners (30%) vergleicht liegt dazwischen nur ein Faktor 3. Der Vergleich hinkt aber, denn man muss ihn auf der Primärenergieebene anstellen. D.h. den Brennstoffmix der Stromerzeugung für die E-Fahrzeuge mit dem Diese/ Benzinverbrauch eines Verbrenners vergleichen. Dann ergeben sich Gesamtwirkungsgrade von 30-50 Prozent für E-Fahrzeuge und 20-40 Prozent für Verbrenner https://www.energie-lexikon.info/elektroauto.html
    Im Übrigen kann ich dem Artikel von Herrn Stratmann nur zustimmen und hoffe, dass ihn auch die deutschen Energiepolitiker zur Kenntnis nehmen.

  • Oh je, was für ein Artikel. Leider ist hier so viel falsch, dass sich mir die Haare sträuben. Also nur Lesen wenn man sich mit dem Thema auseinander setzen möchte. Bereits die Eingangsprämisse ist nicht haltbar. 2500TWh, nee sorry. 1200TWh sind machbar. Ein E-Auto benötigt ca ein 6.tel der Energie eines Verbrenners und bei Einsatz einer Wärmepumpe, reduziert sich er Wärmebedarf eines Hauses um 66%. Auch werden keine P2P und Speicher angesprochen die saisonale Versorgungslücken überbrücken können.
    Dieser Artikel in einem renomierten Papier schockiert mich, da er desinformiert und Widerstände zur Energiewende aufbaut.
    Wir können gute Konzepte verfolgen. S. auch Volker Quaschning, hier gibt es jede Menge Lösungsansätze.....

  • Ich bin von diesem Artikel erstaunt. Es gibt Pläne für die dunkel Flauten: Power to Gas. Aus Strom wird, über Elekrtrolyseure, Wasserstoff / Methan erzeugt. Dieses wird in das Erdgasnetz eingespeist. Testanlagen laufen bereits und große MW Anlagen werden geplant. Theoretisch wäre mit diesen Anlagen auch keine neuen Hochspannungsleitungen Nord-Süd notwendig. Nebenbei sind deutsche Firmen wie Sunfire Technologieführer und scharen mit den Hufen in großen Maßstab zu produzieren. Ich denke die perfekte Lösung. Mit Gas Kraftwerken mit Wärmekopplung gibt es Synergie Effekte. Klar ist aber auch, es kostet Geld. Im Spiegel gibt es einen Artikel. die verschleppte Energierevolution

  • Lasst doch die Kernkraftwerke weiterlaufen. Noch sind welche da. Die produzieren elektrische Energie ohne CO2-Ausstoß auch wenn Wind und Sonne streiken und an das Netz sind sie ja schon angeschlossen. Am besten wäre, wenn genügend Leute ihre Gehirne einschalten würden, nicht wegen der elektrischen Energie aber wegen der Denkleistung.

  • Ein Artikel, die Situation der Energieversorgung realistisch sieht. Schon wegen der Akzeptanzprobleme der Windkraft, für die ich Verständnis habe, wenn Häuser durch die Nähe zu Windkraftanlagen ihren Wert verlieren, werden nicht genügend Anlagen gebaut werden können. Dazu kommen die Probleme der Netzstabilität, die es erforderlich machen, Generatoren von stillgelegten Kernkraftwerken mitlaufen zu lassen, um die Kurzfriststabilität zu erhalten. Die Langfriststabilität lässt sich nur durch eine hohe Anzahl von Eingriffen halten. Meines Erachtens ist das Problem nur durch Kernfusionskraftwerke zu lösen, die aber wohl nicht vor 2050 zur Verfügung stehen, es sei denn, Lockheed-Martin oder einer anderen US-amerikanischen oder kanadischen Firma gelingt früher der Durchbruch.